Cisco kauft Security-Start-up CloudLock für 293 Millionen Dollar

Es erweitert damit seine Sicherheitssparte um einen Cloud Security Access Broker. CloudLock hilft, das Verhalten der Nutzer bei SaaS-, IaaS- und PaaS-Angeboten zu kontrollieren und zu verwalten. Der Abschluss der Übernahme ist für Herbst geplant.

Cisco hat die Übernahme des Security-Start-ups CloudLock angekündigt. Der Kaufpreis beträgt 293 Millionen Dollar. Der Abschluss der Akquisition ist für das dritte Quartal geplant, setzt aber noch die üblichen Genehmigungen voraus.

Cisco kauft Cloudlock (Bild: Cisco/Cloudlock)Dem aus rund 150 Mitarbeitern bestehenden CloudLock-Team bietet Cisco Prämien für einen Wechsel an. Es soll in Ciscos Networking and Security Business Group integriert werden, die von Senior Vice President und General Manager David Goeckeler geleitet wird.

Rob Salvagno, für Merger und Akquisitionen sowie das Venture-Investment-Team zuständiger Cisco-Manager, stellt die Übernahme in eine Reihe mit den Zukäufen von Lancope für 452 Millionen Dollar im Oktober 2015, OpenDNS für 635 Millionen Dollar im Juli 2015 und vor allem Sourcefire für 2,7 Milliarden Dollar im Juli 2013. Letztere bildete den Auftakt für einen neuerlichen Anlauf des Netzwerkanbieters, im Bereich IT-Security über seine netzwerkbasierenden Angebote hinaus Fuß zu fassen. Salvagno zufolge machen sich diese Investitionen jetzt bezahlt, blicke der Bereich doch aktuell auf drei Quartale mit kontinuierlichem Umsatzwachstum zurück. Das ist in einem sich insgesamt positiv entwickelnden Marktsegment jedoch kein allzu großes Kunststück.

Im Gegensatz zu den früheren Zukäufen geht Cisco mit CloudLock einen Schritt über die bisherigen, stark netzwerkzentrischen Angebote hinaus und stellt Schutz für Nutzer, Applikationen und Daten in den Vordergrund. Für als Cloud Security Access Broker bezeichnete Anbieter, zu denen CloudLock gehört, ist das nichts neues, für Cisco allerdings schon.

Das Marktsegment entwickelte sich, weil einerseits traditionale Ansätze mit der neuen Cloud-IT-Welt oft überfordert sind. Andererseits merkten IT-Verantwortliche schnell, dass sie bei der Vielzahl der in größeren Organisationen genutzten Cloud-Angebote mit den zunächst bereitstehenden Lösungen zur Absicherung jeweils eines Cloud-Diensts nicht weit kommen. Cloud Security Access Broker sind daher angetreten, um IT-Verantwortlichen zunächst Transparenz und dann Kontrolle über die Cloud-Nutzung durch die Mitarbeiter zu geben und diese Nutzung schließlich auch sicher sowie handhabbar zu machen. Dafür bieten sie bei gängigen Cloud-Angeboten wie Salesforce, Office 365, Google Docs, Box oder Dropbox Möglichkeiten für zentrale Verschlüsselung, Tokenisierung, Protokollierung und Zugriffskontrolle.

CloudLock hilft ebenfalls, das Verhalten der Nutzer in SaaS-Anwendungen zu kontrollieren und zu verwalten. Die Firmen-IT kann damit Sicherheitsrichtlinen einrichten und durchsetzen oder Zugriffsrechte aufgrund bestimmter Parameter – etwa dem Standort oder dem Schutzniveau des Geräts, mit dem zugegriffen wird – anpassen. Das funktioniert Cisco und CloudLock zufolge nicht nur bei SaaS-Angeboten, sondern auch bei IaaS und PaaS. Dabei bleibt die CloudLock-Lösung für die Nutzer weitgehend unsichtbar.

Nach eigenen Angaben hat das in Waltham im US-Bundessaat Massachusetts ansässige Unternehmen in den fünf Jahren seines Bestehens bislang über 700 Kunden gewinnen können. Zu seinen Investoren zählen Ascent Venture Partners, Bessemer Venture Partners, Cedar Fund und Salesforce. Gründer sind Gil Zimmermann, aktuell CEO, Ron Zalkind, aktuell CTO, und Tsahy Shapsa, aktuell Vice President Business Development. Zimmermann und Zalkind begannen ihre Karriere beide in IT-Entwicklungseinheiten der israelischen Armee. Shapsa und Zimmermann waren vor der Gründung von CloudLock bei Sun Microsystems, Shapsa außerdem noch bei NetApp, Zimmermann bei EMC beschäftigt.

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Von Capex zu Opex: Mit IT-Kapazitäten aus der Cloud statt von eigenen Servern verwandeln Unternehmen gerade verstärkt starre Investitionskosten in dynamische Ausgaben, die sich dem Geschäftsverlauf anpassen – und werden damit flexibler. Immer beliebter: Infrastructure-as-a-Service (IaaS) aus der Open Telekom Cloud.

Zu den größeren Mitbewerbern von CloudLock gehören neben Bitglass das seit knapp einem Jahr auch in Deutschland vertretene US-Unternehmen Skyhigh Networks sowie Palo Alto Networks, Imperva und Blue Coat Systems. Für Letzteres hat Symantec gerade ein Kaufangebot über 4,65 Milliarden Dollar abgegeben hat. Daneben sind in dem Markt noch mehrere Spezialisten aktiv, die möglicherweise auch bald von einem großen Anbieter aufgekauft werden.

Einer davon ist CipherCloud, an dem unter anderem die Deutsche Telekom beteiligt ist und dessen Produkte sie auch nutzt, um etwa sein Angebot für Office 365 abzusichern. IBM bietet seit Herbst 2015 mit dem Cloud Security Enforcer eine Möglichkeit, zu überwachen, welche Cloud-Anwendungen von den Mitarbeitern genutzt werden und welche Unternehmensdaten in diesen Bereichen abgelegt werden. Außerdem soll auch die IBM-Technologie den Zugang dazu sicherer machen.

Ähnliches gilt für Microsoft. Der Konzern aus Redmond hatte im September 2015 mit dem israelischen Unternehmen Adallom bereits einen Cloud Security Access Broker erworben. Der verfügte nicht nur über Technologie, um Office 365 abzusichern, sondern auch andere Cloud-Dienste. Einen Kaufpreis nannte Microsoft damals nicht. Er könnte aber bei gut 300 Millionen Dollar und damit in der Größenordnung gelegen haben, wie ihn jetzt auch Cisco für CloudLock bezahlt. Denn bereits im Juli 2015 gab es Gerüchte, dass Microsoft bereit sei, für Adallom 320 Millionen Dollar auszugeben.

Offen ist nach der Übernahme von CloudLock, wie die im Januar angekündigte Partnerschaft mit CheckPoint weitergeführt wird. Einerseits sind CheckPoint und Cisco in vielen Bereichen Wettbewerber. Andererseits wird Cisco die zum Teil recht großen CloudLock-Kunden nicht unmittelbar verprellen wollen. Wahrscheinlich muss sich CheckPoint mittelfristig nach einem neuen Partner in dem Segment umsehen oder selbst als Käufer auftreten, um dann nicht mehr auf das Wohlwollen von Cisco angewiesen zu sein.

[mit Material von Peter Marwan, silicon.de]

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Björn Greif
Autor: Björn Greif
Redakteur ZDNet.de
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