Abgenutzte Akkus: Apple drosselt iPhone 6S und 7

von Nico Ernst am , 15:50 Uhr

Wenn ein älteres iPhone plötzlich langsamer läuft, kann das nicht nur an den installierten Apps liegen. Offenbar drosselt Apple die Geräte künstlich, wenn der Akku stark gealtert ist. Dafür gibt es nun Indizien vom Entwickler des Geekbench.

Den Verdacht gibt es schon länger, nun liegen auch statistisch relevante Messwerte vor: Wenn der Akku eines iPhones weit von seiner ursprünglichen Kapazität entfernt ist, läuft das Gerät langsamer – teils werden die Smartphones wohl auf die Hälfte ihres CPU-Tempos gedrosselt.

Dies geht aus Daten hervor, welche Geekbench-Entwickler John Poole veröffentlicht hat [1]. Dem ging eine lebhafte Diskussion auf Reddit [2] zuvor. Dort beklagten sich zunächst ein Nutzer, dass sein iPhone 6S unerklärlich langsam geworden sei. Nach einem Akkutausch war es so schnell wie gewohnt, davor half auch das Anschließen des Ladegerätes nicht. Andere Anwender sahen eine Verbindung zu einem früher bekannten Phänomen: Vor iOS 10.2.1 schalteten sich iPhones plötzlich aus, wenn rechenintensive Anwendungen starteten, obwohl noch 40 Prozent oder weniger der Akkukapazität angegeben waren. Dies hatte Apple [3] auch bestätigt [4].

iPhone 7 und 6S: Schwache Akkus sorgen für schlechtere Benchmarkergebnisse (Bild: Geekbench) [5]iPhone 7 und 6S: Schwache Akkus sorgen für schlechtere Benchmarkergebnisse (Bild: Geekbench) [1].

John Poole hat diese Beobachtungen nun mit einer statistischen Analyse der online von den Anwendern übermittelten Ergebnisse seines Testprogramms Geekbench in Deckung gebracht. Dazu verglich er zunächst die Benchmarkwerte des iPhone 6S unter iOS 10.2.0, 10.2.1 und 11.2.0. In der ältesten Version waren die Messwerte wie erwartet, sie lagen überwiegend bei 2.500 Punkten. Ein Update später gab es mehrere Spitzen, die gleich verteilt waren: bei rund 1.100, 1.400, 1.750 und 2.100 Punkten. Diese Ausschläge wurden mit iOS 11.2.0 noch höher, es waren also mehr Geräte betroffen. Beim iPhone 7 waren diese Effekte erst mit iOS 11.2.0 zu sehen, vermutlich hat Apple eine entsprechende Funktion für dieses Gerät erst mit der jüngsten Version eingeführt.

Offenbar gibt es mit neueren Versionen von iOS also immer mehr Geräte, die langsamer laufen. Pooles Schlussfolgerung, und auch die der Reddit-Nutzer ist eindeutig: Ist der Akku durch viele Ladezyklen stark abgenutzt, macht Apple die iPhones langsamer. Und zwar nach bisherigem Stand ohne die Nutzer darauf hinzuweisen – eine Stellungnahme des Unternehmes gibt es dazu nicht.

Naheliegend ist der Verdacht der heimlichen Drosselung, denn damit könnte Apple kaschieren, dass die Entladekurve der Akkus – wie bei jedem anderen Gerät – alles andere als linear verläuft. Viele Smartphone-Anwender kennen das: Es werden noch beispielsweise 15 Prozent Restkapazität angezeigt, und plötzlich fährt sich das Gerät herunter. Beim Anschließen eines Ladegeräts ist die Kapazität auf null Prozent gefallen. Die Elektronik der Geräte, insbesondere CPU und GPU, benötigen für den Betrieb eine bestimmte Mindestspannung, kann der Akku diese nicht mehr liefern, schalten die Geräte sich vorsichtshalber ab, um Datenverlust zu vermeiden.

Solche spontanen Spannungseinbrüche wirken sich besonders stark aus, wenn eine Anwendung mit hoher Last startet. Dann muss der Akku spontan mehr Spannung abgeben als zuvor im Ruhezustand. Darauf reagieren Lithium-Ionen-Zellen und auch andere Bauformen regelrecht allergisch, die Spannung kann spontan abfallen. Da moderne Chips mit einem weiten Spannungsbereich – abhängig vom Takt – arbeiten können, lässt sich der Effekt durch reduzierten Takt mildern. So scheint das auch Apple zu machen. Fraglich ist nur, warum die Nutzer auf diesen Umstand und die einfache Abhilfe durch Akkutausch nicht hingewiesen werden. John Poole meint, dass dahinter auch geplante Obsoleszenz stecken könnte. „Ich brauche ein neues Handy, mein altes ist so langsam“ – wer Kinder hat, kennt diese simple und falsche Problemanalyse sicher nur zu gut.

HIGHLIGHT

A11 Bionic: iPhone-8-Prozessor setzt neue Benchmarkrekorde [6]

Apples neuer A11-Bionic-Prozessor ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Mit 4,3 Milliarden Transistoren übertrifft er nicht nur sämtliche anderen Smartphone-CPUs, sondern auch viele Desktop-Chips. Außerdem integriert Apple erstmals eine eigene GPU in den iPhone-Prozessor.

Artikel von ZDNet.de: http://www.zdnet.de

URL zum Artikel: http://www.zdnet.de/88321429/abgenutzte-akkus-apple-drosselt-iphone-6s-und-7/

URLs in this post:

[1] veröffentlicht hat: https://www.geekbench.com/blog/2017/12/iphone-performance-and-battery-age/

[2] auf Reddit: https://www.reddit.com/r/iphone/comments/7inu45/psa_iphone_slow_try_replacing_your_battery/

[3] Apple: http://www.zdnet.de/unternehmen/apple/

[4] auch bestätigt: http://www.zdnet.com/article/iphone-6-6s-sudden-shutdown-weve-almost-fully-cured-issue-with-ios-10-2-1-says-apple/

[5] Image: http://www.zdnet.de/wp-content/uploads/2017/12/iPhone-7-6S-Low-Geekbench-Scores.jpg

[6] A11 Bionic: iPhone-8-Prozessor setzt neue Benchmarkrekorde: http://www.zdnet.de/88313159/a11-bionic-iphone-8-prozessor-setzt-neue-benchmarkrekorde/