Die sechs wichtigsten Neuerungen von Android 8.1

von Nico Ernst am , 07:36 Uhr

Auf Google-Geräten lässt sich das erste Update für Android 8 bereits verwenden. Es schaltet beim Pixel 2 den „Visual Core“ für stark verbesserte Fotos frei. Das ist aber nicht das Einzige, worauf sich Nutzer von unterstützten Geräten freuen können.

Seit Anfang Dezember 2017 verteilt Google [1] – natürlich zuerst an die eigenen Geräte – die Version 8.1 von Android [2] O, alias „Oreo“. Inzwischen gibt es erste Erfahrungsberichte [3]von Testern, die Version 8.1 mehrere Wochen im Alltagseinsatz prüfen konnten. Das Ergebnis: Der große Durchbruch hinsichtlich Funktion und Design ist das Nachkomma-Update natürlich nicht, der kam mit Android 8.0. Es handelt sich aber aus fünf Gründen um mehr als nur Bugfixes und ein Wartungsupdate.

Google Pixel 2 XL (Bild: Evan Blass) [4]

 

1.) Der Visual Core

Android 8.1 schaltet den Visual Core [5] frei, der bisher nur in Googles Pixel 2 und Pixel 2 [6] enthalten ist. Dabei handelt es sich um einen Coprozessor, der mit Techniken der Künstlichen Intelligenz Fotos und Videos schon bei der Aufnahme optimiert. Genutzt wird das bisher nur für etwas, das Google HDR+ nennt. Solche „High Dynamic Range“-Bilder bieten einen wesentlich höheren Kontrastumfang, es gibt also mehr Abstufungen bei Farben und Helligkeit. Das Smartphone nimmt dabei vom selben Motiv mehrere Bilder mit verschiedenen Einstellungen wie der Blende auf und kombiniert sie. Mit dem Visual Core klappt das Google zufolge fünfmal so schnell wie mit dem Smartphone-SoC alleine. Weder die Funktion an sich noch der Visual Core sind dabei auf die Pixel-Geräte beschränkt: Auch andere Hersteller können den Chip in künftigen Geräten verbauen, und andere Apps wie Instagram oder Snapchat können sie ebenfalls nutzen, denn Google hat dafür ein API bereitgestellt.

2.) API für Neuronale Netze

Mit einer Programmierschnittstelle, also einem API, hat auch die zweite Neuerung zu tun. Google hat in Android 8.1 sein „Neural Networks API“ (NNAPI) eingebaut. Es bietet ein Framework für maschinelles Lernen, auf das wiederum Tensorflow Lite aufsetzen kann. Dieses ist eine abgspeckte Version von Tensorflow, was in der Welt der Künstlichen Intelligenz eine der meistverwendeten Programmierumgebungen ist. Das bedeutet, dass viele KI-Anwendungen wie Spracherkennung und Echtzeitübersetzung – und zwar auf dem Gerät, nicht wie bisher nur in der Cloud – bald auch auf Smartphones möglich werden. Da KI derzeit eines der größten Forschungsfelder in der IT darstellt, und Firmen wie Intel [7] und Nvidia auch mit Hochdruck Spezialhardware dafür entwickeln, sind die Möglichkeiten noch nicht einmal im Ansatz absehbar. Ungeklärt sind dabei, wie schon beim Siegeszug der Cloud, Fragen von Datensicherheit und Privacy.

3.) Ladestandsanzeige für Bluetooth-Geräte

Im Alltag recht nützlich ist diese kleine Funktion. Auf dem Smartphone direkt lässt sich nun abrufen, wie viel Kapazität beispielsweise ein Bluetooth-Kopfhörer noch hat. Die Anzeige ist zwar in den Bluetooth-Einstellungen versteckt, und nicht etwa in der Statusleiste, aber gerade bei Headsets kann sie den Umgang erleichtern. Viele geben den Akkustand nur per Sprachausgabe mit einer Tastenkombination aus, die man immer dann vergessen hat, wenn man sie gerade braucht – nämlich auf längeren Reisen.

4.) Milderung des Einbrenneffekts auf dem Bildschirm

Spätestens mit dem Pixel 2, das wie bei Samsung [8] seit Generationen üblich, ein OLED-Display besitzt, war das Problem auch für Google akut [9]: Ständig dargestellte Inhalte, insbesondere bei sehr hellem Display, können sich „einbrennen“. So ist beispielsweise der Bereich der Uhr oder die Navigationsleiste von Whatsapp immer als Geisterbild sichtbar, auch wenn eine andere App läuft. Bei Smartphones, die mit voller Helligkeit jeden Tag stundenlang genutzt werden, ist der Effekt schon nach wenigen Monaten sichtbar. Und da es sich bei OLEDs dabei um eine dauerhafte Veränderung der Pixelstruktur handelt, bleibt das auch so, nur ein teurer Displaytausch hilft. Android 8.1 variiert die Position solcher Elemente stets leicht, sodass das Einbrennen mindestens stark abgeschwächt wird. Gründliche Abhilfe ist aber auch dann nur ein Vermeiden von extremer Helligkeit über einen längeren Zeitraum.

5.) Kleine Änderungen des Designs

Viel hat sich bei Android 8.1 zwar nicht getan, einige Änderungen der Darstellung fallen aber auf und sind recht nützlich. So ist der das Drop-Down-Menü für die Einstellungen nun transparent, die darunter liegenden Inhalte lassen sich also noch erkennen. Wer gerade etwa sein Bluetooth abschaltet, kann den Inhalt einer eintreffenden Chatnachricht noch sofort lesen, ohne die Einstellungen zu verlassen. Ebenfalls neu ist der Pixel Launcher, der schnelleren Zugriff auf Google-Funktionen bringt. Apps wie Youtube oder Gmail müssen nicht mehr in Ordnern oder auf dem Homescreen untergebracht werden, sondern sind durch Wischen von links direkt abrufbar.

6.) Schnellere Updates durch Treble

Die wichtigste Neuerung in puncto Sicherheit und Update-Geschwindigkeit steckt unter der Haube. Mit Android 8.1 integriert Google erstmals in großem Umfang Treiber für die wichtigsten Komponenten wie Schnittstellen und Grafikeinheiten direkt im Betriebssystem. Dennoch ist Android nun kein „monolithisches“ OS, sondern immer noch erweiterbar. Wenn die Gerätehersteller ihre Produkte aber nicht mit allzu exotischen Komponenten ausstatten können sie davon ausgehen, dass eine neue Android-Version sofort läuft. Google hat dazu Treiber in zwei Teile aufgeteilt: Der Treiber selbst, der direkten Zugriff auf die Hardware hat, kommt weiterhin vom Chiphersteller, die Kommunikation der Ergebnisse des Treibers mit dem OS steckt aber in Android. Zusätzlich gibt es eine „Vendor Test Suite“ (VTS) mit der Gerätehersteller ihre eigenen Oberflächen bereits vor der Veröffentlichung einer neuen Android-Version prüfen können. All das findet unter dem Namen „Project Treble [10]“ statt. Es soll dazu führen, dass Updates schneller bei den Nutzern landen – ob das klappt, wird sich aber erst im Verlauf des Jahres 2018 zeigen.

 

(Mit Material Steven J. Vaughan-Nichols [11] , zdnet.com)

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[1] Google: http://www.zdnet.de/unternehmen/google/

[2] Android: http://www.zdnet.de/themen/android/

[3] Erfahrungsberichte : http://www.zdnet.com/article/google-android-8-1s-five-best-features/

[4] Image: http://www.zdnet.de/wp-content/uploads/2017/10/Pixel-2-XL-2017.jpg

[5] den Visual Core: http://www.zdnet.de/88315967/pixel-2-googles-custom-chip-soll-hdr-bilder-verbessern/

[6] Googles Pixel 2 und Pixel 2: http://www.zdnet.de/88314329/googles-pixel-2-mit-rekordkamera-und-hohem-preis/

[7] Intel: http://www.zdnet.de/unternehmen/intel/

[8] Samsung: http://www.zdnet.de/unternehmen/samsung/

[9] für Google akut: http://www.zdnet.de/88316361/pixel-2-xl-tester-kritisieren-display/

[10] Project Treble: http://www.zdnet.de/88296255/android-o-project-treble-soll-updates-beschleunigen/

[11] Steven J. Vaughan-Nichols: http://www.zdnet.com/meet-the-team/us/steven-j-vaughan-nichols/