Neuer Patentkrieg: Schlagabtausch zwischen Nokia und Apple

Nachdem schon relative Ruhe in der Smartphonebranche einzukehren schien, brechen die patentrechtlichen Streitigkeiten erneut aus. Nokia und Apple beschäftigen Gerichte in den USA und Deutschland mit ihren Klagen. Ein Apple-Sprecher wirft Nokia "die Taktiken eines Patenttrolls" vor.

Der einst weltweit führende Handyhersteller Nokia meldete am Mittwoch eine Salve von Klagen gegen Apple in den USA und Europa. Sie gründen auf nicht weniger als 32 Schutzrechten, die der iPhone-Hersteller angeblich mit seinen Produkten verletzt. Diese sollen sich auf Displays, Benutzerschnittstellen, Software, Antennen, Chipsets und Videocodierung beziehen.

(Bild: Shutterstock/Olivier Le Moal)

Eingereicht wurden die Klagen bei Landgerichten in Düsseldorf, Mannheim sowie München und darüber hinaus beim US-Bundesbezirksgericht für den Eastern District von Texas, einem auch bei Patenttrollen besonders beliebten Gerichtsstandort für einschlägige Klagen. Nokia verweist außerdem auf seine umfangreiche Sammlung von Schutzrechten, die mit den Übernahmen von NSL und Alcatel-Lucent noch erweitert wurde. Es verfüge daher jetzt über drei wertvolle Portfolios geistigen Eigentums. „Aufbauend auf über 115 Milliarden Euro, die über die letzten 20 Jahre in Forschung und Entwicklung investiert wurden, decken unsere Zehntausende Patente viele wichtige Technologien ab, die in Smartphones, Tablets, PCs und ähnlichen Geräten zum Einsatz kommen“, führt Nokia dazu aus.

Schon einen Tag zuvor griff Apple mit einer kartellrechtlichen Klage gegen die Patentverwerter Acacia, Conversant sowie einige Tochterfirmen von diesen an. Es meint damit aber eigentlich Nokia, denn es wirft den Verwertern illegales und konspiratives Zusammenwirken mit Nokia vor, um „exorbitante Einnahmen von Apple und anderen Handyherstellern herauszuholen und zu erpressen“. Acacia und Conversant als Nokias Hauptkonspiranten vernachlässigten demnach ihre Verpflichtung, bei für die Handybranche grundlegenden Schutzrechten faire, zumutbare und diskriminierungsfreie Lizenzbedingungen (FRAND-Bedingungen) zu vereinbaren.

Umfrage

Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit für IT-Anschaffungen Ihres Unternehmens?

Ergebnisse anzeigen

Loading ... Loading ...

Im September verurteilte eine Jury in Texas den iPhone-Hersteller, für einen Patentverstoß 22 Millionen Dollar an eine Acacia-Tochter zu zahlen. Mit einer anderen Klage konnte Conversant Apple letzte Woche im Silicon Valley 7,3 Millionen Dollar wegen der Verletzung von zwei Smartphone-Patenten abnehmen. Nach dem Verkauf von Patenten an Acacia und Conversant soll Nokia an den damit erzielten Einnahmen weiterhin beteiligt sein.

Apple bezichtigt Nokia in seiner Klageschrift nun, nach dem Niedergang seines Handygeschäfts willige Verschwörer gesucht und diesen gezielt Patente übertragen zu haben. Noch immer laufe die Strategie der Finnen darauf hinaus, Teile ihres Patentportfolios in die Hände von „Patent Assertion Entities“ (PAEs) zu geben. Damit werden allgemein Firmen oder Einzelpersonen umschrieben, die nicht selbst Produkte entwickeln, sondern Patente erwerben, um sie gegen andere Unternehmen geltend zu machen und Lizenzgebühren zu kassieren – was der üblichen Definition eines Patenttrolls entspricht.

Die aufflammenden Streitigkeiten sind außerdem mit einer pikanten Personalie verbunden. Neuer CEO von Conversant wurde soeben Boris Teksler, der von 2009 bis 2013 bei Apple für Patentlizenzierung und Patentstrategie verantwortlich war. Just einen Tag nach seiner Übernahme des neuen Chefpostens auf der Gegenseite reichte Apple seine Klage ein.

Themenseiten: Apple, Gerichtsurteil, Nokia, Patente, Patentstreit

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

5 Kommentare zu Neuer Patentkrieg: Schlagabtausch zwischen Nokia und Apple

Kommentar hinzufügen
  • Am 23. Dezember 2016 um 3:09 von DoN

    Was ist fair und nicht diskriminierend? Solange es keine Rechtssicherheit bei der Auslegung gibt, wird fröhlich darüber gestritten. Ergo ist die FRAND Verpflichtung eine Farce.
    Immer wieder erheiternd ist aber der Sprachgebrauch von Apple. „schamloses wettbewerbswidriges Vorgehen, “ illegales und konspiratives Zusammenwirken mit Nokia“, „erpressen“ lol… Im Gegensatz zu runden Ecken geht es um echte Technologie, aber Apple zeigt ja immer ein kleinkindliches Sprachmuster bei Vorwürfen gegen sie. Es ist immer „unfair“ , eine Verschwörung etc. Ich erinnere an die Augsburger mit dem Memory Spiel. Nachdem man 2 Jahre lang versucht hatte mit Apple darüber zu reden, ohne eine Reaktion von Apple zu bekommen, hat man Klage eingereicht. Apples Reaktion: Wir verstehen gar nicht, warum man gleich mit so etwas unfairem wie einer Klage kommen muss, wir hätten doch erst mal darüber reden können…. That’s Apple. Und wo ist das Angebot an Nokia, was man für fair erachtet? Hat man die Beträge Treuhändern gezahlt? Oder einfach mal wieder alles ignoriert?

  • Am 23. Dezember 2016 um 8:50 von Marco

    Das ist das beste:
    Die aufflammenden Streitigkeiten sind außerdem mit einer pikanten Personalie verbunden. Neuer CEO von Conversant wurde soeben Boris Teksler, der von 2009 bis 2013 bei Apple für Patentlizenzierung und Patentstrategie verantwortlich war. Just einen Tag nach seiner Übernahme des neuen Chefpostens auf der Gegenseite reichte Apple seine Klage ein.

    • Am 23. Dezember 2016 um 9:24 von kreaktiv

      Boris Teksler, der Trojaner von Apple. Ich bin mal gespannt was dabei rauskommt.

  • Am 23. Dezember 2016 um 9:00 von ckOne

    Ist doch klar, die wissen das er nur für Patenttrolle arbeitet, und zwar aus erster Hand !

  • Am 23. Dezember 2016 um 13:57 von C

    Die Gerichte müssen klären,
    a) ob es sich um FRAND Patente handelt
    b) ob Apple diese (FRAND-)Patente verletzt
    c) ob Nokia rechtmäßige FRAND-Gebühren verlangt

    Unabhängig der obigen Fragen muss man Apple sagen: eat your own shit!
    Beschweren ist nicht, schließlich will man in den USA noch von „runden Ecken“ profitieren. ABER, der US-Supreme Court hat gesprochen – und dort geht es noch weiter im Verfahren. Hier in der EU sind die „runden Ecken“ schon längst raus.
    Wer austeilt, muss auch einstecken können. Da sind aber die Apfel-Damen/Herren doch sehr dünnhäutig…

    Die Breitseite die Nokia hier – incl. Einfuhr-Stopp für die USA für iPhone & iPad – abgefeuert hat ist schon enorm. Könnte richtig Durchschlagskraft entwickeln und zum echten Problem für Apple werden.

    Schauen wir uns das mal an. Wird interessant.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *