Früherer Intel-Chef Paul Otellini stirbt mit 66 Jahren

Nach fast 40 Jahren beim weltgrößten Chiphersteller und nur kurzer Zeit im Ruhestand ist Paul Otellini gestorben. Der frühere CEO war maßgeblich für die Festigung der Dominanz von Intel im Prozessorgeschäft verantwortlich.

Bereits am 2. Oktober 2017 ist Paul Otellini im Schlaf gestorben, wie sein früherer Arbeitgeber Intel nun mitteilt. Der Manager war von 2005 bis 2013 CEO des Halbleiterherstellers und erst der fünfte Chef des Unternehmens, das 1968 gegründet wurde. Otellini hinterlässt seine Ehefrau sowie einen Sohn und eine Tochter aus der Verbindung. Er starb kurz vor seinem 67. Geburtstag.

Intel-CEO Paul Otellini (Bild: Intel)Der frühere Intel-Chef Paul Otellini wurde nur 66 Jahre alt (Bild: Intel).

In vielerlei Hinsicht war die Karriere des Kaliforniers außergewöhnlich. Er folgte in der Position des Chief Executive Officers Craig Barrett, obwohl er als erster Intel-Chef kein studierter Ingenieur war. Otellini erwarb statt der üblichen elektrotechnischen Ausbildung in den 1970er Jahren zwei Abschlüsse in Wirtschaftswissenschaften und galt in seinen ersten beiden Jahrzehnten bei Intel vor allem als Marketingexperte. Viel Knowhow erwarb er sich dort aber schon früh als Programmierer, und später als technischer Assistent des damaligen CEOs Andy Grove, einem der Mitbegründer von Intel.

Sein Durchbruch ins Topmanagement des Unternehmens kam erst 1998, als Otellini mit der Intel Architecture Group den wichtigsten Teil von Intel leiten konnte. Zuvor hatte er durch einen bis dahin nicht gekannten Marketingaufwand bei der Produkteinführung des ersten Pentium-Prozessors 1993 – und der Behandlung des berüchtigten FDIV-Bugs der ersten Version dieser CPU – von sich reden gemacht. Als Otellini 2005 zum CEO ernannt wurde, befand sich Intel in hartem Konkurrenzkampf mit AMD, deren Athlon-64-Prozessoren große Marktanteile erobern konnten. Zudem hatte das Platzen der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende für einen unerwarteten Absatzeinbruch bei PCs und damit Intels Produkten gesorgt.

Folglich führte Otellini das Unternehmen  mit harter Hand auf einen strengen Sparkurs, bereits 2006 wurden 10 Prozent der Angestellten entlassen. Von Intel-Angestellten war in dieser Zeit immer wieder zu hören, dass der neue CEO vor allem die wirtschaftliche Entwicklung im Auge habe und weniger die langfristige technische Innovation. Dabei schaffte Otellini aber, was damals kaum ein Hightech-Unternehmen vollbrachte: Intel blieb mit einer Ausnahme stets profitabel. Die Rekordstrafe der Europäischen Kommission von über einer Milliarde Euro wegen Wettbewerbsbehinderung von AMD verhagelte die Bilanz im zweiten Quartal 2009. Inzwischen wurde das Urteil aber aufgehoben.

Vor allem das Verschlafen des Trends zu mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets führte dem Vernehmen nach Ende 2012 zum Rücktritt von Otellini als CEO. Er war damals erst 61 Jahre alt, gemäß der internen Regeln der Firma ziehen sich Intel-Chefs erst mit 65 aus dem operativen Geschäft zurück und arbeiten dann noch im Aufsichtsrat weiter – Otellini tat das nicht. Er schlug auch keinen Nachfolger vor, was bei Intel die Regel ist. Als aussichtsreichster Kandidat galt lange Zeit der CTO und 486-Chefentwickler Pat Gelsinger, doch mit diesem hatte sich Otellini bereits 2009 zerstritten, sodass Gelsinger unmittelbar vor der von ihm erfundenen – und inzwischen eingestellten – Konferenz IDF das Unternehmen verlassen musste. Auch der dann als Kandidat gehandelte Chipentwickler David Perlmutter wurde nicht CEO.

Es folgte also eine lange Übergangsphase, erst im Mai 2013 beendete Otellini sein Engagement bei Intel, als der Nachfolger Brian Krzanich feststand, der seit 1982 bei Intel arbeitet. Mit ihm steht nun wieder ein Ingenieur an der Spitze des Chipherstellers.

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