CBS INTERACTIVE BUSINESS SITES: ZDNET.DE | SILICON.DE
BEI SILICON.DE: "Hallo, Millionär": Als die Dotcom-Blase platzte
ANZEIGE
ANZEIGE
 

Der Europäische Datenschutztag - eine leere Hülle

gepostet von Peter Marwan
@
28.01.10, 11:44 Uhr

Heute, am 28. Januar 2010, ist der 4. Europäische Datenschutztag. Wer es nicht gewusst hat, braucht sich dessen nicht zu schämen – er ist nicht allein. Was soll dieser Tag? Er soll der Öffentlichkeit in Europa Bedeutung und Notwendigkeit des Schutzes der persönlichen Daten bewusst machen. Was geschieht dazu an diesem Tag von offizieller Seite? So wie es derzeit aussieht, so gut wie nichts.

Die offizielle Einladung des offenbar dieses Jahr mit der Organisation der zentralen Veranstaltung betrauten Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit weist auf eine Podiumsdiskussion in der Berliner Charité hin. Dort soll unter dem pfiffigen Titel "Zu Risiken und Nebenwirkungen für das Persönlichkeitsrecht der Patienten" über Gesundheitsdaten im Netz gesprochen werden. Eingeladen sind die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder sowie interessierte Journalisten und Bürger. Mit dem Thema befassen sich auch die vom hessischen Datenschutzbeauftragten für heute nach Wiesbaden eingeladenen Referenten.

Etwas mehr Nutzwert dürfte für die "interessierten Bürger" immerhin der Tag im Landesverwaltungsamt im sachsen-anhaltischen Halle haben. Dorthin laden anlässlich des 4. Europäischen Datenschutztages Vertreter von Institutionen sowie Unternehmen zu einer Informationsveranstaltung ein. Mit Vorträgen, Präsentationen, Infoständen und einer Podiumsdiskussion soll verdeutlicht werden, welche Daten zu welchen Zwecken gesammelt werden und wie man sich als Verbraucher dagegen wehren kann. Außerdem wird die Arbeit der Aufsichtsbehörde vorgestellt.

Trügerisch ist dagegen die Information, die sich unter www.datenschutztag.de findet. Da wird zwar eine vielversprechende Veranstaltung in Oranienburg angekündigt. Letzten Endes ist es aber eine Werbeveranstaltung der Firma Kedua, die sich auf ihrer eigenen Website nicht so ganz exakt zu ihrem Tätigkeitsfeld äußert. Wahrscheinlich übernimmt sie extern die Funktion des betrieblichen Datenschutzbeauftragten und bildet dazu aus. Das ist zwar ehrenwert, verbessert die Situation aber auch nicht von Grund auf.

Dabei gäbe es genug zu tun. "Während sich die Nutzung des Internets im vergangenen Jahrzehnt grundlegend verändert hat, haben wir unser Verständnis, wie Online-Persönlichkeitsprofile das reale Leben beeinflussen, nicht im selben Maße weiterentwickelt", sagt etwa Tom Köhler, Director Security Strategy & Communication bei Microsoft Deutschland. Die heutige Erwachsenengeneration besitze noch eine Art "digitale Unschuld", weil nicht jeder Jugendstreich auf YouTube und Co. dokumentiert sei.

Die sogenannten "digital natives" dagegen täten jedoch gut daran wachsam zu sein und die Chancen zu nutzen, das eigene Image zu pflegen. Ganz so schlimm wie der Microsoft-Manager meint, ist die Situation aber nicht. Viele sind sich der Gefahren in diesem Umfeld durchaus bewusst. Deshalb machen sie einfach falsche Angaben. Ob das die Lösung ist, darf jedoch bezweifelt werden.

"Deutliche Beschränkungen des Rechts auf Privatsphäre unter dem Vorwand der Bekämpfung des Terrorismus"

Viel weiter noch geht Martin Scheinin, UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte. Er weist in seinem Ende Dezember vergangenen Jahres vorgelegten Bericht (PDF) darauf hin, dass es in den vergangenen Jahren unter dem Vorwand der Bekämpfung des Terrorismus deutliche Beschränkungen des Rechts auf Privatsphäre gegeben habe. Viele Länder rechtfertigten ihre Maßnahmen damit, dass terroristische Aktivitäten nur durch verstärkte Überwachung zu verhindern seien. Informationstechnologie schaffe dafür bisher nicht gekannte Möglichkeiten. Mit dieser Argumentation umgehe man auch verfassungsmäßig verankerte Schutzmaßnahmen mit juristischen Tricks.

Da Überwachung nun Bestandteil der Politik sei, habe sich auch die Beweislast umgekehrt. Es gehe nicht mehr darum nachzuweisen, dass eine Überwachungsmaßnahme notwendig und gerechtfertigt ist. Nein, Kritiker seien jetzt in der Pflicht, zu begründen, warum die Sammlung dieser oder jener Daten nicht notwendig oder zulässig ist.

Zwar räumt Scheinin ein, dass das Recht auf Privatspähre nicht absolut ist, sondern unter bestimmten Umständen eingeschränkt werden kann. Aber er sagt auch ganz deutlich, dass "Terrorismus keine Trumpfkarte sein darf, die automatisch jeden Eingriff in das Recht auf Privatsphäre legitimiert."

Wie die Politik das leisten will, wäre doch ein spannendes Thema für Diskussionen anlässlich des 4. Europäischen Datenschutztages gewesen. Schade, wieder eine Chance verpasst.

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
2 von 2 Lesern fanden diesen Artikel nützlich.
ANZEIGE

Trackbacks und Pingbacks

TrackbackTrackback-URL:

Link zum Artikel setzen bei

  • Digg
  • Del.icio.us
  • Webnews
 
ANZEIGE
Neueste Kommentare »

11. März 2010, 23:17 Uhr
AW: Apple=überflüssig und unwichtig lohnt sich nicht drüber zu reden

ach Tom regt Dich nicht auf, das Apple bald pleite geht ist doch logsich bei den » mehr...

zu Wann überholt Apple Microsoft?

5. März 2010, 09:38 Uhr
?CeBIT Sounds!? rockt?!? ? Nein, ?CeBIT Sounds!? floppt!!!

Mehr kann man dazu nicht zu sagen! Ein echtes Disaster, die Anzahl der Aussteller » mehr...

zu Die CeBIT rockt - oder doch nicht?

1. März 2010, 03:13 Uhr
AW: viel wichtigere Frage

Weil die Einrichtung, die wir Staat nennen, solch ein modernes Raubrittertum unterstützt, » mehr...

zu PC-Abgabe: Der Countdown läuft

22. Februar 2010, 14:55 Uhr
AW: iJuche

Apropos Jünger - allen, die keine kennen, möchten wir einen Bericht unserer US-Kollegen » mehr...

zu Apple: Splendid Isolation oder nur Isolation?

21. Februar 2010, 08:16 Uhr
Bitte um sofortige Überweisung von 120 Euro pro Leser!

Ihr benutzt die deutsche Sprache (naja, mehr oder weniger ;-}}. Ich auch. Also » mehr...

zu Darum sind 3,47 Euro Urheberrechtsabgabe pro Rohling zu wenig

Postings im Mobile-Blog »

"Hannover ist langweilig"

Research in Motion findet die CeBIT in Hannover langweilig – klar man ist ja nicht mit einem eigenen Stand vertreten, um die BlackBerry-Produkte zu ...

25. Feb. 2010, 17:23 Uhr
0 Kommentare

iPad: Ernüchterung nach dem Rausch

Apple hat es wieder einmal geschafft: So viel Aufsehen um ein neues Produkt ...

29. Jan. 2010, 23:46 Uhr
8 Kommentare

Das Nexus One ein Ladenhüter? Google kann nicht Apple!

Wenn es stimmt, was Applikations-Anbieter Flurry in seinem Blog behauptet, nämlich, ...

15. Jan. 2010, 17:20 Uhr
1 Kommentar

Top-Themen bei ZDNet

Browserwahl: Alternativen für den lahmen Microsoft-Browser

Mit der von der EU verordneten Auswahlbox unter Windows soll mehr Wettbewerb im Browsermarkt entstehen.... » mehr

Core i7-980X: Sechs-Kern-Prozessor für Desktops im Test

Für den 32-Nanometer-Prozessor mit sechs Kernen und zwölf Threads integriert Intel 1,17 Milliarden Transistoren... » mehr

Microsofts Zukunftspläne: Handys, Browser, Online-Office

Auf der Mix 10 in Las Vegas will Microsoft nächste Woche Weichen für strategisch wichtige Produkte stellen,... » mehr