Microsoft-Partnerschaft: Chinesische Behörden können wieder Windows nutzen

Das Joint Venture C&M Information Technologies mit Sitz in Peking wird ein "von der Regierung zugelassenes Windows-10-Image" erstellen. Zudem sollen Dienste rund um "Produktaktivierung, Patch-Management, Installationsdienste und Produktsupport" lokal angeboten werden.

Microsoft hat bei einer Pressekonferenz in Peking ein Joint Venture vorgestellt, das ihm wieder gute Geschäftsbeziehungen zur chinesischen Regierung verschaffen soll. Es handelt sich um eine Vertiefung der im September 2015 angekündigten Partnerschaft mit der China Electronics Technology Group (CETC). Sie soll „Weltklasse-Betriebssystem-Technik und -Dienste für chinesische Anwender“ bereitstellen, die „in spezialisierten Bereichen von Regierungsorganisationen und in Staatsunternehmen für kritische Infrastruktur“ arbeiten.

Microsoft-Logo (Bild: Microsoft)China hatte 2014 die Nutzung von Windows 8 auf Rechnern in Regierungsbehörden untersagt. im gleichen Jahr wurden außerdem zweimal Microsoft-Büros in Peking durchsucht, um Kartellvorwürfe zu prüfen. Microsoft musste sich gegen Behauptungen wehren, es gefährde die nationale Sicherheit. Zudem stand es im Fokus von Steuerermittlungen.

Im Licht dieser Probleme klingt die heutige Ankündigung in einem Blogbeitrag von Yusuf Mehdi vorsichtig optimistisch: „Wir kündigen ein neues Joint Venture an, das Windows 10 für Regierungsstellen und bestimmte staatliche Unternehmen lizenzieren, einführen, verwalten und optimieren wird sowie diesen Kunden laufenden Support leistet.“ Regulierungsbehörden müssten noch zustimmen. Das Joint Venture heißt provisorisch C&M Information Technologies und sitzt in Peking.

Unter anderem wird C&M ein „von der Regierung zugelassenes Windows-10-Image“ erstellen. Zudem sollen Dienste rund um „Produktaktivierung, Patch-Management, Installationsdienste und Produktsupport“ lokal angeboten werden. Das dürfte bedeuten, dass die chinesische Regierung mit dieser OS-Version sicherstellen will, dass sich keine Hintertüren oder Spionagewerkzeuge darin befinden. Wohl deshalb müssen alle Dienste, die – wie die Patchverwaltung – Code nachinstallieren, von China aus arbeiten, wo sie sich kontrollieren lassen.

Microsofts Ankündigung schließt mit einer Art Verteidigung gegen mögliche Vorwürfe: „Wichtig ist, dass wir das Eigentum an Kerntechniken von Windows 10 behalten, um Kunden und Partnern zu ermöglichen, dass sie Komponenten entwickeln können, die sich in unsere Plattform einhängen. Wir werden Windows 10 sicher und unsere hohen Privatsphäre-Standards beibehalten, auch wenn wir anerkennen, dass Lösungen für den öffentlichen Sektor sich von denen für die Privatwirtschaft und Heimanwender unterscheiden können.

Microsoft hatte schon 2003 unter Bill Gates China erstmals „begrenzten Zugang zum Windows-Quellcode“ gegeben. Die chinesische Regierung ist für das Unternehmen nicht nur ein großer Kunde, sondern auch Partner im Kampf gegen Raubkopien: Manche Analysten schätzen, dass noch heute hunderte Millionen chinesische PCs unter einer Raubkopie des nicht mehr von Microsoft supporteten Windows XP laufen.

Microsoft kooperiert in China auch mit Baidu, Tencent, Qihoo360 und Lenovo. Darüber hinaus testete der Windows-Hersteller zusammen mit Xiaomi Windows 10 auf dessen mobilen Geräten.

[mit Material von Ed Bott, ZDNet.com]

Tipp: Wie gut kennen Sie Windows? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.

Neueste Kommentare 

6 Kommentare zu Microsoft-Partnerschaft: Chinesische Behörden können wieder Windows nutzen

Kommentar hinzufügen
  • Am 18. Dezember 2015 um 6:14 von Frank Furter

    ZITAT
    „Wir kündigen ein neues Joint Venture an, das Windows 10 für Regierungsstellen und bestimmte staatliche Unternehmen lizenzieren, einführen, verwalten und optimieren wird sowie diesen Kunden laufenden Support leistet.“
    TATIZ
    Was heißt das denn anderes, als dass MS den Chinesen ein Win10 bastelt, in dem für die chinesische Regierung nach deren Vorgaben eigene Hintertüren und Überwachungungsfunktionen eingebaut werden.
    Tja, der chinesische Markt ist halt der Markt der Zukunft…

    • Am 18. Dezember 2015 um 10:18 von Schlaumeier

      Was bitte ist TATIZ (Hast du kein Rechtschreibprogramm?) Zum Thema: China wird sich in diesem Punkt nie ändern. Apple durfte lange zeit keine iPhones in China verkaufen. Und dann plötzlich doch. Damals erklärte uns der SuperCook das sie Ein Hintertür für den Service eingebaut haben. Er erwähnte eben nicht das der Servicemann/-frau vom Sicherheitsdienst ist. Aber so ist es nun mal in China. Wer dort Phones verkaufen will muss die Norm des Landes beachten. Auch die Daten müssen im Land bleibe. Wie nun auch in Russland. Dort werden von Apple ja jetzt auch die Daten in Russland gespeichert und der Geheimdienst darf alles mitlesen. Apple spricht wie immer mit „gespaltener Zunge“. Appletypisch eben.

      • Am 18. Dezember 2015 um 16:27 von Oh?

        Es geht in dem Artikel um Apple? Hab ich das überlesen? Ach nein, es ist nur wieder sinnloses Apple-bashen. Alles klar. Da lügt man sich dann auch die Sicht der Dinge zurecht, weil sonst Weisheit in den Bregen eindringen könnte?

        „Damals erklärte uns der SuperCook das sie Ein Hintertür für den Service eingebaut haben.“

        Meine These: Dir fehlt eine Hintertür, durch die die Weisheit eine Chance hätte. ;)

        Microsoft hat einfach den Quelcode gezeigt, die Chinesen haben geprüft, und nun sind die Auflagen erfüllt. Alles andere scheint mir eine Spekulation zu sein.

        Was aber von der Regierung schlau ist: da Windows 10 ja voller Schnüffelfunktionen ist, werden sie wohl als einzige in den Genuss eines Schnüffel-freien Windows 10 kommen. Sozysagen die Spy-frei Version von Windows 10 in einer chinesischen Version. ;)

    • Am 18. Dezember 2015 um 14:02 von brot

      es ist genau umgekehrt, sie basteln ein windows ohne die windows 10 überwachungsmechanismen die du auf deinem deutschen rechner alle laufen hast

  • Am 18. Dezember 2015 um 9:19 von Raimond Herrmann

    Wo es eine Hintertür gibt da gibt es bestimmt noch eine kleine Tapetentür wo man durchschlüpfen kann .

  • Am 18. Dezember 2015 um 12:29 von Judas Ischias

    Tja, der Zweck heiligt die Mittel. ;)
    In Ländern, in denen noch „gute Geschäfte“, am besten mit viel Wachstum, möglich sind, aber an „spezielle“ Bedingungen geknüpft sind, müssen sich die Hersteller eben fügen.
    Da zählt dann der Kommerz.
    Da kann man ja wohl mal ein paar „kleine“ Zugeständnisse an die jeweilige Regierung machen. ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *