Museum für Malware eröffnet

Gründer sind Mikko Hypponen von F-Secure und Internet-Archive-Kurator Jason Scott. Besucher können Schadprogramme der Achtziger- und Neunzigerjahre in einem Emulator im Browser ausprobieren - ohne die destruktiven Programmteile. Der aus Pakistan stammende erste PC-Virus von 1986 wird in Form eines Videos vorgestellt.

Das Internet Archive hat ein Malware-Museum für historische Computerviren eingerichtet. Als Gründer werden Mikko Hypponen von F-Secure und der Kurator des Internet Archive Jason Scott genannt. Der Schwerpunkt liegt auf den Achtziger- und Neunzigerjahren.

Die Ausstellungsstücke zeigen, dass manche Schadprogramme damals noch einen Hauch Kreativität versprühten. Beispielsweise zerstörte Casino die Daten auf der Festplatte des Users. Im RAM speicherte es sie aber noch einmal zwischen – und forderte den Anwender zu einer „letzten Chance“ auf, sie durch eine Partie Jackpot an einem simulierten Spielautomaten zurückzugewinnen.

Casino: Festplatteninhalt verspielt (Screenshot: Malware Museum)

Über den Browser-Emulator DOS Box können Besucher des Museums Casino und andere Malware so erleben, wie sie auf einem IBM-PC seinerzeit auftraten. Hypponen weist darauf hin, dass „destruktive Programmteile“ entfernt wurden, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten. DOS Box war fürs MS-DOS-Spielearchiv des Internet Archive konzipiert worden.

Insgesamt werden 65 Exponate gezeigt, darunter die nach einer Figur im Roman „Der Herr der Ringe“ benannte Schadsoftware Frodo. Sie aktiviert sich am Geburtstag dieser Figur, dem 22. September. Auch Techno ist das Ausprobieren wert: Es piept, schreibt den Bildschirm mit dem Begriff Techno voll und fordert den Nutzer auf, keinesfalls die Tastatur anzurühren.

Zudem enthält das Museum ein Video einer Präsentation einer Demonstration von Hypponen bei der Konferenz Defcon 2011, wo er eine Floppy-Disk mit dem ersten PC-Virus Brain.A von 1986 präsentierte. Vor ihm gab es Hypponen zufolge allerdings schon einige Apple-Viren, die auf lange Sicht aber eine untergeordnete Rolle spielen sollten.

Zu den Besonderheiten von Brain.A zählt laut Hypponen, dass seine pakistanischen Autoren ihre Namen, Telefonnummern und Postadressen darin hinterlegten. Hypponen kontaktierte sie und erfuhr, der Virus sei nur als Beweis gedacht, dass DOS nicht so sicher wie Unix sei. Wie damals die meisten Viren verbreitete sich Brain.A von Disk zu Disk. Er jagte zahlreichen Anwendern weltweit einen gehörigen Schrecken ein.

[mit Material von Liam Tung, ZDNet.com]

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Themenseiten: F-Secure, Malware, Sicherheit, The Internet Archive

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
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Neueste Kommentare 

1 Kommentar zu Museum für Malware eröffnet

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  • Am 10. Februar 2016 um 0:58 von Judas Ischias

    Das war doch mal ein sehr interessanter Bericht über die „böse“ Seite vom Internet.
    Und lustige Viren gab es damals, dazu noch schön bunt.;)

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