Verschlüsselung in Fire OS: Amazon rudert zurück

Die Rolle rückwärts erfolgt nur einen Tag, nachdem die bei Amazons Fire-Tablets gestrichene Verschlüsselung bekannt wurde. Ein Fire-OS-Update in diesem Frühling soll die optionale vollständige Laufwerksverschlüsselung zurückbringen. Den vorherigen Verzicht auf die Sicherheitsfunktion begründete Amazon mit dem angeblich geringen Interesse seiner Kunden.

Amazon hat angekündigt, Verschlüsselung für seine Fire-Tablets erneut anzubieten. Das machte das Unternehmen mit einer Stellungnahme bekannt, die US-Medien nur einen Tag nach Bekanntwerden der entfallenen Unterstützung für Verschlüsselung zuging.

(Bild: Übergizmo.de).

„Wir werden die Option der vollständigen Laufwerksverschlüsselung zurückbringen mit einem Fire-OS-Update, das in diesem Frühling kommt“, heißt es in der knappen Stellungnahme. Die Rolle rückwärts folgt auf die zuvor ohne Vorankündigung entfernte Unterstützung für Geräteverschlüsselung auf seinem Mobilbetriebssystem Fire OS. Das jüngste Update des auf Android 5.0 Lollipop basierenden OS enthält die Sicherheitsfunktion bereits nicht mehr.

Begründet wurde die Streichung der Funktion mit einem geringen Interesse von Nutzern. „Im Herbst haben wir mit der Veröffentlichung von Fire OS 5 einige Enterprise-Funktionen entfernt, die Kunden nicht benutzen“, teilte ein Sprecher des Unternehmens auf Nachfrage von ZDNet USA mit, nachdem die gestrichene Sicherheitsfunktion enthüllt wurde. „Die Kommunikation zwischen Fire-Tablets und der Amazon-Cloud erfüllt unsere hohen Standards für Datenschutz und Sicherheit, inklusive einer sachgemäßen Verschlüsselung.“

Amazon widersetzte sich damit allerdings dem Trend, immer mehr Geräte und Dienste zu verschlüsseln. Vor allem seit den Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden bieten viele Technikfirmen ihren Kunden zumindest die Option an, ihre Daten und Kommunikation zu verschlüsseln. Apple beispielsweise aktiviert die Geräteverschlüsselung inzwischen automatisch bei der Einrichtung eines Gerätepassworts – sehr zum Ärger einiger Strafverfolgungsbehörden.

Überraschend kam der Verzicht auf Verschlüsselung auch deshalb, weil Amazon zu den öffentlichen Unterstützern zählte, die sich mit einem so genannten „Amicus Brief“ im Streit mit dem FBI hinter Apple stellten. Zudem hat der Onlinehändler eben erst seinem Heimautomatisierungs- und Lautsprechersystem Echo zwei neue Varianten zur Seite gestellt. Wie bei Echo ist in den Tap und Dot genannten Geräten ebenfalls die cloudbasierte Sprachsteuerung Alexa integriert, die auch im Wohnzimmer der Kunden lauscht und auf gesprochene Anweisungen wartet.

Vom Anbieter dieser Geräte wurde auch bei Tablets und Smartphones mehr Sensibilität für die Privatsphäre seiner Kunden erwartet, wie harsche kritische Reaktionen zu Amazons Verzicht auf Verschlüsselung bei Fire OS zeigten. „Wenn ich nicht darauf vertrauen kann, dass Amazon bei seinen Tablets auf meine Privatsphäre und Sicherheit bedacht ist – wie könnte ich das, wenn es um Echo geht?“ fragte sich Analyst John Koetsier vom Mobile-Marketing-Unternehmen Tune. „Das könnte ein gewaltiger Fehler sein“, kommentierte Forrester-Analyst John Kindervag und sagte zugleich Amazons Zurückrudern voraus: „Ich wäre nicht überrascht, wenn sie diese Ankündigung zurücknehmen müssten.“

Themenseiten: Amazon, Privacy, Sicherheit, Tablet, Verschlüsselung

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