EU-Kommission untersagt Fusion von Three und O2 in Großbritannien

Die Hutchison-Tochter wollte für 13,9 Milliarden Euro zum größten Netzbetreiber des Landes aufsteigen. Ihre Angebote wie fünf Jahre keine Preiserhöhung konnten die Wettbwerbskommission nicht gewogen machen. Eine Verringerung von vier auf drei Wettbewerber - wie noch in Deutschland bewilligt - würde erkennbare Nachteile für Verbraucher bringen.

Die EU-Kommission für den Wettbewerb hat den geplanten Kauf von Telefónica UK durch Hutchison untersagt – und damit eine Fusion der beiden britischen Marken Three und O2 für 10,25 Milliarden Pfund (13,9 Milliarden Euro). Durch die Übernahme wäre ein wichtiger Wettbewerber weggefallen, argumentiert die Kommission, sodass nur noch zwei Mobilfunknetzbetreiber, nämlich Vodafone und Everything Everywhere (EE) von BT, mit dem zusammengeschlossenen Unternehmen konkurriert hätten. Von Hutchison vorgeschlagene Abhilfemaßnahmen haben die Bedenken nicht ausräumen können.

Hutchison gehört bereits der viertgrößte britische Netzbetreiber namens Three. O2 ist der aktuell zweitgrößte, gemeinsam wären sie zur Nummer eins mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent aufgestiegen.

EU-Kommission untersagt Kauf von O2 UK durch Hutchison (Bild: EU)EU-Kommission untersagt Kauf von O2 UK durch Hutchison (Bild: EU)

Die Behörde von Wettberbskommissarin Margrethe Vestager beanstandete „erheblich verringerten Wettbewerb“ und dadurch „wahrscheinlich höhere Preise und weniger Auswahl für die Verbraucher“. Damit wäre ihr zufolge die Dienstleistungsqualität gesunken – und auch die Optionen für virtuelle Netzbetreiber, die Kapazitäten zukaufen.

CK Hutchison Holdings Ltd aus Hongkong, dem Hutchison UK und Three gehören, erwägt laut einer ersten Stellungnahme rechtliche Schritte. Wie Ars Technica zitiert, heißt es dort: „Wir sind von der Entscheidung der Kommission, den Zusammenschluss von Three UK und O2 UK zu verhindern, schwer enttäuscht. Wir werden den Beschluss im Detail untersuchen und unsere Optionen erwägen, darunter die Möglichkeit eines Rechtsbehelfs.“

Margrethe Vestager (Bild: EU-Kommission)Margrethe Vestager (Bild: EU-Kommission)

Während die Kommission nachlassenden Ausbau von 4G-Netzen erwartete, gibt sich Hutchison überzeugt, dass Abdeckung und Netzwerkkapazitäten in der Folge der Übernahme gestiegen wären. Zu seinen Zusagen, die der Kommission letztlich nicht ausreichten, zählte das Versprechen, auf fünf Jahre keine Preise zu erhöhen. Außerdem schlug der Konzern vor, den Anteil von O2 an einem Joint Venture mit Tesco Mobile zu veräußern und diesem ein substanzielles Bandbreitenkontingent zu verkaufen.

Auch mit dem Kabelnetzbetreiber Virgin Media wollte Hutchison ein Abkommen treffen und ihm Netzwerkkapazitäten zusichern. Virgin-Media-Chef Tom Mockridge erklärte sich als Unterstützer der Übernahme und sagte: „Eine Kombination aus Three und O2 wäre ein gutes Gegengewicht zur Stärke von BT/EE und eine alternative Quelle für Kapazitäten für andere Provider, die ihrerseits den Wettbewerb antreiben würden.“ Virgin-Media-Eigentümer Liberty Global soll ursprünglich selbst an einem Kauf von O2 UK interessiert gewesen sein.

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Unter EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia waren Übernahmen, die die Zahl der Netzbetreiber in einem Land von vier auf drei reduzierten, noch in Deutschland, Irland und Österreich genehmigt worden. Nach Übernahme des Wettbewerbskommissariats durch Margrethe Vestager deutete sich eine Trendwende an: Sie nannte den EU-Telekom-Markt „schon ziemlich konsolidiert“. Und der Kommissar für den digitalen Binnenmarkt Andrus Ansip ergänzte, um Investitionen in die europäischen Netze zu ermutigen, sei „weniger strenge Regulierung nicht die Lösung“.

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Themenseiten: Großbritannien, Hutchison Whampoa, Telefonica UK, Telekommunikation

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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