USA: Gesetzentwurf sieht Verbot für fest verklebte Akkus vor

Es stärkt das Recht auf Reparatur. Washington will ab 2019 den Verkauf von elektronischen Geräten mit fest verklebten Akkus verbieten. Sie erschweren nicht nur die Reparatur, sondern auch das Recycling von Altgeräten. Gegenwehr kommt von den Verbänden der IT-Branche.

Das Parlament des US-Bundesstaats Washington berät über ein Gesetz, das das Recht auf Reparatur stärken würde. Wie Motherboard berichtet, soll es ab 2019 den Verkauf von elektronischen Geräten – also auch Smartphones – verbieten, die so gestaltet wurden, dass eine „Diagnose oder Reparatur durch einen unabhängigen Reparaturdienst“ verhindert wird. Konkret werden in dem Entwurf „dauerhaft verklebte Akkus“ als Beispiel genannt.

iPhone-Akkus (Bild: iFixit).Viel Aufmerksamkeit erhält das Gesetz in den USA derzeit aufgrund der Diskussion um Apples Umgang mit Akkus älterer iPhones. Das Unternehmen räumte kürzlich ein, per Softwareupdate schon seit Monaten die Leistung älterer iPhones zu drosseln. Seine Kunden informierte Apple jedoch nicht über das neue Energiemanagement. Massive Beschwerden von Nutzern führten schließlich dazu, dass Apple einen Akkutausch zum deutlich reduzierten Preis von 29 Euro anbot – allerdings nur in den eigenen Shops und bei autorisierten Partnern.

Unabhängigen Reparaturdiensten dürfte es jedoch schwer fallen, für den Preis einen Akku zu tauschen. Auch ein Akkuwechsel in Eigenregie ist für die mit Abstand meisten Nutzer eher nicht zu empfehlen. Schon seit Jahren kritisiert unter anderem iFixit, dass Apple die Akkus seiner Smartphones vollflächig verklebt, was das Entfernen eines Akkus ohne Beschädigung deutlich erschwert. In seinen Anleitungen empfiehlt iFixit deswegen auch, den Akku vor dem Tausch fast vollständig zu entleeren, um im Falle einer Beschädigung des Akkus beim Ausbau das Risiko einer „thermischen Selbstentzündung“ zu minimieren.

Der Washingtoner Abgeordnete Jeff Morris betonte jedoch gegenüber Motherboard, dass er den Gesetzentwurf, der parteiübergreifend unterstützt wird, vor Bekanntwerden von Apples Akkuproblematik eingebracht habe. Das Thema erhalte jedoch seitdem bei den Abgeordneten und auch bei den Wählern viel Aufmerksamkeit.

Dem Bericht zufolge erwägen auch andere Bundesstaaten Regelungen, die sich mit dem Recht auf Reparatur beschäftigen. Das von Morris und elf weiteren Abgeordneten vorgeschlagene Gesetz gehe jedoch einen Schritt weiter, weil es explizit auf fest verbaute Akkus eingehe. Morris habe diese Vorschrift nach einem Gespräch mit einem unabhängigen Anbieter von Reparaturen hinzugefügt. Er habe ihm bestätigt, dass auch andere Hersteller die Akkus ihrer Geräte fest verklebten, was nicht nur eine Reparatur, sondern auch das Recycling erschwere.

„Besonders bei Apple-Telefonen verkleben sie den Akku im Gehäuse, was für mich wie ein absichtlicher Versuch aussieht, die Reparatur des Geräts zu verhindern“, wird der Abgeordnete in dem Bericht zitiert. „Es hilft, den Weg solcher Geräte zum Müll zu beschleunigen. Wir versuchen also, uns an die Philosophie unseres Staates zu halten, die da lautet recyceln, reparieren und wiederverwenden.“

Gegenwind kommt von verschiedenen Technikfirmen. Unter anderem die Branchenverbände Consumer Technology Association und Computer Technology Industry Association nannten das Gesetz „unvertretbar“. Den Verbänden gehören unter anderem Apple, Microsoft, Verizon und Comcast an.

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13 Kommentare zu USA: Gesetzentwurf sieht Verbot für fest verklebte Akkus vor

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  • Am 30. Januar 2018 um 7:46 von Sven Tasche

    Endlich mal etwas sinnvolles aus den USA! Mich würde mal interessieren, wie die Verbände ihr „unvertretbar“ begründen. Gewinnmaximierung und Absatzsteigerung dürften die wahren Gründe sein.

    • Am 31. Januar 2018 um 13:48 von Antiappler

      Ich bezweifle stark, dass das was wird.
      Die Technikfirmen wie Apple oder Microsoft sind einfach zu mächtig. Deren Lobbyisten werden es schon schaffen, dass entsprechende Gesetze noch genügend Spielraum lassen, den Akku auch weiterhin nicht einfach für Kunden austauschbar zu machen.

      Und die bisher auch von Apple verwendeten, dürren Ausreden kann man hier nachlesen. Gewinnmaximierung und Absatzsteigerung treffen ganz sicher zu.

      https://goo.gl/f2x6hf

      • Am 31. Januar 2018 um 15:19 von Klaus der Verblüffte

        Ich weiß gar nicht, was Dich deückt: Du kannst doch einfach zur Klitsche um die Ecke gehen, und einen Akku beim iPhone wechseln lassen. Wo ist Dein Problem?

        Das geht auch bei verklebten Samsungs, Google Pixels und beim Wettbewerb, der ebenfalls dünne Smartphones baut.

        Nur bei Microsofts Surface Geräten, da scheint der Klebstoff so inflationär verwendet worden zu sein, dass man da nur wenig machen kann.

        iFixIt: 1 von 10 Punkten beim Surface Book 2
        https://is.gd/6N7BMj

        iFixIt: 0 von 10 Punkten beim Surface Laptop
        https://is.gd/YvrDKK

        Und das Surface Studio hat immerhin 5 von 10 …
        https://is.gd/zQm1tH
        … aber: „CPU, GPU und RAM sind fest verlötet und lassen sich nicht austauschen.“

        Du solltest also etwas lauter Dein Idol Microsoft anklagen, bevor Du woanders hinschaust. ;-)

        • Am 31. Januar 2018 um 23:18 von Antiappler

          Klar kann ich das machen. Aber aus welchem Grund sollte ich Geld für etwas ausgeben, was man doch eigentlich auf ganz einfache Weise selbst erledigen kann. Dazu braucht man sich nur einen Akku zu kaufen.

          Warum fühlst Du Dich, wie schon so oft, mal wieder angegriffen, wenn man etwas bei Apple anprangert?
          Normal ist so ein Verhalten doch wirklich nicht!

          Woraus schließt Du eigentlich, dass Microsoft mein Idol ist? Ich habe nicht mal ansatzweise etwas in der Art anklingen lassen.
          Bei Dir kann man allerdings wirklich sagen, dass Dein Idol, (Götze) ein Apfel ist.

  • Am 30. Januar 2018 um 7:55 von thomas

    Das sind doch mal gute Nachrichten aus den USA!

  • Am 30. Januar 2018 um 9:29 von Sven

    Na das ist doch mal eine richtig gute und benutzerfreundliche Idee.
    Endlich mal ein Gesetz, was für den Benutzer und nicht wieder einmal für die Industrie gedacht ist.
    Nur leider ist das aus nur den USA. Das müsste weltweit gelten.

  • Am 30. Januar 2018 um 9:49 von Niko

    ENDLICH, ein Aufwachen, mal ein Lichtblick aus den USA. Nach langer Suche habe ich letztes das LG V20 gefunden und gekauft, eins der letzten Geräte bei dem sich problemlos der Akku wechseln lässt. Schon beim Nachfolger V30 geht es nicht mehr. Die EU sollte es übernehmen!

  • Am 30. Januar 2018 um 14:49 von BigSir

    Solch ein Gesetz haben wir für Europa schon längst.
    Das Problem ist nur die Formulierung.
    Wenn nämlich der Herstellers sagt es geht nicht anders und „aus Gründen“ müsse der Akku fest verbaut sein, dann wird er halt fest verbaut.
    Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Amis auch etwas wischiwaschi ihr Gesetz entwerfen könnten.
    Ich habe übrigens noch mein Galaxy S5 (4 Jahre alt) in Betrieb. Das letzte Modell von Samsung mit austauschbarem Akku.
    Ich würde ja gern ein Fairfone 2 nehmen, die haben aber Lieferprobleme.

  • Am 30. Januar 2018 um 22:58 von C

    q.e.d – was Ich im Forum immer gesagt habe.

    Es wird die Vorgabe des Gesetzgebers nötig, weil inkompetente „Manager“ den Kunden zu Lasten der Umwelt ausnehmen wollen.

    Schade, dass wir in der EU das nicht zwingend hinbekommen – und die USA wieder den Weg weisen müssen.

    So ähnlich wie der Austausch von Lichtkomponenten bei PKWs. Da musste eine Zeit lang der halbe PKW demontiert werden um an eine Wartungs-Komponente heran zu kommen.

    Entweder die Ingenieure sind völlig verblödet oder sie handeln auf „Anweisung von Oben“. Was für eine kranke Gesellschaft, die so etwas toleriert und widerspruchlos zulässt!

  • Am 31. Januar 2018 um 5:14 von Martin

    Hoffentlich wird dieses Gesetz durchgewunken. Es muss endlich Schluss sein mit dem vermeidbaren Müll, nur weil der fest eingebaute Akku schlapp macht, das Gerät an sich aber noch völlig in Ordnung ist.

    • Am 31. Januar 2018 um 15:23 von Klaus der Realist

      Richtig. Und noch wichtiger wäre es, dass man die Nutzbarkeit (Hardware und Sicherheitsupdates) von Smartphones auf mind. fünf Jahre festschreibt. Gerne auch bei PCs/Desktop Rechnern auf zehn Jahre. Dann wäre Intel in der Pflicht auch ältere CPUs mit Fixes zu versehen.

      Denn es nutzt einem wenig, wenn der Akku wechselbar ist, aber das Gerät nach zwei, drei Jahren wegen eklatanter Sicherheitslücken nicht genutzt werden sollte – und die Hersteller ihre Kunden dadurch drängen, dass sie neue Geräte kaufen.

      • Am 1. Februar 2018 um 3:31 von Martin

        Ich bin ganz deiner Meinung. Wobei bei Betriebssystemen wie Windows sowieso etliche Jahre Sicherheitpatches garantiert sind. Und die Hardware muss man danach nicht wegwerfen. Anders bei Smartphones, die nach relativ kurzer Zeit die Müllberge vergrößern. Nachhaltigkeit ist hier ein Fremdwort.

  • Am 31. Januar 2018 um 18:26 von Dieter N.

    In Deutschland gibt es dieses Gesetz schon seit Jahrzehnten, dass die „Batterie“ – was schließlich auch ein Akku ist, eben nicht ladbar – in einem elektrischen Gerät ausgetauscht werden können muss.
    Nur wird dies wegen des schlechten Verbraucherschutzes in Deutschland weder bei den Herstellern angemahnt, noch gefordert, noch Verkaufsverbote ausgesprochen.
    Habe ebenfalls noch ein S5 von Samsung und habe schon anderen Mobiltelefonen mit einem neuen Akku „neues Leben“ eingehaucht. Habe sogar noch ein funktionsfähiges Siemens S35 zum reinen Telefonieren, das bis jetzt mittels Akkutausches lebt und funktioniert.
    Das Gesetz in den USA wäre gut und „wir“ wären eigentlich schon die Vorreiter :-))

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