Flexible Sampling: Google will Bezahlinhalte fördern

Google gibt das Modell First Click Free auf und erschwert die Umgehung von Paywalls. Publisher können künftig frei über kostenlose Leseproben entscheiden, ohne in Googles Suche benachteiligt zu werden. Weitere Maßnahmen sollen Abo-Modelle und Umsätze der Verleger fördern.

Google ersetzt das bei Verlagen wenig beliebte Prinzip First Click Free (FCF) durch Flexible Sampling. Zeitungs- und Zeitschriftenverleger können in Zukunft frei über kostenlose Leseproben entscheiden, ohne in der Google-Suche benachteiligt zu werden. Mit dieser Anpassung und begleitenden Maßnahmen will der Internetkonzern digitale Bezahlinhalte unterstützen.

Google (Bild: Google)

First Click Free gab den Anbietern kostenpflichtiger Abonnements seit Jahren vor, täglich die Gratis-Lektüre von drei kostenlosen Artikeln zuzulassen, wenn sie ihre Bezahlinhalte im Google-Index sehen und in der Suche gut platziert sein wollten. Wer das nicht akzeptierte, musste hinnehmen, dass Google und insbesondere Google News ihm wesentlich weniger Leser zuführten.

Als es das Wall Street Journal früher in diesem Jahr darauf ankommen ließ und keine kostenlosen Artikel mehr über die Google-Suche bereitstellte, verlor sie nach eigenen Angaben im Jahresvergleich 38 Prozent Traffic aus der Google-Suche und musste bei Google News sogar einen Rückgang um 89 Prozent hinnehmen. Die Zeitung habe aber anschließend mehr Abonnenten gewinnen können.

Das starre First-Click-Free-Modell erleichterte zudem die Umgehung von Paywalls. „Die Publisher können besser einschätzen, welche spezifische Leseproben-Strategie sich am besten für sie eignet“, sieht der Internetkonzern nun ein. Googles Webmaster Central Blog gibt dazu Empfehlungen, wie das flexible neue Modell am besten umzusetzen ist. Möglich ist einmal eine zahlenmäßig begrenzte Auswahl kostenloser Artikel. Als Startpunkt legt Google zehn kostenlose Klicks im Monat für Nutzer der Google-Suche nahe, um potentiellen Abonnenten eine gute Nutzererfahrung zu bieten. Verleger sollten dann experimentieren, um für sich den optimalen Kompromiss zu finden zwischen der Entdeckung ihrer Inhalte durch neue Leser und der Gewinnung zahlender Abonnenten.

Wenn sie es für richtig halten, können Verlage die Zahl kostenloser Artikel auch auf null stellen. Alternativ können sie kürzere Leseproben anbieten, die nach einigen Sätzen oder einer bestimmten Textlänge abgeschnitten werden. Das biete den Lesern mehr Nutzen im Vergleich mit völlig unzugänglichen Inhalten.

Den Änderungen gingen Gespräche zwischen Google und den Verlagen voraus, unter anderem mit neun europäischen Verlagen in der Digital News Initiative (DNI). Financial Times und New York Times experimentierten mit ihren Online-Angeboten. „Wir sind auch ermutigt durch Googles Bereitschaft, andere Wege einschlagen zu wollen, um Abonnement-Geschäftsmodelle zu unterstützen“, kommentierte jetzt ein Vertreter der New York Times.

Google will den Verlagen jetzt erklärtermaßen helfen, neue Zielgruppen zu finden, erfolgreiche Abo-Modelle zu schaffen und bessere Umsätze zu erzielen. Nicht zuletzt die Komplexität vieler Bezahlangebote halte Nutzer oft ab – manchmal seien 22 oder mehr Klicks für den Kauf eines Artikels oder den Abschluss eines Abos erforderlich. „Im Idealfall bekommen wir das mit einem Klick hin“, kündigte Richard Gingras an, Googles Vice President of News.

Themenseiten: E-Commerce, Google, Google News, News, Suchmaschine

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