Statuscode 451 für zensierte Websites bewilligt

Er signalisiert Nichtverfügbarkeit aus nichttechnischen Gründen - und grenzt sich dadurch von 403 für verbotene Sites ab. Er kann von Webservern und zwischengeschalteten Geräten genutzt werden. Wahrscheinlich werden ihn aber eher zensierte Sites als Zensoren einsetzen.

Die Internet Engineering Steering Group (IESG) hat einen neuen Fehlercode für Webserver bewilligt, der Nichtverfügbarkeit aus nichttechnischen Gründen signalisiert. Üblich HTTP-Statuscodes weisen technische Gründe für Kommunikationsprobleme aus, etwa 400 (Anfrage fehlerhaft), 401 (keine Berechtigung) oder 404 (Datei nicht gefunden).

netzwerk-internet (Bild: Shutterstock)Nichttechische Gründe sind typischerweise Sperren, also Zensur, wie sie inzwischen auch in EU-Ländern praktiziert wird, um Verbreitung von Raubkopien zu verhindern. Das größte Zensursystem dürfte aber die chinesische Great Firewall sein, die Webzugriffe massiv einschränkt.

Mark Nottingham, Vorsitzender der IETF HTTP Working Group, erklärt in einem Blogbeitrag, der Fehlercode 403 „Forbidden“ enthalte zwar auch schon ein Verbot, mache aber nicht klar, ob technische oder juristische Gründe gegeben seien. „Nachdem Zensur im Web sichtbarer und verbreiteter wurde, hörten wir immer wieder von Sites, dass sie gerne diesen Unterschied markieren würden.“ Auch gebe es Organisationen, die das Web auf Zensur hin durchsuchen wollten.

Bisher genutzte Statuscodes reichen von 100 bis 511. Die Nummer 451 verweist natürlich auf Ray Bradburys Science-Fiction-Klassiker „Fahrenheit 451„, in dem Bücher zensiert und verbrannt werden.

Schon bevor die IESG ihren offiziellen Segen gab, implementierten einige Websites den neuen Statuscode. In Zukunft werde man kaum erwarten können, dass alle Zensoren ihre Aktivität ordnungsgemäß per Fehlercode signalisieren, schreibt Nottingham. 451 könne zwar von zwischengeschalteten Internet-Geräten genutzt werden, wo Zensursysteme üblicherweise ansetzen, weit öfter werde es aber künftig wohl vom Original-Webserver genutzt werden, wenn Angebote wie Facebook, GitHub, Google und Twitter Inhalte in bestimmten Ländern zu zensieren gezwungen seien.

Denkbar ist für Nottingham auch, dass manche Regierungen den Code 451 verbieten können, da sie ihre Aktivitäten verbergen wollten. „Das können wir (natürlich) nicht verhindern, aber wenn Ihre Regierung das tut, gibt sie Ihnen als Bürger ein deutliches Zeichen, welche Absichten sie hat. Das ist wahrscheinlich gut zu wissen.“

[mit Material von Charlie Osborne, ZDNet.com]

Tipp: Wie gut kennen Sie sich mit der europäischen Technologie-Geschichte aus? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Statuscode 451 für zensierte Websites bewilligt

Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *