IBM kauft deutschen Finanzsicherheits-Spezialisten IRIS Analytics

Das nahe Koblenz ansässige Unternehmen bietet eine Software an, die mittels künstlicher Intelligenz Missbrauchsmuster analysiert. So sollen sich betrügerische Transaktionen frühzeitig stoppen lassen, ehe Schaden entsteht. IBM will die Lösung einzeln und kombiniert mit bestehenden Produkten anbieten.

IBM hat das in Urbar bei Koblenz ansässige Unternehmen IRIS Analytics übernommen. Der 2007 gegründete Anbieter aus Rheinland-Pfalz ist auf Sicherheitsanalyse zur Prävention von Zahlungsbetrug spezialisiert. Seine auf künstlicher Intelligenz basierende Software soll durch eine automatisierte Musteranalyse Missbrauch erkennen helfen, bevor eine Zahlung freigegeben wird.

IBM (Bild: IBM)Über den Kaufpreis haben beide Unternehmen Stillschweigen vereinbart. IBM will die IRIS-Software sowohl einzeln als auch kombiniert mit bestehenden Produkten anbieten.

Laut IBM dauert es immer noch zu lange, bis bei systematischem Betrug in Zahlungssystemen Gegenmaßnahmen greifen. Es verweist auf eine selbst durchgeführte Studie, laut der nur 16 Prozent der Banken Missbrauch im Moment des Angriffs erkennen können. Selbst wenn das Missbrauchsmuster eindeutig identifiziert sei, dauere es im Schnitt noch einmal vier Wochen, bis Gegenmaßnahmen flächendeckend angewandte werden. Zudem würden nicht nur die Zahlungsmöglichkeiten immer vielfältiger, sondern auch die Angriffe technisch immer ausgereifter und schlagkräftiger.

Hier soll die von IRIS Analytics entwickelte Software Abhilfe schaffen. Sie ist IBM zufolge in der Lage, Missbrauchstransaktionen in Echtzeit zu erkennen, so dass Zahlungen frühzeitig gestoppt werden können, ehe Verluste entstehen. Dazu analysiert die Software den Unterschied zwischen normalem Nutzerverhalten und speziellen Mustern von Betrugsversuchen durch Einsatz künstlicher Intelligenz.

Durch diese „automatische“ Erkennung kann die IRIS-Software deutlich schneller auf neue Betrugsmuster reagieren. Integrierte Simulation und Analyse erlauben zudem die direkte Überprüfung der Effektivität entwickelter Maßnahmen an Realdaten im laufenden Betrieb.

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Viele Banken und Zahlungsanbieter setzen die Software bereits bei Kredit- und Debitkartenzahlungen ein. Internetzahlungen und Onlinebanking werden zusätzlich durch Erkennung von Endgeräten und Analyse der Internetverbindung abgesichert. So sollen sowohl Kunden als auch Händler geschützt werden.

„Der Einsatz von Cognitive Computing zur Betrugsbekämpfung kommt einem Paradigmenwechsel gleich“, sagt Alistair Rennie, General Manager von IBM Industry Solutions. „Die Kombination der IRIS-Software mit unseren bestehenden Sicherheitslösungen wird vielen Unternehmen helfen, sehr viel gezielter und schneller Betrug zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Sie erhalten mehr Transparenz und Kontrolle und können gleichzeitig ihre Fehlalarme deutlich reduzieren.“

Ein IRIS-Anwender ist das französische Interbankensystem STET, das damit 5,5 Milliarden Kredit- und Debitkartentransaktionen pro Jahr absichert. „Mit Antwortzeiten von unter fünf Millisekunden pro Transaktion selbst zu Stoßzeiten, in denen wir über 750 Transaktionen pro Sekunde abwickeln, hilft uns die IRIS-Software, Missbrauch in Echtzeit zu erkennen und zu verhindern, ohne dass dies unsere Reaktionszeiten verlangsamt“, erklärt STET-Geschäftsführer Pierre Juhen. „Darüber hinaus können wir auf neue Betrugsmuster innerhalb von wenigen Minuten reagieren.“

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