Bericht: Google steht vor Übernahme von HTC

Die taiwanische Commercial Times berichtet von Verhandlungen in der abschließenden Phase. Anders als beim früheren Motorola-Erwerb soll Google heute als strategische Notwendigkeit sehen, Software und Hardware zu integrieren. Ein UBS-Analyst sieht zwingende Gründe für einen weiteren Vorstoß Googles in die Hardware.

Google ist angeblich kurz davor, das Smartphone-Geschäft von HTC oder zumindest die Sparte für Forschung und Entwicklung zu übernehmen. Das berichtet die chinesischsprachige Commercial Times aus Taiwan. Die Verhandlungen sollen bereits in einer abschließenden Phase geführt werden. Nicht interessiert sein soll Google hingegen an der VR-Sparte von HTC, die Gerüchten zufolge ebenfalls zum Verkauf steht.

HTC-Logo (Bild: HTC)

Der Bericht erscheint zunächst wenig plausibel, da Google 2011 mit dem Kauf von Motorolas Handysparte für 12,5 Milliarden Dollar schon einmal größer in das Hardwaregeschäft einsteigen wollte – diese aber später für einen weit niedrigeren Preis an Lenovo abgab. Die Commercial Times beruft sich jedoch auf Branchenquellen, die Google seither gewachsene Ambitionen hinsichtlich eigener Hardwareprodukte nachsagen. Google sehe es heute als strategische Notwendigkeit an, Software, Hardware, Cloud, Inhalte und mehr zu integrieren.

Ähnlich sieht es der UBS-Analyst Eric J. Sheridan, der sich in einer Investorenmitteilung mit einem möglichen weiteren Vorstoß Googles in die Hardware beschäftigte. Nach seiner Einschätzung kann Google mit einer eigenen Mobilsparte entscheidende strategische Nachteile wettmachen.

So könnte eine tiefere Integration von Hardware und Software den Fragmentierungsproblemen von Android entgegenwirken, die Apples Mobilbetriebssystem iOS so gut wie nicht kennt. Außerdem wären Entwicklungszyklen möglich, mit denen sich Neuerungen wie Google Lens, ARCore oder Google Assistant schneller zu den Verbrauchern bringen lassen. Google könnte auch vorsorglich seine eigene Position im Smartphonegeschäft stärken wollen für den Fall, dass es zur Entbündelung der eigenen Apps vom Mobilbetriebssystem Android gezwungen wird. Eine EU-Kartelluntersuchung beschäftigt sich mit dieser Thematik – und hier ist noch für dieses Jahr eine abschließende Entscheidung avisiert.

Sheridan merkte dazu noch an, dass ein HTC-Erwerb für Googles Muttergesellschaft Alphabet von unerheblicher finanzieller Bedeutung sei angesichts des Barvermögens von 95 Milliarden Dollar. HTC hingegen stürzt von einer Krise in die nächste, was mindestens zum Teilverkauf des Unternehmens zwingen dürfte. Enge Verbindungen zwischen Google und HTC bestehen zudem schon länger, da HTC als Auftragsfertiger von Googles eigenen Smartphone-Reihen Nexus und Pixel fungierte. Im Oktober steht die Vorstellung der von Google entwickelten Pixel-2-Smartphones an, die mutmaßlich ebenfalls von HTC hergestellt werden.

[mit Material von Rochelle Garner, CNET.com]

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