Broadcom startet feindliche Übernahme von Qualcomm

Es ernennt Kandidaten für den elfköpfigen Aufsichtsrat von Qualcomm. Broadcom will das Gremium vollständig neu besetzen. Vorrangig strebt es jedoch Verhandlungen mit Qualcomm über einen Zusammenschluss beider Unternehmen an.

Broadcom hat erste Schritte für eine mögliche feindliche Übernahme von Qualcomm eingeleitet. Am Montag stellte das Unternehmen eigene Kandidaten für das Board of Directors von Qualcomm vor, das bei der kommenden Hauptversammlung des Unternehmens am 8. März zur Wiederwahl steht. Broadcom will mit elf unabhängigen Direktoren das Gremium neu besetzen und so die Zustimmung für sein zuvor vorgelegtes Übernahmeangebot erhalten.

Broadcom (Bild: Broadcom)Anfang November hatte Broadcom 103 Milliarden Dollar für seinen Mitbewerber geboten. Vom Kaufpreis von 70 Dollar pro Qualcomm-Aktie sollen 60 Dollar in bar und 10 Dollar in Broadcom-Aktien bezahlt werden. Im Markt für Halbleiter würde das Gemeinschaftsunternehmen mit einem geschätzten Jahresumsatz von mehr als 34 Milliarden Dollar den dritten Platz hinter Samsung und Intel belegen. Aktuell führen Marktforscher die beiden Chiphersteller auf den Plätzen 5 und 6.

Qualcomm wies das Übernahmeangebot jedoch sehr schnell zurück. Das Board of Directors sah das eigene Unternehmen durch den vorgeschlagenen Preis von 70 Dollar pro Anteilsschein als unterbewertet an. Zudem unterstellte es mögliche Probleme mit Regulierungsbehörden weltweit – was Qualcomm wahrscheinlich sogar gut einschätzen kann, da es derzeit immer noch auf die Zustimmung zur Akquisition von NXP Semiconductors wartet.

Broadcom-CEO Hock Tan bekräftigte indes, dass die Initiative für das Übernahmeangebot von Qualcomm-Aktionären ausgegangen sei. Zudem erklärte er, dass die eigenen Kandidaten für den Aufsichtsrat von Qualcomm ein Versuch seien, das Unternehmen zurück an den Verhandlungstisch zu zwingen. „Obwohl wir diese Maßnahme ergreifen, bleibt ein konstruktiver Dialog mit Qualcomm unsere erste Priorität“, sagte Tan. Die Nominierungen gäben den Qualcomm-Aktionären nun die Möglichkeit, ihre Enttäuschung über die Weigerung Qualcomms Ausdruck zu verleihen, in Verkaufsgespräche einzusteigen.

Das Board of Directors von Qualcomm hat derzeit elf Mitglieder, die Broadcom vollständig ersetzen will. Um eine Kontinuität in der Geschäftsführung sicherzustellen soll im Rahmen der anstehenden Wahl das Gremium um drei aktuelle Direktoren auf insgesamt 14 Mitglieder aufgestockt werden.

Qualcomm wies die Kandidatenvorschläge inzwischen zurück. Der Aufsichtsrat sei bereits mit elf „Weltklasse“-Direktoren besetzt, von denen neun unabhängig seien. „Qualcomm ist davon überzeugt, dass es sich um einen unverhohlenen Versuch handelt, die Kontrolle über das Board of Directors zu erhalten, um die von Broadcom geplante Übernahme voranzubringen“, heißt es in einer Presseerklärung von Qualcomm.

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