LzLabs macht Software Defined Mainframe „Gotthard“ verfügbar

Damit können Kunden Legacy-Mainframe-Anwendungen ohne Änderungen am Code auf Red-Hat-Linux-Server oder Microsoft Azure umziehen. Auch eine Neukompilierung oder Konvertierung von Daten ist nicht erforderlich. Verschiedene Migrationswerkzeuge sollen den Umstieg erleichtern.

Der Schweizer Software-Anbieter LzLabs hat mit „Gotthard“ das erste Release seines Software Defined Mainframe (SDM) freigegeben. Mit ihm sollen Kunden Legacy-Mainframe-Anwendungen ohne Änderungen am Code, Neukompilierung oder Datenkonvertierung etwa auf Red-Hat-Linux-Server oder Microsofts Clouddienst Azure migrieren können.

LzLabs hat mit "Gotthard" das erste Release seines Software Defined Mainframe freigegeben (Bild: LzLabs).Der Software Defined Mainframe enthält einen verwalteten Container, der sämtliche Eigenschaften nachbaut, die ein Anwender auch auf dem Mainframe vorfindet, darunter Online-, Batch-, Datenbank-, Datei- und Sicherheitssubsysteme. Laut LzLabs lassen sich so mehrere tausend Transaktionen pro Sekunde in Linux- und Cloud-Infrastrukturen verarbeiten. In Sachen Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit, Wartbarkeit und Sicherheit soll der Software Defined Mainframe in einer Liga mit IBMs System z spielen.

Damit erhalten Anwender die Möglichkeit, ihre in einem Mainframe teuer bertriebenen Applikationen auf kostengünstigere Plattformen umzuziehen. Dabei helfen Tools wie LzOnline, über das Nutzer Transaktionen basierend auf Cobol unverändert in einem SDM laufen lassen können. Die Elemente der Transaktionen sowie der Online-Subsysteme migrieren mitgelieferte Tools.

LzLabs bietet für den Umstieg auch Migrationswerkzeuge, die den Schritt einer Mainframe-Anwendung in den Software Defined Mainframe erleichtern sollen. Verschiedene Managed Storage Facilities unterstützen zudem automatisierte Speicherklassen und –routinen. Diese sollen die Verwaltung von Datasets auf dem SDM automatisieren. Mit den Mainframe System Utilities können Anwender die bestehenden Prozeduren und Abläufe ohne Änderungen in SDM überführen.

Darüber hinaus bietet LzLabs verschiedene Tools, über die sich Mainframe-Jobs ausführen lassen. LzBatch erlaube etwa, eine Stapelverarbeitung remote oder lokal auszulösen. Anwender können dafür eine Job-Control-Syntax zusammen mit einem Spool-Management verwenden. LzRelational ermöglicht die Migration von Mainframe-Datenbanken in eine relationale Datenbank. Außer einem Werkzeug zur Authentifizierung und Autorisierungssubsysteme lassen sich auch Sicherheitsrichtlinien aus dem Mainframe übertragen. Eine Dataset-Unterstützung für VSAM und andere Datenbankformate erlaubt die unveränderte Verwendung der meisten Track-basierten Datenformate. Hier verbleiben die Datasets unverändert in der Speichereinheit des SDM.

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Von den Mainframes der 1960er-Jahre bis zur gegenwärtigen cloud-orientierten Entwicklung haben sich Rechenzentren enorm gewandelt. Als Anwendungen missionskritisch wurden und Desktop-Server in professionelle Rechenzentren umgezogen wurden, nahm die Anzahl physischer Server in den Rechenzentren exponentiell zu.

„Mehr als 5000 der weltweit größten Unternehmen verlassen sich auf Mainframes, wenn es um Online- und Batch-Verarbeitung auf Cobol-Basis geht“, kommentiert LzLabs-CEO Mark Creswell. „Diese Unternehmen stehen jedoch vor dem Dilemma hoher Kosten, einem immer kleiner werdenden Kreis von Experten für diese Systeme und den Einschränkungen im Bereich Integration und Innovation.“

Die IDC-Analysten Andreas Olah und Chris Bryan sehen in dem LzLabs-Angebot tatsächlich eine Alternative zu bestehenden Mainframe-Rehosting-Lösungen, wie sie etwa von Micro Focus oder Oracle angeboten werden. Denn immer wieder sind Unternehmen mit dem Versuch gescheitert, Mainframe-Anwendungen von System z auf Industriestandard-Hardware zu migrieren.

„LzLabs bietet einen schnelleren und weniger disruptiven Ansatz, der in drei Schritten abläuft: Anwendungen werden aufgeteilt und können damit Schritt für Schritt migriert werden, was Risiken minimiert. Und auch die Anwendungsdaten können unverändert bleiben“, so die beiden Analysten. Die nativen Daten werden einfach auf ein Red Hat Linux migriert, und der verwaltete Software-Container bildet die Mainframe-Subsysteme nach, „so dass die Anwendungen nach wie vor glauben, auf der Originalplattform zu laufen“.

System z Mainframe (Bild: IBM)Solche Rehosting-Angebote werden jedoch allgemein kritisch betrachtet. Viele gescheiterte Migrationen illustrieren die Komplexität solcher Vorhaben. Und außerdem bietet der Mainframe auf Hardware-Ebene ganz klar umrissene Vorteile, die sich in x86 nicht ohne weiteres nachbilden lassen.

LzLabs benennt derzeit noch keine Pilotkunden. Allerdings soll es aktuell „rund 20 Anwender“ in verschiedenen Branchen wie der Finanz- und Automobilindustrie geben. Das privat geführte Unternehmen aus Wallisellen bei Zürich wurde 2011 gegründet und beschäftigt etwa 60 Mitarbeiter. Seine wichtigsten Kooperationspartner sind Red Hat und Microsoft.

Im zurückliegenden Jahr konnte IBM 50 Anwender als absolute Neukunden für den Mainframe gewinnen. Die Anwendungen, die auf diesen Plattformen laufen, sind meist von extrem hohen Datendurchsatz gekennzeichnet. Mehrere Studien dazu zeigen, dass es durchaus Fälle gibt, in denen ein Mainframe tatsächlich die wirtschaftlichere Plattform ist – zumal IBM z System inzwischen auch für mittelständische Anwender anbietet.

Diese Meinung vertritt auch Chris O’Malley, CEO von Compuware, einem Anbieter von Entwicklungstools für den Mainframe: „Es gab in der Vergangenheit tatsächlich immer wieder Versuche, den Mainframe abzulösen. Jedoch konnten Unternehmen letztlich dadurch keinen echten Vorteil gewinnen. Im Gegenteil, die Alternativsysteme waren häufig langsamer, fehleranfälliger, komplexer und aufwändiger zu betreiben. Bis heute ist der Mainframe für viele Szenarien das mit Abstand performanteste, zuverlässigste und einfachste System: Transaktionen sind bis zu 60 Prozent kostengünstiger durchzuführen als mit anderen Lösungen. So gibt es keinen vernünftigen Grund, ihn abzulösen. Der Mainframe bleibt auch für die nächsten zehn Jahre wichtig, zumindest ist das die Meinung von neun von zehn Unternehmen, wie eine unserer Studien zu diesem Thema zeigt.“

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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