Meeker Report: Internet-Wachstum schwächt sich ab

Die KPCB-Analystin Mary Meeker zieht in ihrer Präsentation auch Parallelen zwischen rückläufigen iPhone-Verkäufen und Zuwächsen für Amazon Alexa. Bots tragen dazu bei, dass Messenger zum zweiten Homescreen aufsteigen. Und die USA dürften ihr zufolge wieder eine führende Nation in der Autoherstellung werden.

Mary Meeker von Kleiner Perkins Caufield & Byers hat die Folien ihres diesjährigen „Meeker Report“ vorgelegt, den sie zugleich auf der Code Conference vorstellte. Die 213 Seiten (oder 24 Minuten Video) enthalten reihenweise interessante Befunde, Gegenüberstellungen und Theorien. Unter anderem findet sich die Aussage, das Wachstum der Internetbevölkerung schwäche sich ab, nachdem die Zahl der mit dem Netz verbundenen Menschen jetzt auf drei Milliarden oder 42 Prozent der Weltbevölkerung angestiegen ist.

Messaging-Apps lösen zunehmend den Home Screen ab (Bild: Mary Meeker, KPCB).Messaging-Apps lösen zunehmend den Home Screen ab (Bild: Mary Meeker, KPCB)Auch in den letzten zwei Jahrzehnten sei das Internet von makroökomischen Faktoren wie Wirtschafts- und Finanzkrisen beeinflusst gewesen. Jetzt aber sorge erstmals nachlassendes Wachstum der Nutzerzahl für eine Schwäche der Internet-Wirtschaft, also ein immanentes Problem. Für die nächsten Jahre sieht Meeker konstant um 9 Prozent Zuwachs.

Eine andere Folie macht zugleich Apples iPhone als Verlierer und Amazons Sprachsteuerungslautsprechersystem Echo als Gewinner der jüngsten Entwicklungen aus. Meeker zitiert Vorhersagen, dass Apple dieses Jahr etwa 11 Prozent weniger iPhones als 2015 verkaufen wird, gegenüber plus 7 Prozent für Android-Smartphones insgesamt.

Die rechte Seite der Folie zeigt aber eben nicht Zahlen für Android, sondern für Amazon Echo, einen sprachgesteuerten Assistenten auf Basis der Amazon Voice Services (AVS). Das Gerät hat gegenüber dem iPhone demnach eine Vielzahl Vorteile: Es ist preiswert, weil es keine anspruchsvolle Hardware enthält, und lässt sich leicht steuern, ohne dass jemals eine Tastatur genötigt würde. Die Interpretation der Eingaben übernimmt ein Clouddienst von Amazon.

Alexa löst das iPhone ab (Folie: Mary Meeker, KPCB)Alexa löst das iPhone ab (Folie: Mary Meeker, KPCB)

Allgemein glaubt Meeker, dass die Bedeutung von Texteingaben besonders im Suchbereich zurückgehen wird. In fünf Jahren werden ihr zufolge mindestens 50 Prozent aller Suchvorgänge durch Bilder oder Spracheingaben ausgelöst werden.

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Die Cloud forciert Innovationen

Ohne Cloud-Technologie sähe der Alltag heute ganz anders aus. Dropbox, Facebook, Google und Musikdienste gäbe es nicht. Erst Cloud-Technologien haben diese Services ermöglicht und treiben heute Innovationen schneller denn je voran.

Weiter hält die Analystin es für möglich, dass der Home-Screen mit Apps und Weblinks künftig nicht mehr erste Anlaufstelle auf Mobilgeräten sein wird. Sie glaubt, dass Messaging-Apps die Funktion der zentralen Schaltstelle übernehmen können, wenn sie über den erforderlichen Kontext verfügen. Wie im Fall von Alexa sieht sie Bots also zunehmend als Ansprechpartner des Menschen – egal ob die Kommunikation via Text oder gesprochene Sprache erfolgt.

Die dominierenden Chat-Anbieter sind laut Meeker Facebook und WeChat. Messenger dürften bald auch die Aspekte Einkaufen und Selbstentfaltung abdecken, also mit anderen E-Commerce-Angeboten und Blogs beziehungsweise Vlogs konkurrieren.

Außerdem erwartet Meeker, dass vernetzte, autonome Technik die USA wieder zu einer führenden Nation in der Automobilherstellung machen wird. Seit 1950 sind die US-Auto-Absätze rückläufig. Google und Tesla könnten den Markt grundlegend verändern. Die Zahl der Autobesitzer allerdings werde sich durch Carsharing und Mitfahrdienste wie Uber verringern.

Tipp: Wie gut kennen Sie das iPhone? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.

Themenseiten: Auto & IT, Internet, Kleiner Perkins, Kommunikation, Marktforschung

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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4 Kommentare zu Meeker Report: Internet-Wachstum schwächt sich ab

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  • Am 2. Juni 2016 um 21:51 von Gast

    Danke für den Hinweis auf diesen Report.
    Wenn man sich das anschaut:
    Google 2014: 25 Mrd. $ Werbeeinnahmen
    Google 2015: ~30 Mrd. $ Werbeeinnahmen
    18% Wachstum
    Facebook 2014: ~5 Mrd. $ Werbeeinnahmen
    Facebook 2015: ~8 Mrd. $ Werbeeinnahmen
    59% Wachstum
    ->
    Dafür mal einen kräftigen Applaus für all die Nutzer, die dafür kostenlos ihre Daten, Zeit, Inhalte usw. zur Verfügung stellen, und je mehr sie es nutzen um so mehr davon abhängig werden, weil sich ihr Gehirn verändert durch intensive Nutzung digitaler Dienste dieser Art (->Spitzer, Carr)

    Kein Wunder wollen die beiden so viele Menschen wie möglich im Netz halten, und tun alles dafür, um dies so interessant wie möglich zu machen, und sei es durch „kostenlose“ Dienste ohne Ende, oder eben immer mehr sog. KI, durch die man diese Dienste immer mehr benötigt, weil das eigene Hirn immer mehr abbaut.

    • Am 3. Juni 2016 um 0:05 von PeerH

      Ich glaube, dass sie sich irrt. Schon mal, weil nur ein Bruchteil der Internet Nutzer überhaupt Facebook nutzt. Und bei all denen, die das noch nicht machen, wird das eher auch nicht mehr passieren.

      Ich bezweifle auch, dass 50% der Suchanfragen durch Bilder und Sprache erfolgen werden.

      Da hat sich Frau Meeker zwar einiges einfallen lassen, aber würde man fünf andere ‚Experten‘ fragen, was in fünf Jahren sein wird, würde man noch fünf komplett vershiedene Meinungen erhalten.

      Meinungen gibt es wie Sand am Meer – aber nur eine echte Zukunft. Außer, man glaubt an ein Multiversum. Dann gibt es sicher eines, in dem sie zu 100% richtig liegt. Aber auch ich würde richtig liegen, egal, was ich mir ausdenken würde. :-)

      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Parallelwelt

  • Am 3. Juni 2016 um 7:48 von Black

    Ich denke beizeiten wird die Menschheit schlauer werden und von dem Hype der socialnetworkzügeberieselung mehr ab als aufspringen; Facebook als standardseite 24/7/365? Ich glaube nicht. Wie mit jedem Hype werden immer mehr Zeitgenossen wieder mehr das reality life bevorzugen. Und mal ehrlich: wer etwas bei Verstand ist will doch keinen Amazonhorchposten in der Bude stehen haben? Und wie immer hat das alles auch mit sozialem Umfeld, Beruf und IQ zu tun. Und Werbung wurde schon immer überbewertet; aber was soll die Werbewirtschaft auch anders erzählen als dass das alles richtig was bringt.

  • Am 3. Juni 2016 um 8:47 von Gast

    …ich bezog mich nur auf die Zahlen (aus der Vergangenheit, also fix), die ich nannte…das alleine reicht schon…

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