BSI-Grundschutz: zu komplex, zu aufwändig, zu deutsch
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beschreibt seine IT-Grundschutz-Kataloge als "die Basis für Informationssicherheit". Da Institutionen in Wirtschaft und Verwaltung vom dem einwandfreien Funktionieren der eingesetzten IT abhängig seien, gleichzeitig aber Gefährdungspotenziale vielfältiger und zahlreicher würden, sollten sie die Fragen beantworten, wie sich, wo und mit welchen Mitteln mehr Sicherheit erreichen lasse.
IT-Grundschutz, so das BSI, sei eine einfache Methode, dem Stand der Technik entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zu identifizieren und umzusetzen. Das BSI stellt zudem einige Werkzeuge zur Verfügung, die bei der Umsetztung helfen sollen. Dazu gehört auch die "ISO-27001-Zertifizierung auf Basis von IT-Grundschutz". Sie umfasst sowohl eine Prüfung des Informationssicherheitsmanagements als auch der konkreten Sicherheitsmaßnahmen auf "Basis von IT-Grundschutz".

"Wenn Unternehmen eine Zertifizierung anstreben, passt der IT-Grundschutz in vielen Fällen nicht", kritisiert Herbert Blaauw, Sicherheitsberater beim Dienstleister Atos Origin (Bild: Atos Origin).
Deren Eignung für die Praxis wird jedoch in letzter Zeit immer häufiger in Frage gestellt. "Wenn Unternehmen eine Zertifizierung anstreben, passt der IT-Grundschutz in vielen Fällen nicht", stellt etwa Herbert Blaauw, Sicherheitsberater bei Atos Origin, fest.
"Das gilt vor allem für Unternehmen mit weniger als 300 Mitarbeitern. Die Prozesse und Maßnahmen, die das BSI vorschreibt, sind zu aufwändig für kleine Unternehmen." Das liege vor allem daran, dass das Zertifizierungsschema des BSI vorsieht, dass die Maßnahmen aus den Grundschutzkatalogen - bezogen auf den IT-Verbund - entsprechend umgesetzt werden müssen.
Inhalt
7 von 18 Lesern fanden diesen Artikel nützlich.






mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen, der jedoch aus meiner Sicht und auf Grundlage meiner praktischen Erfahrung mit Zertifizierungen nach ISO 27001 auf Basis von BSI IT-Grundschutz an der Praxis weit vorbei geht.
Das von Ihnen erwähnte "Korsett des BSI" ist bei weitem nicht so eng wie Sie dies hier darstellen, da die Maßnahmenkataloge des BSI Maßnahmenempfehlungen und keine Vorschriften enthalten. Es besteht bei jeder Maßnahme die Möglichkeit eine "Entbehrlichkeitsbegründung" zu führen. Legitime Argumentation im Rahmen einer solchen Entbehrlichkeitsbegründung kann insbesondere auch ein nicht angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis sein. Dies ermöglicht es KMUs nach einer kritischen Auseinandersetzung mit einer Maßnahme diese nicht zwangsweise umzusetzen, wenn das unter Berücksichtigung der Ziele, des Budgets, des Aufwandes für die Umsetzung und der Unternehmensgröße objektiv nicht sinnvoll und zielführend ist.
Weiterhin ist die Behauptung, dass sich das BSI nicht von dem aktuellen als "normativ" bezeichneten Vorgehen löst falsch. Das BSI hat durchaus erkannt, dass die Wahrnehmung von Grundschutz in der Öffentlichkeit als "komplex" und "zu aufwändig" zu bezeichnen ist. Aktuell arbeitet das BSI daher an einer Restrukturierung der Grundschutzkataloge in "primäre" und "sekundäre" Bausteine, Maßnahmen und Gefährdungen, die für den Anwender ein Fokussierung auf wesentliche Kernaspekte der Informationssicherheit ermöglicht. Zertifizierungsrelevant sind zukünftig nur noch die "primären" Maßnahmen. Bei Ihrer Recherche zu Ihrem Artikel hätte Ihnen diese Information jeder beim BSI lizenzierte ISO 27001-Auditor oder das BSI selbst bereit stellen können.
Weiterhin möchte ich Ihre Behauptung BSI IT-Grundschutz sei für KMUs nicht geeignet / realisierbar mit einem konkreten Beispiel widerlegen. Ich persönlich habe beratend ein Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern bis zur Zertifizierung ihres ISMS durch das BSI begleitet. Gern stelle ich Ihnen hierzu auch die Zertifikat-Nummer bereit.
Mit freundlichen Grüßen,
Knut Haufe,
CISA | CISM | CISSP | ISO 27001 Auditor (TÜV und BSI)
Mir ist aufgefallen, dass das BSI in Ihrer Darstellung nur wenig Platz erhalten hat. Bei den anderen zitierten Protagonisten kann man Zweifel bekommen, inwieweit diese tatsächlich praktische Erfahrung mit Grundschutzzertifizierungen besitzen. Die Aussage von Herrn Caspar, dass Grundschutz in der Praxis kaum eine Rolle spielt, ist - wie ausgeführt - nicht korrekt. Meine Erfahrung in den letzten zwei Jahren war, dass die Mehrzahl der zertifizierten KMUs auch die Rezertifizierung mit dem BSI als Zertifizierungsstelle durchgeführt haben. Die Statements von Herrn Blauuw verwundern, wo er doch selbst an den IT-Grundschutzkatalogen mitwirkt.
ich vermisse in Ihren Artikel die kritische Auseinandersetzung mit der in der Praxis tatsächlich umgesetzten Sicherheit bei den Wirtschaftsunternehmen. Die Sicherheitsprobleme sind enorm. Das hat gerade auch der Confiker-Vorfall gezeigt, von dem gerade die Unternehmen betroffen waren. Die aktuelle Sicherheitslücke im IE zeigt, wie anfällig die IT heute ist und wie leicht die vielen Schwachstellen auch für Wirtschaftsspionage (und nicht nur in den USA) genutzt werden. Die Verfassungsschutzämter warnen gerade auch den deutschen Mittelstand schon seit längerem vor Wirtschaftsspionage und empfehlen, mehr in die IT-Sicherheit zu investieren, damit ihre Investitionen und ihr Know-How geschützt sind. Gerade bei KMUs kann Wirtschaftsspionage zur Insolvenz führen.
Die Umsetzung von Sicherheit ist aufwändig, aber auch notwendig. Gerade der IT-Grundschutz stellt ein erprobtes Mittel dar, für ausreichende Sicherheit zu sorgen. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit sammeln können.
Unterstützt wird der IT-GS übrigens im Bereich der Internetsicherheit durch die neue Internetsicherheits-Reihe (ISi-Reihe) des BSI. Diese hilft insbesondere bei einer grundschutzkonformen Konzeption und Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen (siehe auch www.isi-reihe.de/...).
hs