Tesla wertet mit Autopilot 8 verstärkt Radar-Daten aus

Erstmals kann das Fahrzeug nun aufgrund von Hinweisen des Radars bremsen. Ein tödlicher Unfall wie vor zwei Monaten soll so verhindert werden. Fehlbremsungen konnten laut Tesla nach langen Analysen "fast vollständig" ausgeschlossen werden.

Eletroauto-Hersteller Tesla informiert, dass sein teilautonomes Fahrsystem Autopilot in Kürze in Version 8 vorliegen wird. Darin erhalten Signale des Radars höhere Bedeutung, um eine Wiederholung des ersten tödlichen Unfalls eines Tesla im Autopilot-Modus zu verhindern, der sich Ende Juni ereignet hatte: Ein querender weißer Sattelschlepper wurde vor einem hellen Himmel weder vom Fahrer noch von der Automatik bemerkt, und das Tesla Model S schoss unter ihm durch.

Model X; der Radar sitzt im Stoßdämpfer (Bild: Tesla)Autopilot ist auf Tesla-Fahrzeugen der Reihen Model S und Model X seit Oktober 2014 verfügbar. Außer dem in die Stoßstange integrierten Radar nutzt er auch Kamerabilder und ein Sonar, also Ultraschall, aber im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten keine Lidar genannten Lasersensoren. Das wird sich Berichten zufolge auch mit der nächsten Hardware-Aktualisierung nicht ändern.

Autopilot Version 8 erhält laut Tesla allein durch den Radar so viele Informationen, dass es theoretisch keine weiteren Sensoren bräuchte, um andere Verkehrsteilnehmer und Hindernisse zu erkennen und zu orten. Straßenschilder freilich könne der Radar weiterhin nicht wahrnehmen.

Tesla-CEO Elon Musk kommentierte in einer Telefonkonferenz: „Wir waren bisher nicht sicher, ob wir im Fall des Radars Falschmeldungen eliminieren konnten. Aber nach vielen Analysen und mit von unseren Partnern verbesserten Treibern für den Radar, die uns Zugriff auf die Rohdaten geben, glauben wir jetzt, dass wir das mit Flottenlernen kombinieren und Fehlmeldungen, die zu überflüssigen Bremsmanövern führten, fast vollständig ausschließen konnten.“

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Das Auto könne daher ein Bremsmanöver einleiten, wenn der Radar ein Hindernis identifiziere, sagte Musk – „so lange es nicht groß und flauschig ist.“ Auf Nachfrage erklärte er, ein Elch habe zwar flauschiges Fell, aber doch auch eine beträchtliche Masse, weshalb er erkannt werden „sollte“. Nur „für kleineres Wild funktioniert es möglicherweise nicht.“

Nach dem tödlichen Unfall vor zwei Monaten hatte Teslas Sensor-Lieferant Moibileye eine weitere Zusammenarbeit aus Angst um seinen Ruf ausgeschlossen. Mobileye arbeitet etwa auch mit BMW an dessen vollautonomem Fahrzeug iNext. Musk wollte dies nicht kommentieren, die Konzentration auf Radar lässt sich aber als Distanzierung von hochgradig kamerabasierten Systemen wie dem von Mobileye deuten.

Zusätzlich bringt Autopilot Version 8 Sicherheitsverbesserungen, darunter auffälligere Warnmeldungen und stärkeren Einsatz der Bremsen in einem Notfall. Außerdem schaltet sich das teilautonome System – das konstant durch den Fahrer kontrolliert werden muss – ab, falls der Fahrer drei Warnungen im Lauf einer Stunde ignoriert. Autopilot erkennt in Version 8 auch Autobahnabfahrten; mit dem nächsten Upgrade 8.1 soll es dann automatisch darauf einschwenken können.

Nach wie vor handelt es sich offiziell um eine „Beta“. Musk erklärte dazu, „es ist nicht wirklich eine Beta“, aber wenn man es so bezeichne, sinke die Wahrscheinlichkeit, dass die Anwender sich allzu sehr darauf verließen. Der vor zwei Monaten tödlich verunglückte Fahrer soll zum Zeitpunkt des Unfalls einen Film angesehen haben.

[mit Material von Tim Stevens, CNET.com]

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3 Kommentare zu Tesla wertet mit Autopilot 8 verstärkt Radar-Daten aus

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  • Am 13. September 2016 um 11:36 von Visitor

    Zitat aus dem Artikel: „…Fehlmeldungen, die zu überflüssigen Bremsmanövern führten, fast vollständig ausschließen konnten.“

    Zu dumm nur, dass dieses „fast“ leider tödlich enden kann oder eben mit lebenslänglichen Folgen.
    Solange das noch nicht ABSOLUT(!!!) sicher ist, darf so ein System nicht zugelassen werden.

    • Am 13. September 2016 um 13:34 von Micha

      Absolut sicher gibt es in diesem Fall nicht – Es ist nur absolut sicher das der Mensch immer noch die größere Gefahrenquelle im Straßenverkehr darstellt.

      • Am 13. September 2016 um 14:06 von PeerH

        Wäre es um absolute Sicherheit gegangen, dann müsste Verbrennungsmotoren sofort verboten werden: allein in den USA verbrennen jedes Jahr im Schnitt etwa 280.000 Autos mit Verbrennungsmotor.
        „A study of U.S. fires from 2003-2007 finds that fire departments respond to an average of 287,000 vehicle fires per year, or 30 vehicle fires per hour, and that vehicles were involved in 17% of all reported U.S. fires.“
        (US Wikipedia: Plug-in electric vehicle fire incidents)
        __
        Von den Toten durch Verkehrsunfälle ganz zu schweigen, und insbesondere die Unbeteiligten Opfer sind extrem bitter – Fußgänger, die nicht mal selber ein Fahrzeug fahren.
        __
        Wenn durch diese Technik auch nur wenige Menschen weniger verunglücken, ist das ein echter Fortschritt.

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