China verpflichtet App-Store-Betreiber zur Nutzerüberwachung

Anwender sind zu verifizieren und ihre Aktivitäten 60 Tage aufzubewahren. Gesetzes- und Zensurverstöße müssen den Behörden gemeldet werden. Neben lokalen Anbietern betrifft dies vor allem Apple. Google Play gibt es in China nicht.

China hat Schritte unternommen, um seine Kontrolle übers Internet auf Smartphone-Apps auszuweiten. App-Store-Anbieter müssen ihre Kunden künftig mit Klarnamen identifizieren und die Identität auch verifizieren. Sollten verbotene Inhalte auftauchen, ist dies den Behörden zu melden.

Internet in China (Bild: Karen Roach/Shutterstock)Auf die von der Cyberspace Administration of China veröffentlichten Regeln weist Bloomberg hin. Demnach müssen die Entwickler auch Nutzeraktivitäten überwachen und 60 Tage lang archivieren. Zum Schutz der Nutzer erlegt China den Store-Betreibern auf, eine Zustimmung einzuholen, bevor sie private Daten oder Ortsdaten erheben.

Dies gilt für chinesische und ausländische Entwickler gleichermaßen. Zu den betroffenen Firmen zählt das in China sehr erfolgreiche Apple, während Google im Land keinen Play Store unterhält.

In China muss man sich seit Jahren ausweisen, wenn man eine SIM-Karte kaufen, einen Internetzugang erhalten oder bei einem Mikroblog wie Sina Weibo, ähnlich dem in China verbotenen Twitter, posten möchte.

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Die neue Regel dient der Behörde zufolge dem Kampf gegen Terrorismus und Pornografie. Natürlich sollen auch alle Ansätze von Regierungs- und Systemkritik unterdrückt werden, wie es die „Great Firewall“ schon fürs Internet leistet. Apps hingegen entzogen sich bisher der Kontrolle durch die Behörden, zumal wenn sie verschlüsselt mit dem Backbone kommunizieren, wie es Apple künftig verpflichtend macht.

Bloomberg zitiert Professor Willy Lam von der Universität Hongkong, die neuen Regeln seien schon länger geplant und letztlich eine Verschärfung früherer Maßnahmen, um regierungskritische Äußerungen zu unterdrücken. Zuletzt wurden auch Suchmaschinenbetreiber wie Baidu verpflichtet, Regel- und Zensurverstöße den Behörden zu melden.

Im April hatte China Apples Buch- und Film-Angebote gesperrt: Das Unternehmen musste iBooks Store und iTunes Movies ein halbes Jahr nach der Eröffnung wieder schließen. Als möglicher Grund wurde Protektionismus zugunsten chinesischer Firmen wie Alibaba und Tencent vermutet. Apple hatte kurz zuvor eine iOS-Quelltext-Einsichtnahme durch chinesische Behörden kategorisch ausgeschlossen.

[mit Material von Kent German, CNET.com]

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Themenseiten: Apple, China, Politik, Software, Zensur

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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