Smartphone-Ersatzakkus: Das Kreuz mit der Kapazität

Die "Rugged Power Bank" von EasyAcc verspricht nicht nur reichlich Kapazität für das Laden von Smartphones und Tablets, der Ersatzakku soll auch noch staub- und wasserdicht sein. ZDNet hat den robusten Energiespeicher getestet und festgestellt: Die Herstellerangaben sind generell mit Vorsicht zu genießen.

Wer heutzutage zum Zelten in die Natur fährt, möchte selbst am Lagerfeuer nicht unbedingt auf sein Smartphone verzichten. Doch was ist, wenn fernab der Zivilisation und damit weit weg von der nächsten Steckdose der Akku schlapp macht? Externe Ersatzakkus, so genannte Powerbanks, sind die Lösung. Gerade für den Einsatz in der Wildnis hat zum Beispiel der chinesische Hersteller EasyAcc eine besonders robuste Variante auf den Markt gebracht.

Einsatz in der Wildnis

Die „Rugged Power Bank“ ist laut EasyAcc nach Schutzklasse IP67 zertifiziert und demnach bedingt staub- und wasserdicht. Eine Wassertiefe von einem Meter sollte das Gerät für eine Dauer einer halben Stunde unbeschadet überstehen. Der Test in einem Eimer zeigt, dass die Elektrik zumindest bei einer Wassersäule von nur 50 Zentimetern innerhalb von 30 Minuten keinen Schaden nimmt. Selbst starken Regen oder einen Sturz ins Wasser übersteht die Powerbank also problemlos – vorausgesetzt, die kleine Klappe, hinter der sich alle Anschlüsse verstecken, ist ordentlich verschlossen.

Aus welcher Höhe das Gerät fallen darf, ohne Schaden zu nehmen, gibt der Hersteller nicht an. Da das Gehäuse in mehr oder weniger schicken Bundeswehr-Tarnfarben aber einen recht widerstandsfähigen Eindruck macht, dürfte ein Fall aus Tischhöhe kein Problem sein.

demnach bedingt staub- und wasserdicht (Bild: EasyAcc).Die „Rugged Power Bank“ ist laut EasyAcc nach Schutzklasse IP67 zertifiziert und demnach bedingt staub- und wasserdicht (Bild: EasyAcc).

Passend zum Konzept einer Outdoor-Powerbank hat EasyAcc eine Taschenlampe eingebaut, die durchaus als solche zu gebrauchen ist. Sie ist nämlich relativ hell, was man nicht von vielen Powerbank-Leuchten behaupten kann. Sie bietet drei Modi: Durchgehend, blinkend und SOS-Signal.

Lädt zwei Geräte parallel

Zwei USB-A-Ports stehen bereit, um Smartphones und andere Geräte mit einer Eingangsspannung von maximal 5 Volt mit Energie zu versorgen. Beide Anschlüsse lassen sich parallel nutzen, allerdings liefern sie nicht die gleiche Stromstärke: Ausgang 1 bringt 2,4 Ampere, Ausgang 2 noch 1 Ampere. Hier dauert es dann einfach etwas länger, um das angeschlossene Gerät aufzuladen.

Das Laden der Powerbank erfolgt über einen Micro-USB-Eingang. Das ist Standard bei nahezu allen mobilen Akkus. Wie lange es dauert, das Gerät wieder vollständig zu laden, wenn es komplett leer ist, hängt sehr von der Leistung des Netzteils ab. Im Test mit einem einfachen 1-Ampere-Ladegerät dauert der Vorgang 12 Stunden und 25 Minuten, ein 3-Ampere-Ladegerät schafft es in etwas unter 10 Stunden. Die leere Powerbank mal eben über Nacht aufzuladen, wird also in beiden Fällen knapp. Für ein Modell mit dieser Kapazität sind das aber übliche Werte.

Hersteller versprechen zu viel

Apropos Kapazität: Sie ist den meisten Nutzern noch wichtiger als die Ladezeit und die Widerstandsfähigkeit gegen das Eindringen von Wasser. Wie viel Strom kommt also wirklich aus der Powerbank? Unsere Erfahrung zeigt, dass die Hersteller hier oft übertreiben. In diesem Fall lautet die Behauptung von EasyAcc: 20.000 Milliamperestunden (mAh). Diese Einheit hat sich zum Standard für die Angabe von Akkukapazitäten entwickelt, obwohl sie dafür streng genommen unbrauchbar ist. Denn sie sagt wenig über die tatsächliche Kapazität aus.

Rugged Power Bank EasyAcc (Bild: EasyAcc)Die Angaben zur Kapazität sind bei Ersatzakkus für Smartphones generell unklar und oft deutlich übertrieben. Die ansonsten ganz ordentliche „Rugged Power Bank“ von EasyAcc macht da keine Ausnahme (Bild: EasyAcc).

Die Einheit Wattstunde (Wh) ist sehr viel aussagekräftiger. Sie steht für die elektrische Arbeit und damit für die Energiemenge, die ein Akku abgeben kann. In diese Einheit fließt neben der Stromstärke in Ampere nämlich die elektrische Spannung in Volt ein, mit der der Powerbank-Akku entladen wird. Diese Spannung beeinflusst die nutzbare Kapazität wesentlich.

So leistet etwa ein Akku mit 20.000 mAh bei 3,7 Volt genau die gleiche elektrische Arbeit wie ein Akku mit 2000 mAh bei 37 Volt: nämlich 74 Wh. Die Angabe der mAh allein sagt also wenig aus, entscheidend sind die Wh. Allerdings: 20.000 mAh klingt natürlich sehr viel eindrucksvoller als 74 Wh. Deshalb bevorzugen Hersteller in Produktbeschreibungen und Werbungen diese Angabe. Immerhin geben mittlerweile fast alle Hersteller die Kapazität aber auf dem Gehäuse in mAh und Wh an.

Akkukapazität im Test

Wir haben uns jedenfalls nicht auf die Angabe von EasyAcc verlassen und mit Hilfe eines USB-Multimeters geprüft, wie groß die abgegebene Energiemenge tatsächlich ist. Dafür wurde die Powerbank mit dem mitgelieferten USB-Kabel an einem Tablet entladen, bis sie leer war. Da die Spannung wie gesagt Einfluss auf die maximale Energiemenge hat, haben wir den Ladestand des Tablets konstant zwischen 20 und 80 Prozent gehalten. In diesem Bereich reguliert die Ladeelektronik in der Regel nicht den Stromfluss, so dass die Powerbank stets mit der gleichen Spannung entladen wurde.

Zudem sorgen Verluste bei der Spannungswandlung sowie ungenutzte Restenergie, die immer im Akku bleibt, um ihn nicht zu beschädigen, dafür, dass die angegebene immer von der echten Kapazität abweicht. Im unrealistischen Idealfall kommt die „Rugged Power Bank“ auf 74.000 mWh (74 Wh). In unseren Messungen erreichte sie aber lediglich 61.223 mWh – das entspricht 83 Prozent der versprochenen Kapazität. Damit bietet dieses Modell einen branchenüblichen Wert. Denn fast alle Powerbanks namhafter Hersteller kommen auf 70 bis 90 Prozent. Billig produzierte Akkus halten hingegen nicht einmal 50 Prozent ihres Versprechens.

Was beim Test aufgefallen ist: Die Powerbank schaltet nicht automatisch ab, wenn sie aufgeladen ist oder wenn sie ein angeschlossenes Gerät voll aufgeladen hat. Das ist erst der Fall, wenn man das Kabel vom Netzteil oder Smartphone entfernt. In der Regel sollte das kein Problem sein, dennoch wäre uns etwas wohler, wenn die Elektronik den (Ent-)Ladevorgang automatisch beendet, sobald die internen Akkus oder externe Geräte gefüllt sind. Genauso wenig reagiert sie, wenn man ein Smartphone anschließt. Den Ladevorgang startet sie erst, wenn der Nutzer den Knopf drückt. Dieser Knopf schaltet ebenfalls die Taschenlampe oder die vier kleinen LEDs auf der Oberseite ein. Letztere informieren immer über den aktuellen Füllstand der Powerbank.

Fazit

Die „Rugged Power Bank“ von EasyAcc überzeugt. Sie liefert eine hohe Kapazität, mit der man Smartphone oder Tablet mehrmals aufladen kann. Dank IP67-Standard und einem extrem robusten Gehäuse macht sie auch beim Wandern oder Camping eine gute Figur. Mit knapp 480 Gramm und 16 mal 9 mal 3 Zentimetern eignet sie sich allerdings weniger für die Hosen- oder Jackentasche, sondern eher für den Trekking-Rucksack. Mit etwa 45 Euro ist sie zudem deutlich teurer als andere Modelle mit ähnlicher Kapazität – wobei bei der Beurteilung der Kapazität das zuvor Gesagte berücksichtigt werden muss. Zum Lieferumfang gehört ein 60 Zentimeter langes Ladekabel, aber kein Netzteil.

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2 Kommentare zu Smartphone-Ersatzakkus: Das Kreuz mit der Kapazität

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  • Am 8. Juni 2016 um 9:03 von J.R.

    Ich habe mir vor 1 1/2 Jahren ein Noco Genius gekauft. Da sind auch Klemmen für die Autobatterie dabei und es ist stark genug selbiges auch bei total leerer Batterie in Gang zu bringen. Neulich war ich Wandern. Das Teil im Rucksack und das Handy damit verbunden konnte ich den ganzen Tag die Navigation laufen lassen.
    So ist sowas schon genial. Vor allem das Auto an zu bekommen wenn man Tage vorher so verpeilt war die Innenraumbeleuchtung an zu lassen.

  • Am 8. Juni 2016 um 12:49 von Stanley Tweedle

    „Da das Gehäuse in mehr oder weniger schicken Bundeswehr-Tarnfarben aber einen recht widerstandsfähigen Eindruck macht, dürfte ein Fall aus Tischhöhe kein Problem sein.“

    Das nenne ich aber mal eine fundierte Recherche! Von einem Produkttest erwarte ich, dass das ausprobiert wird- notfalls eben ganz am Ende der Untersuchung.

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