Nach gescheiterter Übernahme: Apple wildert bei Imagination Tech

Allein seit September sind sechs Mitarbeiter zu Apple London gewechselt. Der frühere Imagination-COO John Metcalfe fungiert seit Juli als Senior Director bei Apple. Der GPU-Entwickler sieht bei über 1400 Angestellten allerdings kein Problem.

Apple hat nach einer gescheiterten Übernahme des PowerVR-GPU-Entwicklers Imagination Technologies mehrere wichtige Angestellte des britischen Unternehmens angeworben. Das berichtet Business Insider. Imagination hat zuletzt für Apple den Grafikchip des iPhone 7 entwickelt.

Die-Aufnahme des SoC A8X mit von Apple angepasster PowerVR-GPU (Bild: Chipworks)Die-Aufnahme des SoC A8X mit von Apple angepasster PowerVR-GPU (Bild: Chipworks)Es handle sich um einen „Brain Drain“, bekam Business Insider von einer Quelle zu hören, die besten Köpfe würden also abgeworben. Insbesondere sei John Metcalfe zu Apple gewechselt, der laut seinem LinkedIn-Profil seit Juli als Senior Director bei Apple beschäftigt ist. Zuvor war er ein Jahrzehnt lang für Imagination als COO tätig. Insgesamt war er dort fast 20 Jahre angestellt.

Vor einem Jahr hatte Apple schon den Vizepräsidenten für die Hardware-Entwicklung bei Imagination abgeworben, der bei ihm den Rang eines Director bekleidet. Apple London beschäftigt auch frühere Imagination-Angestellte als GPU Architect, Engineering Manager, FE Hardware Design und Design Manager.

Beachtenswert ist dabei, dass Apple drittgrößter Anteilseigner von Imagination ist. Im März 2016 bestätigte es Verhandlungen mit dem britischen Unternehmen, aber keine Kaufentscheidung – die auch später nicht folgte. Ein Kursanstieg von Imagination und die Regularien der Londoner Börse erzwangen offenbar eine solche Stellungnahme. Apple erwirbt bislang Lizenzen für die PowerVR-GPU-Kerne und entwickelt sie selbst weiter.

Business Insider glaubt, dass Apple eine eigene Abteilung fürs Grafikchip-Design aufbaut. In London habe es seit September sechs Neuzugänge von Imagination verbucht. Zudem gebe es ein weiteres Team für Grafikchips in Orlando, Florida.

Zugleich macht nach seiner Darstellung Imagination eine Krise durch. Seit dem Rücktritt von CEO Hossein Yassie im Februar läuft eine Restrukturierung. Mindestens 200 Mitarbeiter mussten gehen. Dennoch meldete es im Juli einen Verlust von 61,5 Millionen Pfund bei einem Umsatz von 120 Millionen Pfund.

Die Wechsel zu Apple bezeichnete ein Unternehmenssprecher aber als normal und „nicht überraschend“. Man beschäftige mehr als 1400 Mitarbeiter, der Wechsel einer Handvoll könne daher wirklich nicht als „Brain Drain“ bezeichnet werden. So etwas belaste auch generell die Beziehung zu den Kunden nicht.

Im April 2008 hatte Apple schon den auf stromsparende Prozessoren spezialisierten Chipentwickler P.A. Semi übernommen. Zwei Jahre später folgte Intrinsity. Die Akquisitionen waren Apples steigendem Interesse an der Entwicklung eigener Prozessoren für seine Mobilgeräte geschuldet.

Später fiel Beobachtern auf, dass Apple zwar das Design des integrierten Grafikprozessors von Imagination übernahm, ihn aber offenbar selbst weiterentwickelte. Apple erwirbt Lizenzen für die PowerVR-GPU-Kerne ähnlich wie für Prozessoren der ARM-Architektur und ist berechtigt, das Imagination-Design entsprechend den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Das sorgte etwa bei dem im iPad Air 2 erstmals verbauten System-on-a-Chip (SoC) A8X für eine unerwartet hohe Grafikleistung der von Apple angepassten GPU. Beim A9X des iPad Pro integrierte der iPhone-Hersteller überraschend einen ebenfalls weiterentwickelten Grafikprozessor mit 12 Kernen, obwohl Imagination zu dem Zeitpunkt offiziell nur Varianten mit 8 oder 16 Kernen anbot.

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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Neueste Kommentare 

1 Kommentar zu Nach gescheiterter Übernahme: Apple wildert bei Imagination Tech

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  • Am 15. Oktober 2016 um 8:32 von PeerH

    Komisch: 200 Mitarbeiter werden (von 1.400 Mitarbeitern!) entlassen, aber wenn Apple sechs Mitarbeiter übernimmt, dann ‚wildert‘ es? Und es ist ein ‚Brain Drain‘?
    Besteht vielleicht die Möglichkeit, dass diese sonst – mit dem Know-how über die Entwicklung von Produkten für Apple – einfach woanders hingegangen wären? Offensichtlich hat das Unternehmen ganz andere Probleme.

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