Connected Mobility: Wie smarte Mobilität unseren Alltag erleichtert

Hamburg will den Verkehrsfluss mit Hilfe moderner Technik verbessern. Bis 2018 wird die Hansestadt in Kooperation mit T-Systems bis zu 11.000 Parkplätze digitalisieren. Anette Bronder, Chefin der Digital Division T-Systems und Telekom Security, erläutert im Fachbeitrag für ZDNet.de, was es braucht, um digitale Großprojekte umzusetzen.

Mobil zu sein ist heute das A und O – die Rahmenbedingungen sind aber oft noch optimierungsbedürftig. Millionen von Pendlern erleben das tagtäglich. Damit alles im Fluss bleibt, sind neue Mobilitätskonzepte gefragt, von Städten und IT-Anbietern.

Mindestens 266 Milliarden Dollar kostet die Verkehrslähmung heute die Allgemeinheit – den individuellen Zeitverlust von Autofahrern nicht einmal eingerechnet. Denn allein bei der alltäglichen Parkplatzsuche kreisen wir durchschnittlich 4,5 Kilometer, bevor wir den ersehnten Spot finden. Das stiehlt jedes Mal zehn bis 20 Minuten wertvolle Zeit. Und es produziert obendrein unnötig CO2 und schadet damit der Umwelt. Doch das alles müsste nicht sein. Denn neue digitale Mobilitätskonzepte und Technologien können uns bereits heute in vielen Bereichen helfen, das Thema Mobility deutlich effizienter anzugehen.

Anette Bronder, die Autorin dieses Gastbeitrags für ZDNet.de, ist Geschäftsführerin Digital Division bei T-Systems (Bild: T-Systems)Anette Bronder, die Autorin dieses Gastbeitrags für ZDNet.de, ist Geschäftsführerin Digital Division bei T-Systems (Bild: T-Systems)

Ein Drittel des städtischen Verkehrsaufkommens entsteht heute nur durch die Parkplatzsuche. Smart Parking setzt dem ein Ende: Dank neuer digitaler Services finden Autofahrer nun nahtlos zum freien Parkplatz – mittels App auf ihrem Smartphone. Sie liefert Echtzeitinformationen über verfügbare Parkplätze, bietet Reservierungsoptionen und ermöglicht eine minutengenaue Abrechnung der tatsächlichen Parkzeit. Münzenzählen an der Parkuhr gehört damit endgültig der Vergangenheit an.

Eine Stadt parkt smart: Hamburgs digitales Großprojekt

Von Klein- bis Großstadt: Der innerstädtische Verkehr nimmt konstant zu. Zeitgleich stehen Städte vor der Herausforderung, mit immer knapperen Mitteln zu wirtschaften. Nur die Digitalisierung kann diese zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. T-Systems, die Großkundensparte der Telekom, hat daher gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) pünktlich zum IT-Gipfel im Herbst 2016 einen Smart-Parking-Service vorgestellt. Das saarländische Merzig wird ab dem zweiten Quartal 2017 zum Testfeld für den digitalen Parkservice der Telekom, der im Anschluss bundesweit ausgerollt wird.

Die Nachfrage nach Lösungen zur Verkehrsoptimierung wächst im Übrigen rasant – wurden die Digitalisierung und vor allem die Cloud vor einigen Jahren in Städtegremien und -verwaltungen noch kritisch diskutiert, steigt jetzt das Verständnis, dass die Digitalisierung große Chancen für Städte, Bürger und nicht zuletzt die Umwelt bereithält.

Auch die Stadt Hamburg hat das erkannt und plant in Kooperation mit T-Systems ein echtes Mammutprojekt für smartes Parken: Insgesamt will die Hansestadt bis Ende 2018 bis zu 11.000 Parkplätze im öffentlichen Raum vernetzen, Parkhäuser und öffentliche Stellplätze werden das Angebot ergänzen. Parken soll zum Service werden und zeitgleich Verwaltungs- wie Personalaufwand reduzieren. Ordnungskräfte erhalten die Informationen anhand des Kennzeichens direkt und mobil. Autofahrer können mit ihrer App künftig Parkplätze finden, buchen, nutzen und bezahlen.

NB-IoT ebnet den Weg für Smart Cities

Was sich so einfach anhört, ist auf technischer Seite durchaus ein komplexes Unterfangen. Es braucht Hardware-Komponenten, um die Parkplätze ins Netz zu bringen, und Software, um Daten aus unterschiedlichen Quellen zu verarbeiten. Kernbestandteile der Smart-Parking-Lösung sind demnach Sensoren, die in den Parkplatz eingelassen sind, sowie Datenkollektoren und Gateways, RFID-Karten, Lesegeräte und letztlich die Anbindung an die Cloud, wo Echtzeitdaten verarbeitet und anschließend über Webportale und die App verfügbar gemacht werden.

Die Deutsche Telekom ist laut eigenen Angaben der erste Ende-Zu-Ende-Anbieter für NarrowBand IoT. Die Geräte, wie hier ein Parkplatz-Sensor, können bis zu zehn Jahre mit einer Batterieladung auskommen. Das Modul im Bild stammt von dem britischen Hersteller Neul. (Bild: Deutsche Telekom)Die Deutsche Telekom ist laut eigenen Angaben der erste Ende-Zu-Ende-Anbieter für NarrowBand IoT. Die Geräte, wie hier ein Parkplatz-Sensor, können bis zu zehn Jahre mit einer Batterieladung auskommen. Das Modul im Bild stammt von dem britischen Hersteller Neul. (Bild: Deutsche Telekom)

Weil sich ein jährlicher Batteriewechsel bei Sensoren, die sich im Boden befinden, schwierig gestaltet, darf deren Energieverbrauch natürlich nicht zu hoch sein. Zudem muss die zuverlässige Datenübertragung – auch unter der Erde oder in Tiefgaragen – garantiert sein. Die Antwort auf diese Herausforderungen: Narrowband-IoT (NB-IoT), der neue Mobilfunkstandard für das Internet der Dinge. Denn nicht nur das Parken lässt sich durch Echtzeitinformationen optimieren, sondern beispielsweise auch das Gebäude- und Beleuchtungsmanagement. So kann eine Stadt durch den Einsatz von Sensoren die Straßenbeleuchtung dimmen, wenn weniger Autos unterwegs sind. Das spart Strom und schont die Umwelt.

Der Dreiklang macht‘s

Die Schmalband-Kommunikation im NB-IoT-Netz ermöglicht den Empfang von Sensordaten und den Einsatz von IoT-Lösungen bis tief in Gebäude, in Aufzüge oder Kellerschächte hinein und bietet darüber hinaus mit bis zu zehn Kilometern eine besonders hohe Reichweite. Die Deutsche Telekom rollt das NB-IoT-Netz in acht europäischen Ländern aus; in Deutschland geht es ab dem zweiten Quartal 2017 los.

Wenn das Netz für IoT flächendeckend eingerichtet und der neue Standard etabliert ist, steht die Tür für ganz unterschiedliche Anwendungen offen – eine riesengroße Chance für Städte. Und für die Industrie. Stichwort: vorausschauende Wartung oder Zustandsüberwachung von Maschinen über das Internet. Bis zu 70 Prozent weniger Stillstandzeiten und 30 Prozent Kosteneinsparung verspricht Predictive Maintenance.

Doch mit NB-IoT allein ist es nicht getan: Leistungsfähige, ausfallsichere Cloud-Plattformen und Ende-zu-Ende-Sicherheit sind ebenso wichtig, um die Digitalisierung zum Erfolg zu machen. Die Anforderungen sind komplex, aber heute sehr gut erfüllbar. So kann beispielsweise die Telekom alle Bausteine für die Digitalisierung – schnelles Netz sowie leistungsfähige Cloud- und Sicherheitslösungen – integriert aus einer Hand zur Verfügung stellen.

Die Zukunft ist „connected“

Smart Parking ist erst der Anfang, denn der Markt für „Connected Mobility“ kommt immer weiter ins Rollen. Gartner erwartet allein in den nächsten fünf Jahren rund 200 Prozent Marktwachstum und ein Volumen von 140 Milliarden Euro. Auch der Markt für Nachrüstlösungen im Auto bietet enormes Potenzial, denn bisher sind nur etwa 20 Prozent aller Autos in Nordamerika und Europa vernetzt.

Damit der Funke auch zündet, sind übergreifende Konzepte und Standards statt Insellösungen gefragt. Smart Parking oder Services für vernetzte Fahrzeuge funktionieren schließlich nur, wenn Autos und ihre Umgebung dieselbe Sprache sprechen. Deshalb müssen sich Player wie die Deutsche Telekom, Automobilhersteller und Industrieunternehmen zusammenschließen und gemeinsam digital vernetzte Lösungen entwickeln. Starke Partnernetzwerke anstelle von Konkurrenzdenken sind gefragt.

Dass die Forschung und Entwicklung beim aktuellen Status nicht stehen bleibt, dürfte allen Beteiligten klar sein. Die Frage lautet also nicht, ob und wann die Evolution ins Connected-Mobility-Zeitalter kommt, sondern wie die Städte und die Automobilbranche digitale Chancen nutzen können. In der Wirtschaft ist der Digitalisierungsdruck besonders hoch – es gilt, den Anschluss nicht zu verlieren. „Der digitale Big Bang hat längst begonnen“, meint Porsche-Digital-Chef Thilo Koslowski. Auf der Automobilwoche-Konferenz im Februar 2017 zeichnete er ein drastisches Bild von Automobilherstellern, die quasi nur noch die Hardware Auto für mobile Dienste produzieren. Die Software sitzt am Steuer und damit auch Unternehmen, die sie herstellen.

Digitalisierung: einfach machen!

Die Vernetzung von Informations- und Kommunikationssystemen mit dem Straßenverkehr und der Infrastruktur beginnt jetzt. Städte erhöhen durch die Digitalisierung ihre Standortattraktivität, werden transparenter im Bürgerdialog und sparen deutlich Kosten ein. Die Automobilindustrie kann die Digitalisierung gewinnbringend für sich nutzen, wenn sie branchenübergreifend ganzheitliche Connected-Mobility-Konzepte entwickelt – abseits jeglichen Konkurrenzdenkens und unter der Prämisse höchster Datensicherheit. Denn Digitalisierung ist auch Vertrauenssache.

Um zu den Innovatoren und erfolgreichen Pionieren des neuen Zeitalters zu gehören, sind Offenheit für Kooperationen und neue Konzepte gefragt. Das Motto der Telekom für 2017 lautet daher erneut: Digitalisierung einfach machen. Im doppelten Wortsinne, denn nicht nur Mut zum Umdenken ist gefragt; digitale Lösungen müssen auch einfach nutzbar sein, um sich in der Praxis durchzusetzen.

Themenseiten: Automotive, Mobile, T-Systems

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1 Kommentar zu Connected Mobility: Wie smarte Mobilität unseren Alltag erleichtert

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  • Am 19. März 2017 um 19:14 von Martin Steffen

    Total vernetzt = total verletzlich, total manipuliert, total überwacht, total fremdbestimmt. Ohne InterNET geht bald nichts mehr auf diesem Planeten – die Fische zappeln massenhaft darin… Die Versklavungsindustrie ICT verdient sich damit dumm und dämlich, der Energieverbrauch steigt gewaltig an, die Macht-Eliten lachen sich über die gläserne und nach „smarter“ Selbstversklavung süchtige Gesellschaft ins Fäustchen – Fortschritt? Albert Einsteins „Generation der Idioten“ ist zur Realität geworden…

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