Bericht: Microsoft verabschiedet sich 2019 von Surface-Geschäft

Die PC-Branche debattiert einen vielleicht sogar schon früher zu erwartenden Ausstieg. Während Microsoft vor allem in den Bereichen Office und Cloud starke Zuwächse erzielt, fallen die Surface-Produkte zurück.

Microsoft-Partner rechnen damit, dass sich der Softwarekonzern 2019 von seinem schwächelnden Surface-Geschäft verabschiedet. Offen debattiert wurde das auf dem Canalys Channels Forum in Venedig, an dem Vertreter führender PC-Hersteller teilnahmen.

Surface Pro 4 2017 (Bild: Microsoft)

Klar auf den Punkt brachte es Steve Brazier, Chef des Marktforschungsunternehmens Canalys. „Die Surface-Umsätze sind holprig“, sagte er. „Es gibt gute Quartale und schlechte Quartale, aber insgesamt verdienen sie kein Geld damit. In diesem Geschäft zu bleiben, ergibt für sie keinen Sinn.“ Microsoft-CEO Satya Nadella sei „ein Software-Mann, ein Cloud-Mann“ und werde auch deshalb die Surface-Palette aufgeben. Angesichts des Investitionsaufwands für Hardware werde die Wall Street ihn fragen, warum er sich überhaupt auf ein Geschäft mit so niedrigen Margen einließ. Brazier verwies zudem auf den Niedergang von Microsofts Smartphone-Sparte.

Statt Zuwachs dank Surface-Hardware musste Microsoft in seinen jüngsten Geschäftsquartalen wiederholte Rückgänge melden. Während es in seinem dritten Fiskalquartal (bis 31. März) vor allem in den Bereichen Office und Cloud deutlich an Umsatz zulegte, brachte der Verkauf von Surface-Produkten 26 Prozent weniger ein als noch ein Jahr zuvor. Gleichzeitig brach auch noch der Smartphoneumsatz um 730 Millionen Dollar ein. Im vierten Fiskalquartal war erneut das Cloud-Geschäft der wichtigste Wachstumsmotor, während die Surface-Sparte einen weiteren Umsatzrückgang von 2 Prozent hinnehmen musste. Erinnerlich sind noch die hohen Abschreibungen auf das Windows-Tablet Surface RT. Auch wenn Surface Pro später deutlich mehr Anklang im Markt finden sollte, schaffte es Microsoft auch mit den weiteren Surface-Produkten offenbar nicht in die Gewinnzone.

Lenovo-CEO Gianfranco Lanci glaubt sogar, dass Microsoft seine PC-Hardware-Sparta noch vor 2019 abwickeln könnte. „Es könnte früher passieren“, sagte er auf dem Podium der Canalys-Veranstaltung. Microsoft verdiene eine Menge Geld in der Cloud, verdiene eine Menge Geld mit Windows und Office, aber verliere eine Menge Geld mit Geräten. „Und offen gesagt, es ist kaum einzusehen, warum sie weiter Geld verlieren sollten. Für sie ist es eine sehr schwierige Übung, eine Sparte mit Hardwareprodukten zu betreiben. Sie müssen bei jedem kleinen Detail aufpassen, weil die Marge dabei so dünn ist.“

Dell-Manager Marius Haas meinte, Microsoft werde beim PC-Geschäft „wohl ein wenig auf die Bremse treten“. Gegenüber The Register erläuterte er, dass Microsoft vernünftig handle, wenn es seine Hardware nutze, um „das gesamte Potential der Software-Plattform zu demonstrieren“. Microsoft habe aber nie die Absicht gehabt, „ein breit angelegtes Portfolio mit einem Produkt für jeden Formfaktor“ zu schaffen.

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Satya Nadella hat mehrfach bewiesen, dass er nicht davor zurückschreckt, sich Stück für Stück von verlustreichen Geschäftsbereichen zu verabschieden, die noch unter dem alten CEO Steve Ballmer initiiert wurden. Eben erst kündigte Microsoft die Einstellung des 2012 als Xbox Music gestarteten Streamingdienstes Groove Music an und empfahl den Nutzern, zu Spotify zu wechseln. Das für Smartphones gedachte Betriebssystem Windows 10 Mobile ist mehr oder weniger eingestellt. Anfang des Jahres stopple Microsoft den Vertrieb von Lumia-Smartphones, die es für teures Geld von Nokia eingekauft hatte.

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Themenseiten: Canalys, Convertible, Microsoft, Notebook, Surface, Tablet

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7 Kommentare zu Bericht: Microsoft verabschiedet sich 2019 von Surface-Geschäft

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  • Am 5. Oktober 2017 um 19:04 von Klaus der Seher

    q.e.d. Was zu erwarten war.

    Seit Jahren viel Aufwand, wenig Umsatz, und kaum Gewinn.

  • Am 6. Oktober 2017 um 0:26 von Mike

    Oh, es gibt gar keinen Massenmarkt für höchstpreisige Geräte mit kurzer Lebensdauer, weil total verklebt im PC-Bereich und Firmen wollen gar keine 2 Jahres-Geräte für 3000 EUR für ihre Mitarbeiter? Wer hätte das ahnen können. Es reicht halt nicht, Hardware höchstpreisig anzubieten, man muss auch dafür Sorgen, dass die Kunden keine Alternativen haben, wenn man zu diesen Preisen verkaufen will.

    Das sehe ich weder im PC-Bereich noch im Android Lager (siehe aktuelle Pixel-Smartphones).

    Ganz davon abgesehen waren die Surface ja wesentlich erfolgreicher als so manche andere Hardware aus dem Hause MS. Nicht vom Gewinn, aber es war schon technisch eine interessante Entwicklungsrichtung.

    Im Übrigen halte ich diese kurzlebige Hochpreiselektronik eh für eine Fehlentwicklung, auch Apple wird das noch zu spüren bekommen … Geld, was die Masse der Leute nicht übrig hat, kann die Masse der Leute auch nicht ausgeben … Steve Jobs hatte das mal erkannt, aber das ist in Vergessenheit geraten und wirft die Frage auf, womit ich in Zukunft arbeiten soll …

  • Am 6. Oktober 2017 um 9:32 von Aristoteles

    Wäre extrem schade, aber ich glaube da ehrlich gesagt auch nicht wirklich dran. Ziel der Surface Reihe war es doch nie große Gewinne zu erzielen, sondern das bestmögliche an Technik und Design in den jeweiligen Formfaktoren abzuliefern. Dies ist bislang gut gelungen, die OEM Partner übernehmen viele der Konzepte und MS steht wirtschaftlich besser da als je zuvor. Ich denke das wir auch in Zukunft weiterhin neue Surface Hardware bekommen werden. Immer dann wenn es wieder eine echte technische Innovation geben soll.

  • Am 6. Oktober 2017 um 12:46 von Floh523

    „Bericht: Falsche Info in der Überschrift“

    Was soll diese Überschrift, lese ich heute schon mehrfach, als Frage gestellt wäre okay, es wird spekuliert wäre okay
    Aber eure Überschrift sagt klar das es aus ist, als hätte Microsoft das bestätigt.

  • Am 6. Oktober 2017 um 13:41 von Antiappler

    Wenn das wirklich passiert, und ich glaube dass es so kommt, wird es auch nie ein Surface Phone geben.
    So wird es keine Alternative mehr zu iOS und Android geben, die so mächtig geworden sind, dass jeder Versuch von anderen Anbietern ziemlich schnell zum scheitern verurteilt ist.
    Was ich eigentlich sehr schade finde, denn wenn es schon eine Firma wie Microsoft nicht schafft….

  • Am 8. Oktober 2017 um 10:52 von Nils

    Ohne Surface Geräte wäre die Welt aber ein ganzes Stück weniger bunt. :-(

  • Am 9. Oktober 2017 um 13:31 von Mac-Harry

    Ist wie beim iPhone. Das hat Microsoft ganz klar verpennt und das können sie einfach nicht mehr aufholen. Das Telefon wurde eingestampft und jetzt kommt das Tablet.

    Ich komme einfach nicht drum herum, dass Balmer Apple ausgelacht hat, weil sie ein Telefon für 400 $ verkaufen und dies eine komplette Fehleinschätzung sei, weil kein Mensch so viel Geld für so ein Gerät bezahlen wird.

    Jetzt bezahlt Microsoft eben die Rechnung auf diesem Segment, während Apple Geräte für nachher zu 1000 $ mehr verkauft.

    Satya Nadella dagegen macht jetzt alles richtig und bringt richtig gute Dienstleistungen auf den Markt und dazu gehört es auch, dass Träume in der Hardware schlichtweg eingestampft werden. Der Zug ist abgefahren und der Gewinn wird an anderen Stellen insbesondere in business Segmenten generiert und das ist auch gut so. Das ist Kernkompetenz.

    Heute ist Microsoft ein sehr gut aufgestelltes Unternehmen. Feuchte Träume für Telefon und Tablets gehören eben einfach nicht dazu denn dieses Segment wird ganz klar von Wettbewerbern beherrscht.

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