Panama Papers: 2,6 TByte Daten enthalten brisante Informationen zu Geheimgeschäften und Steueroasen

Sie stammen von einer Anwaltskanzlei in Panama. Die Dokumente enthalten Details zu rund 214.000 Briefkastenfirmen in Steueroasen. Darin finden sich die Namen von Politikern, Superreichen und sogar Spitzensportlern.

Unbekannte haben bei einem Hackerangriff offenbar 2,6 TByte Daten einer Anwaltskanzlei aus Panama erbeutet. Aus den sogenannten Panama Papers, die der Süddeutschen Zeitung zugespielt wurden, geht offenbar hervor, dass die Kanzlei Mossack Fonseca im Auftrag ihrer Mandanten mehr als 214.000 Briefkastenfirmen in Steueroasen gegründet hat. Sie sei damit einer der weltgrößten Anbieter und Verwalter von Offshore-Firmen.

Datenverlust (Bild: Shutterstock)Zu den Kunden der Kanzlei zählen dem Bericht zufolge neben Superreichen auch Sportler, Waffenhändler, Spione und Politiker. Etliche der Offshore-Firmen wurden demnach von Freunden des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegründet. Sie sollen „unter konspirativen Umständen“ mehr als zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen geschleust und hohe Millionenbeträge außer Landes geschafft haben.

In die Geschäfte seien neben dem russischen Cellisten Sergej Roldugin, der als einer der besten Freunde Putins gelte, auch die russische Bank Rossija verwickelt. Die Briefkastenfirmen von Roldugin sollen Anteile und Aktienoptionen wichtiger russischer Firmen halten. Roldugins Name tauche mehrfach in den Unterlagen auf, auch im Zusammenhang mit einer Firma Ozon, die ein Ski-Resort in der Nähe von Sankt Petersburg gekauft habe, in dem im Februar 2013 angeblich die Hochzeit von Putins zweiter Tochter Katerina stattgefunden habe. Putin selbst werde jedoch in den Dokumenten nicht erwähnt.

Laut Süddeutscher Zeitung liegen zumindest Teile der Unterlagen auch deutschen Steuerbehörden vor. Sie sollen nun gegen drei deutsche Banken und deren Kunden ermitteln. In den Unterlagen finden sich aber auch die Namen mehrerer Staats- und Regierungschefs, darunter der saudi-arabische König Salman ibn Abd al-Asis, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und der frühere georgische Ministerpräsident Bidsina Iwanischwili. Auch sie sind oder waren zumindest Eigentümer von über Mossack Fonseca registrierten Offshore-Firmen.

Ein Spitzensportler, dessen Name in den durchgesickerten Unterlagen auftaucht, ist der Fußballer Lionel Messi, der sich in Spanien ab Mai wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten muss. Er soll Begünstigter einer Briefkastenfirma sein, die den spanischen Behörden bisher nicht bekannt gewesen sein soll. Eine erste Analyse der Dokumente, an der über das Internationale Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) etwa 400 Journalisten in 80 Ländern beteiligt waren, soll auch Spuren zur Fifa-Affäre zutage gefördert haben. Unter anderem ist ein Mitglied der Fifa-Ethikkommission betroffen, gegen das nun Vorermittlungen eingeleitet wurden.

Auffällig an den bisher veröffentlichten Daten ist, dass offenbar keine US-Amerikaner in den Akten auftauchen. Dies begründet der ehemalige britische Botschafter Craig Murray mit den Unterstützern des mit „International Consortium for Investigative Journalists (ICIJ)“ bezeichneten Verbunds, der über die Veröffentlichung der Daten entscheidet. Dazu zählen unter anderen Ford Foundation, Carnegie Endowment, Rockefeller Family Fund, W K Kellogg Foundation und Open Society Foundation des US-Milliardärs George Soros. Daher könne man nicht erwarten, dass „schmutzige Wahrheiten“ über westliche Organisationen ans Tageslicht kämen. Der Guardian hat zudem angekündigt, dass die meisten Dokumente nicht veröffentlicht würden. Ein anderer Grund könnte sein, dass US-Amerikaner keine Briefkastenfirmen in Panama nutzen, um ihr Kapital vor dem Zugriff des Finanzamts zu verstecken und sie somit in den Unterlagen nicht auftauchen.

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Die Süddeutsche Zeitung geht davon aus, dass die Panama Papers das bisher größte Datenleck sind, aus dem Journalisten Material zugespielt wurde. In den kommenden Tagen sollen zahlreiche nationale und internationale Medien ihre Rechercheergebnisse veröffentlichen, darunter der NDR und der WDR, die britische BBC und die Zeitungen The Guardian und Le Monde.

Ein deutlich kleineres Datenleck hat am vergangenen Wochenende auch der Enthüllungsplattform Wikileaks zu einer neuen Veröffentlichung verholfen. Wikileaks-Gründer Julian Assange berichtet in einem am Samstag veröffentlichten Blogeintrag von einer abgehörten Telefonkonferenz zwischen führenden Vertretern des Internationalen Währungsfonds IWF zur Schuldenkrise in Griechenland. Dabei geht es unter anderem um den Verbleib des IWF in der sogenannten Troika, der auch die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission angehören, und eine mögliche Verschärfung der Krise durch das britische EU-Referendum im Sommer.

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Stefan Beiersmann
Autor: Stefan Beiersmann
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3 Kommentare zu Panama Papers: 2,6 TByte Daten enthalten brisante Informationen zu Geheimgeschäften und Steueroasen

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  • Am 4. April 2016 um 11:40 von Mimi

    DAS ist natürlich ganz im Sinne des Wikileaks: statt die breite Bevölkerung zu informieren, geraten diese Unterlagen an Journalisten, die dann die Veröffentlichung der Namen nur Teilweise übernimmt bzw. Anweisungen folgen, dies nicht zu tun.
    Aber Putin-Bashing, irgendwelche FIFA-größen und hier und da ein Saudi. Reicht um Schlagzeile zu machen.
    Da fragt man sich doch was diese Enthüllungen sollen – sie landen sowieso bei dennen wieder, die davon betroffen sind damit sie – gut vorgewarnt – entsprechend reagieren können. Platini hat es schon erklärt.

  • Am 4. April 2016 um 21:01 von C

    Man soll jetzt nicht so tun, als ob diese generelle Info über Off-Shoring Firmen neu ist.

    Man soll diese Personen überprüfen – und bei Straftaten – diese bestrafen, statt sie sich freikaufen zu lassen. Knast-Erfahrung hilft.

    Man muss aber die weltweiten Strukturen ändern, damit das nicht mehr funktioniert. Lokaler Umsatz = Lokale Steuern. So einfach ist das.

  • Am 5. April 2016 um 1:24 von Judas Ischias

    Prinzipiell ist die Sache mit den Offshore-Firmen ja nicht verboten.
    Die Frage ist aber, wenn man kein Geld waschen will, oder keine krummen Geschäfte betreiben, wozu braucht man es sonst?
    Wirft auf jeden Fall ein ganz schlechtes Licht auf die beteiligten Personen.
    Und bei ein paar dieser genannten Leute, würden krumme Geschäfte, oder Gelder waschen, überhaupt nicht verwundern.
    Da kommen bestimmt noch ein paar sehr interessante Dinge an’s Licht der Öffentlichkeit, und wird sicher auch bei etlichen Leuten für unruhige Nächte sorgen.;)

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