Pokémon Go: Cyberkriminelle nutzen populäres Android-Spiel für Trojaner

Eine modifizierte APK-Datei bindet DroidJack alias SandroRAT ein. Mit diesem Remote Access Tool können Angreifer die volle Kontrolle über das Smartphone eines Opfers erlangen. Cyberkriminelle reagieren damit auf den Erfolg des Augmented-Reality-Spiels Pokémon, dessen geplanter Start in weiteren Ländern zurückgestellt wurde.

Die Sicherheitsfirma Proofpoint hat eine infizierte Android-Version des Mobilspiels Pokémon Go entdeckt. Diese nicht über den Google Play Store vertriebene APK-Datei bindet zusätzlich DroidJack ein, das auch als SandroRAT bekannt ist. Mit diesem Remote Access Tool können Angreifer die volle Kontrolle über das Smartphone eines Opfers erlangen.

Pokemon (Screenshot: ZDnet.de)

Cyberkriminelle reagierten damit offenbar auf den schnellen Erfolg des Spiels, dessen Veröffentlichung am 4. Juli in Australien sowie Neuseeland und am 6. Juli in den USA erfolgte. Da die Server dem überraschenden Ansturm der Spieler nicht gewachsen waren, wurde der geplante Start in weiteren Ländern zurückgestellt, darunter auch in Deutschland. Schon am 7. Juli fand sich die um einen Trojaner erweiterte APK in einem Repository.

In freier Wildbahn wurde die bösartige Version des Spiels noch nicht beobachtet. Es wurden aber vielfach Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Download und Installation einer nichtoffiziellen Version veröffentlicht. Daher könnte es eine Frage der Zeit sein, bis ungeduldige Nutzer sich auf die Installation von Dateien aus unsicheren Quellen einlassen, wenn das Spiel in ihrer Region noch nicht offiziell erhältlich ist.

Hinweise auf die gefährliche Version geben unter anderem zusätzliche Berechtigungen, die sie für sich fordert. DroidJack wurde außerdem konfiguriert, über eine dynamisch zu vergebende IP-Adresse mit einem Kommando- und Kontrollserver zu kommunizieren. Die Analyse von Proofpoint ergab, dass zu einer IP-Adresse in der Türkei aufgelöst wurde, die jedoch zu diesem Zeitpunkt keine Verbindungen von infizierten Geräten annahm.

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Die Sicherheitsfirma sieht in ihrer Entdeckung mindestens einen wichtigen Machbarkeitsnachweis. Cyberkriminelle könnten die Beliebtheit von Anwendungen wie Pokémon Go ausnutzen, um Anwender zur Installation von Malware auf ihren Geräten zu bewegen. Proofpoint rät dringend von der Installation solcher Anwendungen per Sideloading ab und empfiehlt, nur Anwendungen aus legitimen App Stores zu beziehen.

Das für iOS und Android verfügbare Pokémon Go entstand aus der Zusammenarbeit von Niantic mit der Nintendo-Tochter The Pokémon Company. Es ist kostenlos, bietet aber zusätzliche kostenpflichtige Optionen. Pokémon steht für Poketto Monsutā, englisch Pocket Monsters oder deutsch Taschenmonster. Es geht darum, unterschiedliche Pokémon-Arten zu fangen, was bei Pokémon Go mit Augmented Reality kombiniert wurde. Den AR-Aspekt, der Spieler zum Pokémon-Fangen hinaus auf Straßen und Plätze bringt, trug das früher zu Google gehörige Entwicklerstudio Niantic Labs bei. Google machte Niantic, das vor allem durch sein Augmented-Reality-Spiel Ingress bekannt wurde, im letzten Jahr unabhängig.

Der Erfolg von Pokémon Go ließ den Aktienkurs von Nintendo über das Wochenende um rund 25 Prozent in die Höhe schnellen. Schon einen Tag nach dem Start in den USA war das Spiel auf mehr Android-Smartphones installiert als die Dating-App Tinder und war dicht daran, Twitter zu überholen. Der Überraschungserfolg rief allerdings nicht nur Cyberkriminelle auf den Plan, sondern auch Jugendbanden, die Pokémon-Go-Spieler gezielt anlockten und mit vorgehaltener Waffe ausraubten. Nach Polizeiangaben nutzten sie dabei die App mit einem „Lockmodul“, mit dem sich sowohl Pokémon als auch andere Nutzer an einen bestimmten Ort locken lassen.

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Themenseiten: Android, App, Augmented Reality, Malware, Nintendo, Secure-IT, Sicherheit

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