Julian Assange ist ohne Internetzugang

Wikileaks gibt auf Twitter dem Staat Ecuador die Schuld. Man habe einen "Notfallplan aktiviert". Die Whistlebower-Site stellt zudem eine Verbindung zur Publikation von Hillary Clintons Reden vor Goldman Sachs her.

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat in der Botschaft von Ecuador keinen Internetzugang mehr. Das meldet das Wikileaks-Konto auf Twitter. Während es zunächst nur einen geheimnisvollen Hinweis gab, ein Staat habe den Zugang abgeschnitten und es selbst einen „Notfallplan aktiviert“, ließ Wikileaks später wissen, Ecuador sei der verantwortliche Staat.

Julian Assange bei einer Rede auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London im August 2012 (Bild: Charlie Osborne/ZDNet.com).Julian Assange bei einer Rede auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London im August 2012 (Bild: Charlie Osborne/ZDNet.com).

Die Maßnahme sei „kurz nach Veröffentlichung von [Hillary] Clintons Reden vor Goldman Sachs“ ergriffen worden, heißt es auch. Es gibt bisher keine Informationen, ob die gesamte Botschaft vom Internet abgeschnitten ist oder nur Assanges Rechner.

Assange entzieht sich in der Botschaft seit über vier Jahren einer Verhaftung, die eine Auslieferung an Schweden nach sich ziehen würde. Er befürchtet, von Schweden an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm hohe Strafen drohen könnten – bis hin zur Todesstrafe. Das Verfahren gegen ihn bezeichnete er stets als politisch motivierte Intrige.

Für die Veröffentlichung zur US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hatte deren Stab Assange persönlich verantwortlich gemacht. Grund für diese Personalisierung war offenkundig die vorausgegangene Ankündigung des Wikileaks-Gründers, der am 4. Oktober wissen ließ, anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens werde die Site zehn Wochen lang jeweils geheime Unterlagen verfügbar machen, die Bezug zum US-Wahlkampf, aber auch etwa zu Waffenhandel und Google hätten.

WikiLeaks-Twitter (Screenshot: ZDNet.de)

Die Botschaft von Ecuador in London teilte CNET.com auf Nachfrage mit, wenn sie in der Angelegenheit etwas zu kommunizieren habe, werde sie das über ihre Website tun. Bisher ist das nicht passiert. Auch über Wikileaks‘ „Notfallplan“ liegen keine Informationen vor.

Im Februar hatte Assange zumindest einen moralischen Sieg errungen, als der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UN) seinen Botschaftsaufenthalt als „willkürliche Inhaftierung“ wertete. Sein langjähriges Exil konnte er aber deshalb keineswegs verlassen. Die britische Polizei will nach eigenen Angaben weiterhin „alles tun, um ihn festzunehmen.“

[mit Material von Katie Collins, CNET.com]

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Themenseiten: Internet, Politik, wikileaks.org

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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