Microsoft testet Unterwasser-Rechenzentrum

Ein Prototyp in Form einer Stahlkapsel mit knapp 2,50 Meter Durchmesser kam 105 Tage lang vor der kalifornischen Küste zum Einsatz. Großer Vorteil ist die Kühlung durch das umgebende Meerwasser. Außerdem könnte das System mit einer Turbine oder Gezeitenenergieanlage zur Stromgewinnung gekoppelt werden.

Microsoft hat Tests eines in sich geschlossenen Unterwasser-Rechenzentrums erfolgreich abgeschlossen. Der Prototyp in Form einer Stahlkapsel mit knapp 2,50 Meter Durchmesser wurde im Rahmen des Projekts Natick 105 Tage lang rund 9 Meter unter der Meeresoberfläche im pazifischen Ozean vor der Küste Kaliforniens eingesetzt.

Die größte Sorge der Microsoft-Ingenieure galt zu Beginn des Projekts vor allem Hardware-Ausfällen und Lecks, wie die New York Times berichtet. Das Unterwassersystem ist mit 100 verschiedenen Sensoren ausgestattet, die beispielsweise den Druck, die Luftfeuchtigkeit oder Bewegungen messen. Das System funktionierte so gut, dass Microsoft die Testphase verlängerte und sogar auf kommerzielle Datenverarbeitungsprojekte aus seinem Clouddienst Azure ausdehnte.

Den Prototyp mit dem Codenamen "Leona Philpot" hatte Microsoft am 10. August 2015 vor der kalifornischen Küste in Position gebracht (Bild: Microsoft).Den Prototyp mit dem Codenamen „Leona Philpot“ hatte Microsoft am 10. August 2015 vor der kalifornischen Küste in Position gebracht (Bild: Microsoft).

Großer Vorteil des Ozean-Datenzentrums gegenüber herkömmlichen Rechenzentren ist die Kühlung durch das umgebende Meerwasser. Dadurch fällt die aufwendige und kostenintensive Kühlung durch Luft weg. Außerdem überlegt Microsoft, es mit einer Turbine oder Gezeitenenergieanlage zu koppeln, um auch das Stromproblem zu lösen.

Seine Vision sind ganze Stränge solcher Stahlkapseln auf dem Meeresgrund, die durch Glasfaserkabel verbunden sind. Alternativ könnten auch wie Quallen geformte Container knapp unter der Meeresoberfläche eingesetzt werden, um Strömungen in Energie umzuwandeln.

„Als ich zuerst davon gehört habe, dachte ich ‚Wasser … Elektrizität, warum sollte man das tun wollen?'“ zitiert die New York Times Ben Cutler, Computerdesigner und einer der an Project Natick beteiligten Microsoft-Ingenieure. „Aber wenn man länger darüber nachdenkt, erscheint es tatsächlich sehr sinnvoll.“

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Die Forschungsgruppe bei Microsoft hat nun mit dem Entwurf eines dreimal größeren Unterwassersystems begonnen. Es soll in Kooperation mit einem noch nicht ausgewählten Entwickler eines alternativen Energiesystems gebaut werden. Ein Testlauf ist für nächstes Jahr geplant, wahrscheinlich vor der Küste Floridas oder Nordeuropas, wo bereits viele Meeresenergieprojekte im Gange sind.

Hemmschuh für solch eine radikale Idee könnten Umweltbedenken oder unvorhersehbare technische Probleme sein. Doch die Microsoft-Forscher glauben, dass sie durch die Massenproduktion der Kapseln, die Aufbauzeit für neue Rechenzentren von bisher zwei Jahren an Land auf nur 90 Tage senken können, was einen großen Kostenvorteil bedeuten würde. Zugleich könnten die Unterwassersysteme Webdienste beschleunigen helfen. Das gilt zumindest für küstennahe Großstädte, die oft weit entfernt eines Rechenzentrums liegen, was zu langen Latenzzeiten führt.

Laut New York Times verwaltet Microsoft aktuell mehr als 100 Rechenzentren weltweit, Tendenz steigend. Das Unternehmen aus Redmond hat über 15 Milliarden Dollar für ein globales Rechenzentrumssystem ausgegeben, das mehr als 200 Onlinedienste bereitstellt.

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Themenseiten: Forschung, Microsoft, Rechenzentrum

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Björn Greif
Autor: Björn Greif
Redakteur ZDNet.de
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