GCHQ-Direktor: Technikfirmen helfen routinemäßig Strafermittlern

Ein Verbot von Verschlüsselung oder die Einführung von Hintertüren lehnt er ab. Ihm zufolge geht es nur darum, den Missbrauch von Sicherheitsfunktionen durch Kriminelle zu bekämpfen. Dabei müssten Technikfirmen jedoch auch künftig den Ermittlern helfen.

Robert Hannigan, Direktor des britischen Auslandsgeheimdiensts Government Communications Headquarters (GCHQ), hat betont, es sei falsch anzunehmen, in der Frage der Verschlüsselung gebe es zwischen IT-Firmen und Strafverfolgern keine gemeinsamen Positionen. Auf einer Veranstaltung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) erklärte er, die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten sei Routine und nicht die Ausnahme.

Government Communications Headquarters (GCHQ) (Bild: GCHQ)„Die Annahme, es gebe nur Streit zwischen Regierungen und der Technikbranche, ist ein Zerrbild“, sagte Hannigan. „Tatsächlich helfen die Firmen routinemäßig innerhalb gesetzlicher Grenzen und das möchte ich heute bestätigen.“

Zudem argumentierte er, IT-Unternehmen müssten Regierungen auch künftig helfen, Sicherheitsfunktionen wie Verschlüsselung zu umgehen. Er räumte allerdings ein, dass es für dieses Problem keine generelle Lösung gebe. Vielmehr sei es notwendig, jeden Fall einzeln zu betrachten. „Ich bin weder für ein Verbot von Verschlüsselung, noch fordere ich Hintertüren“, wird er von MIT Technology Review zitiert.

Den Strafermittlern gehe es im Großen und Ganzen nur um den „Missbrauch von Verschlüsselung“ durch Kriminelle und Extremisten. „Es sollte möglich sein, dass sich Technikexperten zusammensetzen und Lösungen erarbeiten. Manchmal wird es so sein, dass wir nichts unternehmen können und das müssen wir dann akzeptieren. Das sollte allerdings die Ausnahme sein.“

Bei seiner Rede ging Hannigan auch auf den Streit zwischen Apple und dem FBI über die Entschlüsselung eines iPhone eines der Attentäter von San Bernardino ein. Der Fall zeige, dass es möglich sei, Ermittlern effektive Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die nur eine begrenzte Reichweite hätten. „Nicht alles ist eine Hintertür, noch weniger eine Tür, die außerhalb des gesetzlichen Rahmens genutzt werden kann“, sagte Hannigan.

Er geht zudem davon aus, dass es Ermittlern wahrscheinlich immer gelingen wird, gesperrte Geräte zu knacken, indem sie vorhandene Schwachstellen in diesen Systemen ausnutzen. Ein Generalschlüssel werde dafür gar nicht benötigt.

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„Ich bin mir nicht sicher, ob Firmen überhaupt Systeme entwerfen können, die einen Zugang unmöglich machen“, so Hannigan weiter. „Nicht zuletzt weil deren eigene Nutzer es dann schwer haben werden“, die Geräte zu benutzen.

Eine Studie des Berkman Center for Internet and Society der Harvard University war zuletzt ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass Ermittler immer einen Weg finden werden, auf die von ihnen benötigten Daten zuzugreifen. Grund dafür sei, dass bestimmte Daten immer zugänglich sein müssten, damit Kommunikationssysteme funktionierten und nutzbar seien.

Nach Ansicht mehrerer Sicherheitsexperten sollte das FBI in der Lage sein, gesperrte iPhones auch ohne Apples Hilfe zu knacken. Sie schlagen Manipulationen auf Chipebene sowie das Ausnutzen von Sicherheitslücken vor. Zudem vermuten sie, dass die Bundespolizei den Streit mit Apple nutzen will, um einen Präzedenzfall zu schaffen, der ihnen die Möglichkeit gibt, künftig ohne Gerichtsbeschluss auf Telefondaten zuzugreifen.

[mit Material von Matthew Broersma, TechWeekEurope]

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1 Kommentar zu GCHQ-Direktor: Technikfirmen helfen routinemäßig Strafermittlern

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  • Am 11. März 2016 um 8:24 von hugo

    Technikfirmen helfen gerne! Tolle Aussage wenn diese Firmen seit Jahren gezwungen werden und bei Weigerung wissen das sie deshalb vor Gericht gehen müssen. Eine solche „Zusammenarbeit“ als Routine zu bezeichnen ist ziemlich höhnisch. Alles was extra Geld kostet ist nie freiwillig.

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