China Labor Watch: Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern verschlechtern sich noch

Die Arbeiterschützer erheben erneut Vorwürfe gegen Pegatron. Wie ihre Untersuchung zeigt, können dessen Mitarbeiter nicht von ihrem Einkommen leben, ohne extrem viele Überstunden zu leisten. Ein erneuter Suizid macht auch wieder auf die Zustände bei Foxconn aufmerksam.

Die Arbeiterschutzorganisation China Labor Watch (CLW) hat erneut schwere Vorwürfe gegen den Apple-Zulieferer Pegatron erhoben. Ihr Bericht stellt heraus, dass die Beschäftigten von ihrem Einkommen praktisch gar nicht leben können, wenn sie nicht eine extreme Zahl von Überstunden leisten. Gleichzeitig kommen auch die Zustände bei Apple-Zulieferer Foxconn nach einem Suizid und einem tödlichen Unfall wieder in die Kritik.

Dem Bericht zufolge haben sich parallel zu Apples rückläufigen Gewinnen auch die Arbeitsbedingungen bei seinen Auftragsfertigern verschlechtert. Für ihre Untersuchung (PDF) werteten die Arbeiterschützer Lohnabrechnungen von Mitarbeitern bei Pegatron Shanghai im letzten Jahr aus, befragten Arbeiter und ermittelten in der Fabrikation.

(Bild: Jay Greene/CNET)Werk des Apple-Zulieferers Pegatron in Shanghai (Bild: Jay Greene/CNET)

62 Prozent der Abrechnungen wiesen mehr als 82 Überstunden monatlich aus. Ein Arbeiter kam mit 109 Überstunden auf insgesamt 293 Arbeitsstunden. Wer keine Überstunden leistet, verdient jedoch nach Abzügen nur rund 213 Dollar, was zum Leben in dieser Region nicht reicht. Der Arbeitslohn in Shanghai betrug 2015 durchschnittlich 895 Dollar. Pegatron-Arbeiter jedoch verdienten selbst mit 80 Überstunden nur 672 Dollar. Mit 20 Überstunden kamen sie lediglich auf 490 Dollar. Nach den Auswertung von China Labor Watch lagen die Löhne von 42,3 Prozent der Pegatron-Mitarbeiter unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns in Shanghai. Das Unternehmen musste daher durchschnittlich 19 Dollar zuzahlen.

Viele Probleme entstehen laut CLW auch durch Apples Marketingpraxis, die für extremen Druck in der Herstellung sorgt, wenn gewaltige Mengen neuer iPhones für den Verkaufsstart zu produzieren sind. Wie Foxconn 2012 erklärte, war es außerdem schwierig, auf einmal 20 Prozent mehr Arbeiter zu finden – bei einer Million Mitarbeitern wurden 200.000 zusätzlich benötigt.

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Bei Foxconn wie Pegatron werden daher auch Berufsschüler als Praktikanten eingespannt. Diese sind oft nur 17 bis 18 Jahre alt und sollten eigentlich nicht zur Arbeit am Fließband gezwungen sein, die keinen Bezug zu ihrem Unterricht hat. Freiwillig machen sie es nicht, denn Behörden und Schulen setzen sie ebenfalls unter Druck. China Labor Watch wirft Pegatron vor, dass seine Praktikanten durchschnittlich sogar noch mehr Überstunden leisten als Mitarbeiter in Vollzeit.

Das gängige Argument, dass doch alle Hersteller zu solchen Bedingungen produzieren lassen, lässt CLW-Geschäftsführer Li Qiang nicht gelten: „Derzeit verhindert Apple die Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der ganzen Smartphoneindustrie. 2015 hat Apple über 90 Prozent der gesamten Gewinne der Smartphoneindustrie erzielt, während eine Vielzahl anderer Unternehmen Verluste einfuhren. Wenn Apple sich nicht seinem Status entsprechend verantwortlich verhält, sind auch andere Firmen nicht in der Lage, für Verbesserungen zu sorgen.“

Bei Foxconn in Zhengzhou, dem Hauptwerk für die iPhone-Produktion, kam es kürzlich erneut zu einem aufsehenerregenden Suizid. Ein 31-jähriger Arbeiter sprang nach seiner Nachtschicht aus der obersten Etage in den Tod. Er war erst seit einem Monat dort beschäftigt.

„Warum sind es immer die einfachen Arbeiter, die springen?“ zitiert das Wall Street Journal eine Mitarbeiterin von Foxconn. Es geschehen immer wieder solche Selbsttötungen in der Foxconn-Fabrik, erklärte sie weiter. Das spiegle die prekäre Existenz chinesischer Wanderarbeiter. Mangels Geld und Ressourcen gelinge es ihnen nicht, persönliche Probleme zu lösen.

[mit Material von Jack Schofield, ZDNet.com]

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Themenseiten: Apple, China, China Labor Watch, Politik, iPhone

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19 Kommentare zu China Labor Watch: Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern verschlechtern sich noch

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  • Am 29. August 2016 um 22:42 von PeerH

    Einfach mal die Rohdaten (Stand Februar/April, findet man auf der Webseite von CLW) besorgen, und sich die Frage stellen, aufgrund welcher Daten CLW solche Vorwürfe strickt.

    Tipp: es sind die Daten des Vorjahres. Es wurden nämlich September/Oktober Lohnstreifen aus 2015 ausgewertet.

    Einerseits weiß Pegatron also nicht, ob Pegatron auch 2016 die Arbeitnehmer zu Überstunden zwingt. Zudem ist das die Belastung während dieser Monate. In den Rohdaten sind auch (wenige) Daten für die anderen Monate zu finden – mit deutlich geringerer Belastung.
    Für die Bewertung der Belastung der Arbeitnehmer ist aber nicht nur die Zeit in auftragsstarken Monaten relevant, sondern auch in den ’normalen‘ Monaten. Darüber erfährt man bei CLW nix. Kein Vergleich.

    Das wäre so, als würde man die Situation der Lagerarbeiter von Amazon anhand der Monate November und Dezember auf das restliche Jahr verallgemeinern.

    In Zahlen: in den Monaten April und Juli findet man deutlich weniger Überstunden. Dann sollte man wissen, steht auch auf der CLW Seite, dass Überstunden Wochentags mit 150%, und am Wochenende mit 200% ausbezahlt werden.

    Was aber grundsätzlich nicht im Lohnstreifen steht: das ist, ob die Mitarbeiter im September/Oktober iPhones oder Geräte anderer Auftraggeber zusammenschrauben.

    Die Rohdaten geben den Bezug zu Apple schlicht nicht her, obwohl das zeitlich gut passt.

    Aber es ist eben so, dass Microsoft, Asus, Dell, Sony und Lenovo (s.u.) ebenfalls bei Pegatron produzieren lassen. Und die werden weder genannt, noch als Mitverantwortlich an den Pranger gestellt.

    Wie neulich bereits kritisiert, wurden über Apple in den letzten Jahren neun (von seit 2000 etwa 80 insgesamt) Reporte erstellt. Von Samsung sechs, von Disney fünf – von den gerade in China erfolgreichen chinesischen Unternehmen wie Xiaomi, Huawei, ZTE, Oppo etc. kein einziger Report – Null.

    Wie weit steht es aber mit der Unabhängigkeit von CLW, wenn sie ausländische Konzerne sehr häufig, und inländische Konzerne überhaupt nicht prüfen? Einfach mal auf der CLW Webseite nachschauen – die Reporte sind ersichtlich. Und zählen. Sieht nicht gerade nach ‚Neutralität‘ aus.

    Abgesehen davon, dass der Report und die Anklage auf ein Jahr alten Daten basiert und zufällig kurz vor dem Verkaufsbeginn des iPhone 7 lanciert wird.

    Ich bin jederzeit für mehr Arbeitnehmerrechte, aber eben gegen diese Art von Lobbyarbeit.

    Wikipedia: „Zurzeit sind u. a. folgende Unternehmen Großkunde bei Pegatron:

    Acer (Taiwan)
    Apple (USA)
    Asus (Taiwan)
    Dell (USA)
    Fujitsu (Japan)
    Hewlett-Packard (USA)
    Intel (USA)
    Lenovo (China)
    Microsoft (USA)
    Nokia (Finnland)
    Panasonic (Japan)
    Sony (Japan)
    Toshiba (Japan)
    In Klammern steht das Land mit dem Hauptsitz des Unternehmens.“

    PS: Was das Wallstreet Journal schreibt, ist wirklich zynisch. Denn die letzten zwei Fälle, die vorkamen, waren ein Selbstmord – und ein tragischer Unfall auf dem Weg zur Arbeit.

    Und wie immer wird der Eindruck erweckt, dass Pegatron nur für Apple produziert – der Rest wird unterschlagen.

    Als ob es nicht schlimm genug ist, dass Arbeitnehmer sterben. Zynisch.

    (Wen es interessiert, der kann sich über den April Report über Pegatron die Rohdaten besorgen und selber prüfen – CLW übertreibt dann doch in wesentlichen Punkten.

    • Am 29. August 2016 um 23:01 von Leser

      Einfach mal den Artikel lesen. Da steht ein Absatz, der das ganze Geschwurbel von „ja aber“ und „andere auch“ und „immer auf die Kleinen“ entkräftet: Ich zitiere: „Das gängige Argument, dass doch alle Hersteller zu solchen Bedingungen produzieren lassen, lässt CLW-Geschäftsführer Li Qiang nicht gelten: „Derzeit verhindert Apple die Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der ganzen Smartphoneindustrie. 2015 hat Apple über 90 Prozent der gesamten Gewinne der Smartphoneindustrie erzielt, während eine Vielzahl anderer Unternehmen Verluste einfuhren. Wenn Apple sich nicht seinem Status entsprechend verantwortlich verhält, sind auch andere Firmen nicht in der Lage, für Verbesserungen zu sorgen.“

      Punkt. Basta. Aus. So sieht´s aus und so ist es. Li Qiang hat Recht und Du verteidigst einen Konzern, der gar nicht weiß wohin mit seinem ganzen Geld, aber so wie Dagobert Duck für ein paar lumpige Kreuzer seinen Neffen Donald Münzen polieren lässt, ein paar zehntausend chinesische Wanderarbeiter überteuert verkaufte und durch die Verarbeitung unter starkem Obsolenzverdacht stehende Telefon zusammenschrauben lässt. Das ist schlichtweg unmoralisch, verwerflich und in keiner Beziehung unterstützenswert.

      • Am 30. August 2016 um 0:21 von PeerH

        Der Zusammenhang zwischen Apples Erfolg als Unternehmen (als Maßzahl die 90% der Gesamtgewinne der Smartphonebranche) und den Arbeitsbedingungen scheint mir mehr als gewagt zu sein.
        Weil: die Herstellungskosten eines iPhone liegen bei wenigen Dollar – also auch nur bei einem Bruchteil der erwirtschafteten Gewinne. Wenn aber >80% von den 90% eben nicht darauf zurückgehen, dann ist das Argument unsinnig.
        Klingt zwar dramatisch und einprägsam, aber ist mehr als fragwürdig.
        Überprüfung der These durch den Umkehrschluss: wenn also Apple keine 90% erwirtschaften würde, würde es den Arbeitnehmern besser gehen? Wohl kaum. Die Herstellungskosten hängen nicht vom Gewinn Apples ab, sondern sind Pauschalbeträge – und die werden nicht von Apple diktiert, sondern orientieren sich an marktüblichen Preisen.

        Ohne mich zu sehr wiederholen zu wollen: dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden müssen, steht außer Frage.
        Aber warum CLW zu diesem Zeitpunkt seine Anklage formuliert, obwohl ihnen nur alte Daten vorliegen, die nicht einmal eine logische Verbindung zu Apple ermöglichen (Lohnstreifen), warum CLW neun (!) mal Reporte gegen Apple bemüht, bei etwa 80 insgesamt, und sechs gegen Samsung – und Null gegen einheimische Großkonzerne, und dann eben keinerlei Kritik an die chinesischen Behörden als rechtliche Kontrollinstanz formulieren, das lässt mich bei CLW eher an eine maskierte Lobbytruppe, denn an eine unabhängige Instanz denken.

        Man erinnere sich an die von Oracle finanzierte Organisation, die sich massiv gegen Google richtete und mit ‚Transparency‘ warb? Nicht jeder, der sich als NOn-Profit-Organisation und ‚unabhängig‘ bezeichnet, muss das auch sein.

        Man möge sich einfach zum Vergleich an Greenpeace erinnern: wäre Greenpeace erfolgreich gewesen, wenn sie sich bezüglich Ölkonzernen immer nur an z.B. Shell gerieben hätten – und der Rest der Umweltverschmutzer (Texaco, BP, Total, Aral, etc.) und das Versagen der Staaten und Regierungen keinerlei Erwähnung gefunden hätte?
        Ich denke nicht.
        Greenpeace ist deswegen erfolgreich geworden, weil sie die Branchen und die Umstände ganzheitlich angeklagt haben, alle aus ihrer Sicht Schuldigen klar benannt haben, und sich nicht scheuten sogar gegen Regierungen vorzugehen – z.B. bezüglich Atombombentests und politisch unterstützten Walfang.

        Und bei Pegatron und Foxconn produzieren wben nicht nur Apple und Samsung, sondern nahezu alle globalen IT Unternehmen. Wahrscheinlich auch die nicht erwähnten chinesischen Hersteller, die mittlerweile eben keine lokalen Nischenanbieter sind, sondern in China 2/3 der Smartphones verkaufen – im mittleren und Niedrigpreissektor.
        Warum sich CLW nicht für die Arbeitsbedingungen der chinesischen Smartphone Anbieter interessiert? Keine Ahnung.

        China Labour Watch ist durch die Fokussierung auf wenige ausländische Konzerne ganz offensichtlich nicht neutral. Insbesondere, weil sie die einheimischen Konzerne eben komplett ignorieren, als würden diese anders produzieren, und die chinesische Regierung als Verantwortlichen komplett aus der Diskussion raushalten.

        Das ist berechtigte Kritik. Und ihr Vorgehen ist der Sache der Arbeitnehmer aus meiner Sicht wenig dienlich.

        Denn wie es jenseits von Pegatron und Foxconn bei kleineren Herstellern aussieht, das findet keine Erwähnung. Und sie argumentieren mit alten Daten, obwohl sie eigentlich nur zwei Monate warten müssten, und dann könnten sie sehen, ob sich wirklich nichts getan hat.

        Stattdessen postulieren sie, dass etwa so sein könnte. Und bieten dadurch Angriffspunkte in ihrer Argumentation.

        • Am 30. August 2016 um 1:26 von Leser

          Wirste pro Zeichen bezahlt? Ist ja auch egal. Darin den Leuten das Wort im Munde umzudrehen biste jedenfalls ein ganz großer. Ich habe an keiner Stelle behauptet, dass Apple so viel verdient, weil es durch seine Vorgaben letzendlich die Verantwortung für die niedrigen Löhne trägt. Ich habe nur geagt, dass Apple als größter Konzern in dem Umfeld seiner moralischen Verantwortung nicht gerecht wird (Feigenblatt-Nachhaltigkeits- und Diversity- und Social-Fairness-Berihhte mal beiseite gelassen), was aber bei den Gewinnen durchaus möglich wäre. […]
          Und Apple bekommt zurecht die größte Schelte, weil sie eben bei Mobilgeräten der bedeutendste Einzelanbieter sind. Die ganzen Detailzerpflückereien und Pseudo-Mitgefühl-Absätze helfen Dir da auch nix: Du bist und bleibst auf der dunklen Seite der Macht. Niemand hat gesagt, das CLW perfekt ist. Aber mit irgendwas muss die Veränderung ja anfangen. Und am besten mit jedem Einzelnen: Wenn Verbraucher fragen: Wer hat mein Smartphone zu welchem Preis zusammengebaut, war der volljährig und hat er´s freiwillig getan, dann wird sich was ändern. Nicht dadurch, dass einer kommt, groß rumlabert, mit dem Aufklärerfähnchen winkt, laut schreit „ich lass mir nix vormachen“ und dann lauter Halbwahrheiten verbreitet und sich selbst widerspricht.

          • Am 30. August 2016 um 9:50 von PeerH

            Nein, ich werde dafür überhaupt nicht bezahlt, wozu auch?
            „Ich habe nur gesagt, dass Apple als größter Konzern in dem Umfeld seiner moralischen Verantwortung nicht gerecht wird … was aber bei den Gewinnen durchaus möglich wäre.“
            Möglich wäre viel, aber würde das etwas ändern?
            Was nutzt es den Arbeitnehmern aber, wenn man 9x Apple anklagt, weil sie das erfolgreichste Unternehmen sind, aber das eben nichts mit den Arbeiterlöhnen in China zu tun hat, und die anderen Auftraggeber nicht einmal erwähnt?

            Vielleicht ist der Ansatz von CLW ja schlecht, und schädigt die Arbeitnehmer am Ende sogar?
            Im Gegenteil: auf Druck von Apple wurden die Löhne ja bereits einmal angehoben, und es hat den negativen Effekt gehabt, dass die Bezahlung mehr auf Überstunden verlagert wurde?

            CLW zeigt dich genau das – wenngleich mit Daten aus 2015.

            Es hilft Deiner Argumentation auch nicht weiter, wenn Du mir unlautere Ziele vorwirfst – auch ich bin an gerechten und fairen Einkommen von Arbeitnehmern interessiert – als Arbeiter Kind kann ich mich gut erinnern, was es bedeutet Monatelang für einen Walkman zu sparen.

            Aber darum geht es eben nicht: wenn CLW ein verdecktet Lobbyverein wäre, was ich nicht glaube, dann würden sie der Sache der Arbeitnehmer sogar schaden – weil sie sie für ihre Zwecke instrumentalisieren, aber eben kein Interesse hätten etwas zu verbessern, sondern gezielt einigen Konzernen zu schaden – oder andere besserzustellen.

            Ich kritisiere aber den Ansatz von CLW, denen es offensichtlich hauptsächlich um Aufmerksamkeit geht,ich vermute, dass sie sich deswegen 9x auf Apple (=Aufmerksamkeit) stürzen. Aber wenn dann nichts weiteres passiert, dann ist das als Konzept für Kritik zu wenig, und am Ende ebenfalls der Sache dienlich.

            Ich habe Greenpeace als Beispiel genannt, die sich eben weder auf einen Konzern fokussiert haben, noch Scheuklappen hatten, oder Regierungen geschont haben. Niemand hat Greenpeace jemals verdächtigt, dass sie gezielt z.B. ‚Shell‘ schädigen wollen, sondern jedem war klar, dass es um die ganze Branche geht, die massiv die Umwelt schädigt.
            Und die ganze Branche wurde sukzessive vorgeführt, Unternehmen, für Unternehmen, Land für Land, Regierung für Regierung.

            Und dass es bezüglich Arbeitnehmerrechte in China viel zu verbessern gibt,mdas steht außer Frage. Das wäre durch die Regierung ohne große Aufwände möglich – Mindestlohn für Branchen festlegen, Steafen für Konzerne festlegen, Kontrollen durchführen, fertig.

            In der Praxis dann zwar noch immer swer umzusetzen, aber erheblich effektiver als vereizelte Unternehmen herauszupicken, und gegenüber der Regierung zu schweigen.

            (Bei uns gibt es ebenfalls viele Arbeitnehmer, die durch einen Arbeitsplatz znd trotz Vollzeit nur wenig mehr als Hartz IV Niveau verdienen. Die arbeiten mitunter bei Amazon im Lager, und streiten dafür, dass sie Mitsprache im Betrieb kriegen – was ihnen rechtlich zusteht. Hindert aber keinen Kunden daran bei Amazon zu kaufen. Weil es so bequem ist.

            Und achte mal darauf, wie oft hier im Forum über den Preis diskutiert wird? Billig ist oft genug das Argument, warum ein Gerät gelobpreist wird. Obwohl damit ganz eindeutig feststeht, dass man mit ‚billig‘ auch billige Arbeitslöhne in China und Vietnam fördert.

            Ich kann mich nur wiederholen: Pegatron und Foxconn sind, auch wenn einem das im Schlaraffenland Deutschland schwer möglich erscheint, eher die Konzerne, die in China besser bezahlen.

            Und wie die Situation jenseits dieser Konzerne ist, bei den vielen kleineren und mittelgroßen Unternehmen, darüber schweigt sich CLW aus. Man kann aber durchaus vermuten, dass da die Bedingungen noch schlechter sind.

      • Am 30. August 2016 um 0:49 von PeerH

        Ansonsten: ich verteidige nicht einen Konzern (wenn, dann sogar drei, Apple, Samsung und Disney), sondern ich glaube einfach nicht alles unkritisch, was durch die Medien geprüfelt wird.

        Ich habe selber auf deren Webseite nachgesehen – und sogar deren Rohdaten reingesehen.

        Und meine Kritikpunkte werfen berechtigte Fragen auf. Weil es eben fatal wäre, wenn die Arbeitnehmer und deren Rechte durch destruktive Lobbyarbeit instrumentalisiert würden.

        Anders gesagt: die chinesische Regierung könnte sofort und ohne Umschweife durch klare Gesetze und drakonische Strafen die Einhaltung der Arbeitnehmerrechte durchsetzen. Sie tun es nicht.

        Und CLW sagt dazu kein Wort.

        Das muss Dir nicht gefallen. Glaub Du einfach unreglektiert was Dir vor die Nase gelegt wird, und empöre Dich. Ich versuche mir eine eigenes Bild zu machen – anhand der Rohdaten, und den Informationen die CLW vorlegt.

        Und falle eben nicht auf fragwürdige Vergleiche herein.

        Denn mit dem 90% Gewinne von Apple Argument könntest Du genauso gut die 90% Marktanteil von Windows als Grund heranziehen, um Microsoft an den Pranger zu stellen – weil die Desktops ja ebenfalls von Pegatron, Foxconn und Co zusammengeschraubt werden.

        Wäre genauso unsinnig. Es geht letztendlich darum Mindestlöhne einzuführen, und das ist – siehe bei uns – Aufgabe des chinesischen Staates. Die wollen aber nicht, weil sie ein Interesse an niedrigen Herstellungskosten haben.

        Warum? Steigen diese zu stark, zieht die Karawane möglicherweise weiter. Nokia zog bereits vor Jahren nach Vietnam, andere folgten.

        Und das will die chinesische Regierung vermeiden. Deswegen tut sie nichts gegen Niedrigstlöhne.

        Wenn Du glaubst, dass wenn Apple oder Samsung einen Dollar mehr Stundenlohn zahlen würden, die Situation sich grundlegend ändern würde, dann liegst Du damit sehr wahrscheinlich falsch. Die anderen Hersteller würden eben nicht nachziehen – wozu?

        Foxconn und Pegatron gehören ja bereits zu den Herstellern, die höhere Löhne zahlen – so unglaublich das klingt.

        Oder denkst Du, dass kleinere Produzenten ebenfalls mit 150% bis 200% Überstunden bezahlen?

        Wäre das (!) nicht mal die Aufgabe von CLW, dass sie Vergleichszahlen liefern, anstatt pauschal die immer selben anzuklagen?

        Im Prinzip eine gute und wichtige Sache – aber ich bin eben skeptisch, ob sie nicht zu viel Propaganda und zu wenig Argumentation verwenden.

        Die Fokussierung auf wenige ausländische Konzerne sehe als der Sache der Arbeitnehmer wenig dienlich an.

        PS: In fünf Jahren werden viele der schlechtbezahlten Jobs wegfallen, weil sie durch Roboter und Maschinen ersetzt werden – die Arbeitnehmer werden dann nicht mehr diese Jobs haben. Wird CLW dann weiter die selben Konzerne anklagen?

  • Am 30. August 2016 um 8:09 von ckOne

    @PeerH
    Und wieder kommt aber der und der macht es doch auch !

    Es geht in dem Artikel und Apple und um deren Produktionsfirmen und das Apple die größte Gewinnspanne aller Smartphonehersteller hat ist nachgewiesen, also im Klartext wenn Apple anstatt 600$ nur noch 594$ (Also nur 1% weniger) verdienen würde und darauf achten das dieses Geld unten ankommt, dann würden die Arbeiter von Ihrer Arbeit leben können und Apple würde nicht viel ärmer.
    Dann wäre es für die anderen Hersteller sehr schwer zu erklären warum sie das nicht auch machen, nur das diese wahrscheinlich mehr als 1% investieren müssten.

    • Am 30. August 2016 um 9:05 von PeerH

      Ja, und dann? Meinst Du wirklich, dass Pegatron dann den anderen Mitarbeitern, die nicht iPhones zusammenschrauben, dann ebenfalls mehr zahlen würde? Denen, die für die anderen Auftraggeber Geräte zusammenschrauben?
      Oder sollte Apple denen auch mehr bezahlen?
      Die anderen Hersteller können das sehr leicht begründen: „wir machen sonst Verluste. Wir verkaufen billig. Wir können es uns nicht leisten.“ Punkt.
      Und sie würden sich freuen, weil ihre Geräte weiterhin billig produziert würden, und eben Apple Geräte mitunter teurer würden.
      Und nun?
      Zumal eben Xiaomi etc., chinesische Unternehmen, nicht mal überprüft werden – sie könnten doch mit gutem Beispiel vorangehen, und den bösen ausländischen Unternehmen zeigen, wie man fair die eigenen Arbeitnehmer entlöhnt?
      Wir haben doch in D einen Mindestlohn eingeführt. Warum zeigt CLW auf Apple und Samsung, und nicht auf die Regierung? Die muss doch ihre eigenen Gesetze überwachen?
      Das Thema Mindestlohn zeigt doch, wie es schnell umzusetzen wäre?
      Aber: die chinesische Regierung hat kein Interesse. Gründe siehe oben.
      Es wäre im Prinzp leicht: strengere Gesetze, effektive Kontrollen, drastische Strafen.

  • Am 30. August 2016 um 8:47 von Mathias

    Lol,
    Denn wie wir alle wissen ist Sklavenarbeit okay solange das
Unternehmen die Einsparungen an den Endkunden weitergib.
    Also hört hier auf herum zu Blöken . Gleich rennt ihr in den “ Ich bin doch nicht Blöd“ Markt und seit auf Schnäppchen Jagd.

    Dieses billige aufgesetzte Moralgelaber ist einfach nur Peinlich.

    • Am 30. August 2016 um 9:12 von PeerH

      Ich wollte es nicht so polemisch ausdrücken, aber ein wenig hatte ich ebenfalls den Eindruck.

      Denn die ‚Geiz ist Geil‘ Mentalität, die ist bei uns nicht zu leugnen – und Mediamarkt war damit sehr erfolgreich.

      Klar: nicht jeder kann sich teure Produkte leisten – aber viele, die günstige Produkte dann tatsächlich kaufen, die könnte sich diese durchaus leisten.

      Ganz klar: angemessene Bezahlung, die einem ein menschenwürdiges Leben ermöglicht, ist zwingend nötig, ob nun bei uns oder in China.

      Mir ist nur nicht klar, wir das CLW auf diese Art erreichen will. Greenpeace hatte keinen selektiven Ansatz, keine Scheuklappen, und kämpfte auch gegen korrupte Regierungen.

      Den größten Konzern x-mal anzuklagen und bei allen anderen zu schweigen, das ist als Konzept in meinen Augen dann etwas zu dürftig.

    • Am 30. August 2016 um 9:20 von Judas Ischias

      Deshalb hast Du auch ein iPhone, damit Du wenigstens so tun kannst als wäre Apple der weiße Ritter, der sich als eine von ganz wenigen Firmen wirklich ernsthaft um die Belange der ausgebeuteten Arbeiter kümmert.
      Die Wirklichkeit sieht aber leider ganz anders aus.

      • Am 30. August 2016 um 9:54 von PeerH

        Ja, verstanden. Und Du kaufst Dir also demzufolge ganz bewusst ein billiges Gerät für 79€, weil Geiz geil ist, und weil Dir die Arbeitnehmer in China egal sind? Aha?
        Oder denkst Du, dass es keinen direkten Zusammenhang gibt zwischen Kaufpreis und Löhne der Arbeitnehmer in China?
        Du bist doch derjenige hier im Forum, der stets am lautesten ‚teuer, teuer‘ und ‚billig ist besser‘ rausposaunt. Kunden wie Dich meinte Mathias wahrscheinlich explizit.
        Wenn ich mich daran erinnere, wie oft Du doch den niedrigen Kaufpreis als DAS Killerargument eingeworfen hast … Du schlechter Mensch, Du. ;-)

        • Am 31. August 2016 um 7:25 von Judas Ischias

          Wer wie Mathias meint, dass man im „Ich bin doch nicht blöd Markt“ auf „Schnäppchen Jagd“ gehen kann, ist nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen.
          Und wer hat hier denn etwas davon geschrieben, dass Sklavenarbeit ok ist, wenn die Unternehmen die Einsparungen an den Endkunden weitergeben?
          Jetzt könnte Mathias doch mal mit ein paar Fakten rüberkommen!
          Das gilt mal wieder auch für Dich!!
          Wo habe ich geschrieben, dass ich mir „demzufolge ganz bewusst ein billiges Gerät für 79€“ kaufe, „weil Geiz geil ist“, und mir „die Arbeitnehmer in China egal sind?“
          Jetzt kannst Du beweisen, dass Du nicht nur Lügengeschichten erzählen kannst sondern auch die Wahrheit schreibst!
          Oder wo schreie ich im Forum am lautesten, teuer, teuer und billig ist besser?
          Außerdem habe ich Dir schon ein paar mal den Unterschied zwischen BILLIG und PREISWERT erklärt! Aber Du leidest ja unter Lernresistenz!
          Außerdem weiß weder Mathias noch Du über mein Kaufverhalten!
          Verteidigt ruhig weiter eure Lieblingsfirma und den Glauben, dass wenn ihr bei Apple eure enorm teuren iPhone kauft, ihr die Welt rettet.
          Steht doch hier ganz deutlich im Artikel, dass das nicht so ist!

  • Am 30. August 2016 um 11:37 von C

    Apple will tatsächlich keine Änderung (60h pro Woche sind OK für die), weil das die Gewinne schmälert. Anderweitig hätten sie längst Pegatron den Auftrag entzogen.

    Unabhängig davon sind die anderen Auftraggeber von Pegatron aber auch in der Pflicht, Verbesserungen durchzusetzen.

    Und Tim Cook tut immer so auf „Saubermann“. Der o. g. Apple-Käufer bringt es auf dem Punkt: es ist ihm offensichtlich Sch… egal“ unter welchen Bedingungen sein Produkt hergestellt wurde, Hauptsache er kann damit prahlen.

    • Am 31. August 2016 um 0:16 von PeerH

      Du verdrehst die Tatsachen: Apple gibt an Pegatron einen Auftrag, und wenn Pegatron die Mitarbeiter zu Überstunden scheucht, und das innerhalb des gesetzlichen Rahmens ist, können sie wenig machen.
      Schließlich sind die Mitarbeiter bei pegatron angestellt, und nicht bei Apple. Du verdrehst da etwas die Verantwortlichkeiten.
      Na ja: und die Kosten werden nicht pro ‚Arbeitszeit‘ abgerechnet, sondern pro gefertigtes Gerät. Also ist Deine Argumentation schlicht falsch.

  • Am 30. August 2016 um 11:39 von hamster

    LOL peerh und sein „leben“, dass er apple verschrieben hat.
    übrigens:
    die meldung kann ich im zdnet-newsletter noch nicht finden, aber die handvoll leute, die du angeblich in iwelchen foren mühevoll gefunden hast, haben eine sammelklage gegen apple eingereicht, wegen „touch-gate“. dahinter dürften ein paar mehr leute stehen, als die, die du mit deinen fingern zsm-gezählt hast :D

    das war es mir mal wieder wert, hier einen kommi zu hinterlassen :)

  • Am 30. August 2016 um 19:50 von C3PO

    Lieber PeerH,

    ein kleines bisschen kann ich Deine Kritik an der Studie sogar nachvollziehen (Konzentration auf Lohnabrechnungen im September, wobei ich das auch für einen Einzelfallmonat schlimm genug finde).

    Aber vielleicht beantwortest Du mir die Frage, warum die kleine und an Stückzahlen vollkommen unbedeutende Fairphone-Initiative es schafft, einen Teil des Verkaufserlöses als selbstverwalteten Sozialfonds den Mitarbeitern in der Produktion zukommen zu lassen, während die große Marktmacht Apple nicht in der Lage ist, über Jahre hinweg an zum Himmel schreienden Produktionsbedingenen substantiell etwas zu ändern?

    PS: Kurz und knackig wäre nett :-)

    • Am 31. August 2016 um 19:10 von Judas Ischias

      Das kann PeerH leider nicht erklären, denn dann würde sein Weltbild von Apple zusammenbrechen.

  • Am 30. August 2016 um 23:36 von ckOne

    @PeerH
    Wenn der größte Mobilgeräte-in Auftraggeber auch nur ein bisschen Interesse daran hätte, das sich an den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung der Arbeit etwas ändert, hätte er genug Marktmacht um es zumindestens ein bisschen zu verbessern. Und andere Unternehmen, die vielleicht weniger Gewinn machen müssten dann nachziehen, da das ein sehr großes Werbepotential hat, wenn man sagen kann ich mache aber die anderen nicht.
    Und natürlich sind niedrige Produktionskosten auch dafür verantwortlich, das Apple dermaßen viel an jedem einzelnen Gerät verdient. Ich Finde es eine Schande, das Tim Cook gerade mal wieder 135 Millionen reicher wurde ( Aktien-Prämie von Apple ) und die die sein einziges Erfolgsgerät zusammenschrauben eigentlich nicht davon leben können, das gleiche gilt für Samsung und Co. !
    Nur wenn Apple so Fair ( zu Umwelt und Menschheit) wie Tim Cook immer behauptet, dann hätte es schon längst seinen Einfluss so geltend gemacht das man Erfolge sehen könnte. Und es ist nun mal trotz aller „Wenn und Aber“ , daß es Apple Finanziell am leichtesten Fallen würde. Und damit hat es in meinen Augen auch die größte Verpflichtung den Anfang bei den Maßenherstellern zu machen, die anderen müssten bei guter Werbung mit diesem Thema nachziehen. Und gute Werbefachleute hat Apple, also sollte das auch kein Problem sein.

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