US-Medien verklagen FBI auf Herausgabe von Informationen zur iPhone-Entsperrung

AP, USA Today und Vice wollen mehr Details zur Entsperrung eines iPhone 5C erfahren, das dem San-Bernardino-Attentäter gehörte. Bis heute ist nicht bekannt, wer das Entsperrtool zu welchem Preis an die US-Bundespolizei verkaufte - und ob die Schwachstelle noch besteht. Die klagenden Medien berufen sich auf das Informationsfreiheitsgesetz.

US-Medien haben das FBI verklagt, weil sie nach dem Informationsfreiheitsgesetz mehr über die Entsperrung eines iPhone 5C erfahren wollen. Es geht um das iPhone des San-Bernardino-Attentäters Syed Farook, dessen geforderte Entsperrung einen sechs Wochen andauernden Streit zwischen US-Behörden und Apple ausgelöst hatte.

FBI (Bild: FBI)

Die Klage bei einem Bundesgericht in Washington eingereicht haben die Nachrichtenagentur AP, die überregionale Tageszeitung USA Today sowie Vice Media. Sie wollen Unterlagen des FBI einsehen, um den Lieferanten des iPhone-Hacks sowie den von der US-Regierung bezahlten Preis zu erfahren. Zuvor hatte das FBI alle Anfragen abgelehnt, obwohl die Medien diese Informationen nach dem Informationsfreiheitsgesetz verlangten. Als Grund für die weitere Geheimhaltung nannte die Behörde die mögliche Gefährdung ihrer Ermittlungsarbeit, ohne das näher zu erläutern.

Die US-Bundespolizei hatte den iPhone-Hersteller mit juristischen Mitteln zur Mithilfe bei der Entsperrung zwingen wollen. Konkret sollte der iPhone-Hersteller eine Möglichkeit schaffen, die Sicherheitsfunktion zu umgehen, die nach zehn falschen Passworteingaben alle Inhalte unlesbar macht. Das Unternehmen sah das Verlangen jedoch als „einen ungewöhnlichen Schritt, der die Sicherheit unserer Kunden gefährdet“. Es handle sich um nichts anderes als die Forderung nach einer Hintertür. Die gerichtliche Anordnung sah der iPhone-Hersteller als verfassungswidrig an und wehrte sich mit dem Argument, der von der US-Regierung angeführte All Writs Act aus dem Jahr 1789 räume der Regierung keine derartig weitreichenden Befugnisse ein.

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Der aufsehenerregende Fall schien der Regierung andererseits auch gelegen zu kommen, um öffentlichen Druck auf Apple auszuüben. Im März erwähnte Apple-CEO Tim Cook in einem Interview eine zweistellige Zahl von Geräten, die Behörden entsperrt wünschten. Nach seiner Darstellung nutzte das FBI jedoch selbst längst nicht alle Möglichkeiten. „Die Wahrheit ist doch, wir leben im goldenen Zeitalter der Überwachung.“ Zur Debatte um eine Hintertür zu Apple-Smartphones für gerichtlich ermächtigte US-Ermittler fügte er hinzu: „Niemand sollte einen Schlüssel für eine Milliarde Schlösser haben.“

Umso überraschender wirkte Ende März der Rückzug der US-Regierung. In einem neuen Schriftsatz zog das Justizministerium den Antrag auf Unterstützung durch Apple zurück und begründete es damit, dass das FBI das iPhone des San-Bernardino-Attentäters inzwischen ohne Apples Hilfe entsperren konnte. Bis heute ist unklar, wer dem FBI bei der Entsperrung half und welche Schwachstelle dabei genutzt wurde. Auch gegenüber Apple wollte die Regierung diese Schwachstelle nicht enthüllen. Spekuliert wurde über „Grey-Hat-Hacker“ oder die israelische Firma Cellebrite, die der US-Bundespolizei eine Lösung zur Entsperrung eines jeden iPhone 5C mit iOS 9 verkauft haben könnten. Der FBI-Direktor deutete lediglich einen Kaufpreis von etwa 1,3 Millionen Dollar an.

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Die klagenden Medien wollen jetzt mehr Details zu dem Fall erfahren und begründen es mit den vielen Unklarheiten. Die Klageschrift verweist auf die öffentliche Debatte um das richtige Gleichgewicht zwischen nationaler Sicherheit und der Privatsphäre in persönlicher Kommunikation, die durch die Vorgänge ausgelöst wurde. Durch den Kauf eines Entsperrtools von einer dritten Partei habe das FBI zudem der Zurückhaltung einer potentiell gefährlichen Sicherheitslücke zugestimmt, die vermutlich noch immer besteht. Die Öffentlichkeit habe jedoch keine Gewissheit über Sicherheitsvorkehrungen und weitere Absichten des unbekannten Anbieters.

„Informationen über die Vertragsgestaltung des FBI würde außerdem Transparenz bei der Verwendung öffentlicher Mittel sicherstellen“, heißt es weiter. „Es ist wesentlich für eine wirksame Kontrolle der Regierung, dass die Öffentlichkeit die Summe erfährt, die das FBI für den Kauf des Tools für angemessen hielt, sowie die Identität und die Reputation des Verkäufers.“

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5 Kommentare zu US-Medien verklagen FBI auf Herausgabe von Informationen zur iPhone-Entsperrung

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  • Am 20. September 2016 um 9:25 von ckOne

    Tja bei einer Zusammenarbeit mit dem FBI hätte Apple die Schwachstelle gekannt, so ist es halt Geistiges Eigentum derer die mehr können als Apple (zumindestens laut Cook, der ja behauptet hat Apple könnte nicht helfen).
    Und warum sollte das FBI denn überhaupt Apple helfen ?
    Da greift halt das Sprichwort: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

    • Am 20. September 2016 um 12:41 von AppleVersteher

      Ich gehe davon aus das Apple dem FBI geholfen hat. Vor Gericht hätten sie verloren und so haben sie einen Deal mit dem FBI gemacht. Apple hilft und das FBI behauptet das es ein externer Hacker war der geholfen hat. Apple hat schon so oft gelogen. Warum dieses mal nicht? Zu der ganzen Aktion gab es nachträglich überhaupt keinen Kommentar von Cook. Extrem verdächtig.

      • Am 20. September 2016 um 15:04 von Hi, hi...

        …*einfachnurresignierendkopfschüttel*

    • Am 21. September 2016 um 17:57 von Jörg

      Geitiges Eigentum??. Wohl kaum. Der Code in iOS bleibt Eigentum von Apple. Wer eine Sicherheitslücke findet und diese nutzt, um einen Vorteil daraus zu ziehen, macht sich der Computersabotage/-spionage strafbar. Leute die damit Geschäfte machen, sind Kriminelle. Nichts anderes. Es macht auch keinen Unterschied, ob sie Behörden mit diesen Tools ausstatten. Es bleiben strafbare Handlungen.

  • Am 21. September 2016 um 19:08 von ckOne

    @Jörg
    Der Code bleibt natürlich geistiges Eigentum von Apple, aber die Vorgehensweise zur Nutzung einer Lücke im Code ist geistiges Eigentum von dem der ihn gefunden hat.
    Und nur wer diese Vorgehensweise NUTZT macht sich strafbar. Wer diese Vorgehensweise nur verkauft macht sich nicht strafbar, egal an wen er verkauft.
    Denn alle Softwarefirmen zahlen ja auch für Sicherheitslücken, um sie schnellstmöglich zu schließen.

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