Russische Kartellbehörde ermittelt gegen Apple

Es geht um mögliche Preisabsprachen mit russischen Händlern. Auslöser ist eine Beschwerde eines russischen Verbrauchers. Theoretisch droht Apple eine Geldstrafe in Höhe von 15 Prozent seiner iPhone-Umsätze.

Die russische Kartellbehörde FAS hat ein Ermittlungsverfahren gegen Apple eingeleitet. Wie das Wall Street Journal berichtet, wirft sie dem iPhone-Hersteller Preisabsprachen mit russischen Einzelhändlern vor. Sie sollen zusammen seit Oktober 2015 die Preise für die aktuelle iPhone-Generation festgelegt haben.

Flagge Russlands (Bild: Shutterstock)Auslöser der Untersuchung war offenbar eine Beschwerde eines Verbrauchers. Er hatte über Monate hinweg nahezu identische Preise für iPhone 6S und iPhone 6S Plus bei 16 großen Einzelhändlern registriert. „Die FAS glaubt, dass ein derartiger Zufall das Ergebnis einer Koordinierung von Preisen russischer Wiederverkäufer durch Apple sein könnte“, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde.

Der Leiter der FAS, Andrei Filimonov, hatte schon im Februar der russischen Nachrichtenagentur Interfax mitgeteilt, seine Behörde prüfe Hinweise auf mögliche Preisabsprachen. Daran beteiligte Unternehmen könnten mit einer Geldstrafe in Höhe von 15 Prozent ihrer iPhone-Umsätze belegt werden.

Laut WSJ werden immer mehr US-Firmen in Russland einer genauen behördlichen Prüfung unterzogen. Das Land reagiere damit unter anderem auf die schlechten Beziehungen zum Westen sowie die von den USA und der EU verhängten Sanktionen nach der Annexion der Krim im März 2014.

Im August 2014 wurden demnach mehrere Filialen der Restaurantkette McDonald’s wegen angeblicher Hygienemängel vorübergehend geschlossen. 2014 trat zudem ein Gesetz in Kraft, dass Internetfirmen wie Facebook, Google und Twitter verpflichtet, Daten russischer Nutzer in Russland zu speichern. Die Frist für die Umsetzung des Gesetzes wurde seitdem allerdings mehrfach verschoben.

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Google muss in Russland zudem seine Apps aus Android entfernen und auch seine Vereinbarungen mit Geräteherstellern überarbeiten. Die Bündelung der Apps mit dem Mobilbetriebssystem stufte die FAS als wettbewerbsfeindlich ein. Allerdings ermitteln in dieser Sache auch andere Länder gegen Google, darunter auch die EU-Kartellbehörden.

Dmitry Marinichev, Internet-Ombudsmann der russischen Regierung, schließt dem Bericht zufolge eine Bestrafung Apples aus. „Es ist ein Wirtschaftsunternehmen, das auf einem freien Markt agiert und deswegen selbst das Preisniveau für einzelne Märkte festlegt.“

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Themenseiten: Apple, Kartell, Politik, Russland, Smartphone, iPhone

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Stefan Beiersmann
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25 Kommentare zu Russische Kartellbehörde ermittelt gegen Apple

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  • Am 9. August 2016 um 11:47 von Mac-Harry

    Haha, die Russen machen sich Gedanken um Preise. Oha!

    • Am 9. August 2016 um 17:23 von Punisher

      Hier geht es nicht direkt um die Preise, sondern um Preisabsprachen. So kann man schön Geld verdienen indem man Benutzer betrügt und über den Tisch zieht. Und das in Russland nicht nur reiche Leben, sollte auch dir klar sein.
      Aber die willst eh nur von der Tatsache ablenken, wie Apple seine Käufer abzockt und die Preise künstlich oben hält, indem es Wettbewerb untergräbt.

      • Am 9. August 2016 um 20:57 von PeerH

        Forsche Worte, und Dir ist klar, dass Apple das ‚categorically denied‘ hat? Siehe Appleinsider.com. ;-)

        Den Link schenke ich mir mal, Du wllst das eh nicht lesen.

        Ansonsten: Wie kann denn Apple Wettbewerb untergraben, obwohl sie nur 15% Marktanteil haben? Morgen dichtest Du ihnen noch ein Monopol an. ;-)

        • Am 10. August 2016 um 12:48 von Punisher

          Was hat denn bitte Wettbewerb mit Marktanteil zu tun? Dichte du dir mal nicht deine Welt zu Recht. Apple hält die Preise durch Preisabsprachen künstlich oben, wie Samsung mit anderen Display Herstellern es vor nicht all zu langer Zeit getan hat. Sowas ist kriminell und gehört bestraft. Das du für Apple immer irgendwelche Ausreden parat hast ist nichts Neues.

          • Am 10. August 2016 um 15:45 von Hi, hi...

            …eine Kleinigkeit ist schon dran an der Aussage. Mit nur 15% Marktanteil hat Apple keine echte Möglichkeit den Wettbewerb (bezogen auf weitere Hersteller = Mitbewerber) zu untergraben. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass Apple ganz offensichtlich genügend Möglichkeiten hat, die Händler zu „überzeugen“ die Verkaufspreise auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Apple-Store zu halten. Das ist nicht nur in Russland so, das könnte man in Deutschland genauso herausfinden.

          • Am 10. August 2016 um 19:07 von PeerH

            @Hi, hi …: na ja: offensichtlich scheint mir etwas vorverurteilend zu sein, im Moment wird ja nur ermittelt. Ob sie die Möglichkeiten haben, ist ja auch strafrechtlich nicht von Belang. Ob sie diese tatsächlich nutzen, darauf kommt es an. Das wiederum wäre auch bei einem Monopolisten die Frage.
            Letztendlich wurde so ein Vorwurf in Russland bereits einmal erhoben, und am Ende waren es die Händler, die sich untereinander abgesprochen haben.
            Ob das ebenfalls so endet, muss man abwarten.

  • Am 10. August 2016 um 17:35 von Punisher

    @hi,hi
    Hier geht es um den Wettbewerb, der entstehen würde, wenn sich die Einzelhändler/ Fachhändler nicht an Apples Preise halten müssten. Das kennen wir alle, es nennt sich ebenfalls Wettbewerb, das unter anderem sorgt für Preiskampf. In diesem Fall hier nicht. So wird JEDER Käufer abgezockt!

    • Am 10. August 2016 um 19:03 von PeerH

      Du verrennst Dich mal wieder – Apple kann nicht wettbewerbschädigend sein. Also lann nicht ‚JEDER Käufer abgezockt‘ werden. Das wäre anders, hätten sie einen Marktanteil von 99%, dann wäre ‚jeder‘ vielleicht angebracht.
      Bei nur 15% Marktanteil dürfte Apple Null Einfluss auf die allgemeine Preisgestaltung z.B. bei Android Smartphones haben. Apple könnte die Händler regelrecht knebeln, dass sie das iPhone nur mmjt Preis x verkaufen – kein einziges Android Gerät wäre einen Rubel teurer.
      Es kann (was sie ja explizit bestreiten) nur die Händler ‚verpflichten‘, die Applr Geräte verkaufen. Und das sind eben so viele Geräte, wie der Marktanteil ausmacht.
      M.E. hat Apple mit dem iPhone in Russland kein Monopol. Daher ist Deine Aussage dann letztendlich Unsinn.

      • Am 11. August 2016 um 4:43 von Punisher

        Ich schreibe es mal ganz genau, damit du nicht mehr ums Thema herum schreibst. Jeder IPHONE Käufer wird abgezockt, da die Preise abgesprochen sind. Aber dich stört das ja eh nicht, hauptsache das Logo stimmt.
        Preisabsprachen bei den eBooks haben ja auch nicht gestört oder waren gar Wettbewerbswidrig. Stimmt Apple kann garnicht wettbewerbschädigend sein, ganz sicher.

        • Am 11. August 2016 um 8:32 von PeerH

          Tja, das nenne ich dann einfach mal eine Lüge: „Jeder IPHONE Käufer wird abgezockt, da die Preise abgesprochen sind.“ Denn damit wüsstest Du mehr als die Behörden in Russland. Aber klar, mit der Wahrheit nimmst Du es bezüglich Apple ja nie so genau. Bei anderen hingegen sitzen ddie Scheuklappen stramm. ;-)
          Du kannst mir sicher die Marktanteile von Apple im US Buchmarkt nennen? Und die von Amazon? Und Du weißt, dass Amazon den Verlagen seinerseits Bedingungen diktiert?
          Dann wüsstest Du auch, wer auf die Anklagebank gehört hätte.
          Die US Behörde ist Amazon auf den Leim gegangen, und hat seine Marktdominanz dadurch nur gefestigt.
          Tja, nun werden in den USA Bücher wie Tütensuppe im Angebot verramscht.

      • Am 11. August 2016 um 6:56 von Hi, hi...

        @PeerH
        …doch, Apple hat gewissermaßen ein Monopol. Da es der einzige Hersteller von iDevices ist haben die Händler keine Chance zu sagen: „Dann beziehe ich die Geräte eben von anderswo.“ Und KEINE Apple-Geräte zu verkaufen ist auch nicht gerade geschäftsfördernd. Von daher begrüße ich diese Untersuchung – sie sollte m. E. sogar auf andere Länder ausgeweitet werden.

        • Am 11. August 2016 um 9:53 von PeerH

          Das ist aber ein komplett falsches Verständnis, was ein Monopol ist – auch wenn Du das Wort ‚gewissermaßen‘ davorgestellt hast.

          Denn dann hat VW ein Monopol auf VW Autos, Maggi hat ein Monopol auf Maggi Tütensuppen, und auch Google hat ein Monopol auf Nexus Geräte – alle vertreiben sie 100% ihrer Geräte, und kein Händler hat die Chance einen VW von BMW zu kaufen, eine von einem Wettbewerber hergestellte Maggi Suppe zu erstehen, und ein Nexus wird auch nicht von Apple produziert.

          Noch schlimmer: den Händlern wird explizit auferlegt, wie Showrooms auszusehen haben, und ich bin nicht ganz sicher, aber ist durch Herstellervorgaben nicht sogar verboten, dass ein Händler z.B. VW UND BMW verkauft? Wäre ja dann total wettbewerbswidrig.

          Ein Monopol bezieht sich auf Gerätegruppen, nicht auf Marken. Marken beinhalten (so verstehe ich den Begriff) immer eine 100% Beziehung zum Hersteller. Dafür gibt es Marken.

          Google hat mit Android ein Quasi-Monopol (85%) auf Smartphones, in einigen Ländern eines mit der Suchmaschine (70-90%). Microsoft hat ein Quasi-Monopol (90%) auf dem Desktop Rechner Bereich.

          Apple hat in keinem einzigen Bereich ein Quasi-Monipol, nicht einmal annähernd eine marktbeherrschende Position – am nähsten noch, glaubt man IDC und Co noch mit der Apple Watch.

          Absprachen sind wettbewerbswidrig, ganz klar, und gehören bestraft. Egal, wer diese betreibt. So sind die Regeln.
          Aber deswegen sind 15% Marktanteil dann eben doch nicht marktbeherrschend, und 100% iPhones von Apple sind eben keine ‚Apple Monopol‘.

          • Am 11. August 2016 um 10:58 von Hi, hi...

            …mir ist schon klar, dass es kein echtes Monopol ist. Schließlich sind die Händler nicht gezwungen iDevices anzubieten und die Kunden nicht gezwungen solche Geräte zu kaufen.
            Mir ist auch klar, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen – Apple also, dank recht großer Nachfrage, auch einen hohen Preis verlangen kann (und das auch reichlich tut). Die Tatsache aber, dass die Preise der untergeordneten Händler für iDevices, wenn überhaupt, nur geringfügig unter denen des Apple-Stores liegen, lässt nicht viele Schlüsse zu: Entweder sind selbst die Einkaufspreise der iDevices enorm hoch, sodass der Händler praktisch keinen Gewinn mehr erwirtschaftet, wenn er nicht die Apple-Preise nimmt oder aber Apple „überredet“ die Händler, damit deren Preise nicht oder nur unwesentlich unter den Applepreisen liegen.
            In jedem Fall begrüße ich eine Aufklärung – egal, wie sie ausfällt.

      • Am 11. August 2016 um 7:14 von Judas Ischias

        @PeerH,
        „M.E. hat Apple in Russland kein Monopol. Daher ist Deine Aussage dann letztendlich Unsinn.“
        Seit wann ist DEINE Meinung maßgebend, wenn es um nackte Tatsachen geht?
        Zumal Apple ja schon ein vorbestrafter „Kartellverbrecher“ ist.

        • Am 11. August 2016 um 9:56 von PeerH

          Na, immerhin bin ich intellektuell in der Lage meine Aussagen zu begründen, hingegen bei Dir rudimentäre Prozesse ablaufen, die sehr Pawlowsch-nah sind.

          Dass Apple in Russland kein Monopol auf Smartphones hat, ist offensichtlich. Ob das ’nackte Tatsachen‘ sind, kann ich nicht sagen. Ich würde das eher als Fakt bezeichnen. ;-)

  • Am 10. August 2016 um 22:30 von Judas Ischias

    @Hi, hi,
    ich erinnere da mal an das E-Book-Kartell und meine damalige Argumentation bezüglich Marktmacht, was jetzt nichts mit einer Monopolstellung zu tun hat, obwohl auch PeerH das mit dem geringem Marktanteil abwimmeln wollte.

    • Am 11. August 2016 um 6:57 von Hi, hi...

      …das ist nicht ganz zu vergleichen, wenn auch eine ähnliche Sauerei für die Kunden.

      • Am 11. August 2016 um 8:27 von PeerH

        Mitnichten – für die Kunden und für die Verlage und insbesondere für die Autoren scheint es mir doch schlimmer zu sein, wenn Bücher genau so wie Tütensuppe verramscht werden. ‚Kaufen Sie den neuen Hardy Potter für 0,99 Dollar im Angebot.‘
        Ein Verfahren, in dem Amazon eine wichtige Rolle gespielt hat – ein Konzern, der durch fragwürdige Methoden eine bedeutende Marktposition erreicht, und seinerseits den Buchhändlern Bedingungen unkautere Bedingungen diktiert hat. Die allerdings nicht untersucht wurde . Da haben die Kartellbehörden in den USA zweifellos das falsche Unternehmen verdonnert. Da wurde der Bock zum Gärtner gemacht. ;-)

        • Am 11. August 2016 um 9:01 von Hi, hi...

          …für die Verlage mag es ein Nachteil sein, für die Kunden ist es definitiv keiner. Und ich persönlich finde ja schon, dass sich weder Apple noch Amazon als „Buchhändler“ in die Preisgestaltung der Verlage einmischen dürfen. Genau so etwas hebelt nämlich den marktwirtschaftlichen Mechanismus von Angebot und Nachfrage aus.

          • Am 11. August 2016 um 10:19 von PeerH

            Ja, eben. Die Preisgestaltung sollte für die Verlage frei sein. Wobei ich ein Verfechter der Buchpreisbindung bin, weil ich eben Bücher und Literatur mit Bildung verknüpfe, und ich würde ungern Bücher im Ramschregal neben Tütensuppen liegen sehen. Dafür ist Bildung zu wichtig.
            Aber das sollen die USA und andere Länder selber entscheiden.

            Tatsächlich wurde aber Apple (die Verlage haben wegen unwägbarer Kosten/Risiken lieber eine außergerichtliche Einigung akzeptiert) verurteilt, sie würden ein Kartellbildung unterstützten.

            Nur: Amazon diktiert so ziemlich die selben Bedingungen den Verlagen – was die Kunden ebenfalls schädigt.

            Eine Amazon Knebel Bedingung war dabei die ‚Kein anderer Verkäufer darf die Medien/Bücher günstiger erhalten als wir‘. Und das setzen sie mit ihrer marktbeherrschenden Position durch.

            Bedeutet praktisch: die Verlage wurden entweder aus dem Marktplatz von Amazon rausgeworfen, oder mussten diese Klausel unterschreiben. Und damit wurde der Kunde geschädigt, weil sie eben niemand anderem günstigere Preise (für z.B. befristete Aktionen) bieten durften.
            DAS ist das klassische ausnutzen einer marktbeherrschenden Position.

            Und: die ‚alle müssen alles anbieten‘ Fraktion möge mit doch bitte mal erklären, warum es Amazon, die auch in Deutschland eine marktbeherrschende Position mit ihrem Marktplatz innehaben, erlaubt ist, dass sie explizit Apple TV in dem Moment aus ihrem Marktplatz verbannt haben, in dem sie ihr eigenes TV Box System auf den Markt gebracht haben.
            Wettbewerbswidriges Verhalten?
            Warum vertreibt Amazon denn nicht die Apple TV Box. Und, schlimmer, warum verbieten sie sogar den am Marktplatz beteiligten Händlern Apple TV Boxen anzubieten?
            Ich wüsste nicht, dass Apple TV illegal wäre?

      • Am 11. August 2016 um 11:54 von Judas Ischias

        @Hi, Hi…,
        das bezog sich ja auch nicht direkt auf das E-Book-Kartell, sondern nur darauf, dass Apple eine Marktmacht hat und diese auch zu seinen Gunsten ausnutzt. Und zwar in verwerflicher Weise.
        Selbst Du schreibst dass Apple gewissermaßen ein Monopol hat. (Deine Aussage vom 11.8. um 6:56 Uhr geschrieben.)
        Du nennst es so und ich nenne es Marktmacht.

  • Am 11. August 2016 um 9:20 von ckOne

    @PeerH
    Nur weil ein anderer es schlimmer macht, ist es nicht gut was Apple bei den Büchern getan hat. Für den Autor/Verlag macht es keinen Unterschied ob das Buch 5000 mal für 10€/$ verkauft, oder 50000 mal zu 1€\$. Denn die kleinen Preise gibt es normalerweise nur, wenn ich als Händler gleich große Mengen abnehme.

    • Am 11. August 2016 um 10:42 von PeerH

      Das ist aber nicht richtig.

      Nehmen wir Dein Beispiel: Für Amazon ist es egal, ob von einem Buch 5.000 für 10 Dollar oder 50.000 für einen Dollar verkauft werden – sie machen Umsatz. Amazon hat aber keine Herstellungskosten, die sie berücksichtigen müssten. Die liegen auf Seiten der Verlage – diese Verkaufsstragegie geht also zulasten der Verlage. Amazon ist fein raus.
      Und: noch schlimmer, der Markt der Leser ist begrenzt. Wenn also der maximale Pool an Lesern 50.000 Leser beträgt (mehr würde man in Deinem Beispiel nur durch verschenken erreichen), dann hat der Verlag bei 5.000 Käufern zwar den selben Umsatz X erreicht – aber bei 45.000 weiteren Lesern besteht die Möglichkeit, dass diese das Buch noch kaufen. Vielleicht in den nächsten fünf Jahren, Bücher werden ja nicht schlecht.

      Wenn also nach dem ersten Monat (5.000 Stück, weil neu) im folgenden Jahr weitere 5.000 Bücher zu 10 Dollar verkauft werden, dann hat der Verlag 2X Umsatz erzielt. Lassen wir den folgenden fast vier Jahren weitere 5.000 Leser das Buch für von mir aus (man will es ja bewerben) für 10 Dollar kaufen (verschenken, weil Klassiker) – der Umsatz würde auf 3X ansteigen. Sie könnten nach dem ersten Monat den Preis sogar auf unter 10 Dollar senken, und würden dennoch mit jedem weiteren Buch oberhalb der 5.000 Dollar das Delta zwischen 1 Dollar und dem gesenkten Preus an Mehrumsatz kassieren.

      Sprich: Verlage und Autoren (Und Amazon) hätten den dreifachen Umsatz erzielt.

      Wenn aber Amazon 50.000 Bücher für einen Dollar verramscht hat, ist das Potential aufgebraucht, die Summe X ist dann praktisch sofort ausgeschöpft.

      Die Buchverlage (und damit die Autoren) haben also den Schaden, und Amazon hat den (kurzfristigen) Nutzen.

      Nun: sie könnten damit (marktbeherrschende Position) gar die Hersteller unter Druck setzen: gebt uns mehr Prozente vom Verkaufspreis, sonst bieten wir die Bücher billig an, und holen uns unseren Anteil über die Masse – tatsächlich ist das ein Problem der ‚uns immer den besten Preis‘ Klausel. Die Verlage sind also erpressbar.

      Wer will ihnen also verübeln, dass sie versucht haben ein alternatives Preismodell zu etablieren, um sich gegen Amazon und dessen Marktmacht zu schützen? Dass das Kartellrecht das unterbunden hat, das ist dem recht strengen Kapitalismus (Wettbewerb über Alles) und der Tatsache geschuldet, dass Kultur und Bildung nicht als schützenswert erachtet werden. Ob Tütensuppe oder ein Fachbuch – es ist ein Produkt.

      Bei uns gibt es aus diesen Gründen die Buchpreisbindung, weil ein Buch eben ein Teil der Allgemeinbildung sein kann, und daher einen besonderen Schutz braucht.

      Und die Leser? Die kriegen zwar billig und viel an Büchern, aber spätestens wenn die ersten Verlage dicht machen, und die ersten Autoren das Handtuch schmeißen, geht es zulasten der Qualität. Nicht sofort, aber schleichend über die Jahre.

      Und die Marktmacht von Amazon wird dadurch umso mehr gefestigt, weil die Verlage umso erpressbarer werden.

      Du siehst: die Dinge sind nicht immer einfach

  • Am 11. August 2016 um 9:22 von ckOne

    P.S.
    Das gleiche gilt übrigens für Apple Musik, wenn es Titel gibt die exklusiv bei Apple Musik zu streamen gibt, ist das Behinderung des Wettbewerbs, da man Sie ja dann nur bei Apple Musik streamen kann.

  • Am 11. August 2016 um 12:15 von ckOne

    Nachdem die wenigsten Bücher bei mehreren Verlagen erscheinen, steht es jedem Verlag frei nicht an Amazon zu Verkaufen. So macht es Apple ja auch mit seinen Produkten, entweder der Händler spurt oder es gibt keine oder nur geringe Mengen bzw. entweder eine Redaktion berichtet nicht negativ über ein Appleprodukte, oder es gibt keine Pressemuster mehr.

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