Studie: 33 Prozent aller Torrent-Server verbreiten Malware

Eine Infektion ist auch ohne tatsächlichen Download eines Torrents möglich - durch Malvertising. Angeblich sind Torrent-Sites ein Geschäft mit einem Jahresvolumen von 70 Millionen Dollar. Auftraggeber der Studie war die Digital Citizens Alliance, die als Lobby-Organisation der Filmindustrie gilt.

RiskIQ hat für eine Studie (PDF) rund 800 Millionen Sites zwischen Ende Juni und Anfang August überwacht, die Torrent-Streams anboten. 33 Prozent von ihnen lieferten über diesen Zeitraum mindestens einmal eine Malware aus, die typischerweise Daten stehlen sollte. Aufgrund der Alexa-Zugriffszahlen rechneten die Forscher hoch, dass monatlich allein etwa 12 Millionen US-Bürger auf diese Weise Malware-Angriffen ausgesetzt sind.

Malvertising auf Torrent-Sites: Drive-by Dowloads machen 45 Prozent aus (Diagramm: RiskIQ).Malvertising auf Torrent-Sites: Drive-by Dowloads machen 45 Prozent aus (Diagramm: RiskIQ).

Die Verteilung erfolgt teilweise per Malvertising, also Werbung, die Malware verteilt – was natürlich auch angesehene Portale treffen kann. Rund 45 Prozent solcher Schadprogramme können sich ohne Interaktion installieren, wenn eine bestimmte Sicherheitslücke auf dem Zielrechner präsent ist (Drive-by Download). 55 Prozent versuchen hingegen, den User zu einem Download zu bewegen, etwa indem sie ein angebliches Flash-Upgrade melden.

Malware steckt aber dem Bericht zufolge immer wieder auch in Torrent-Inhalten – insbesondere raubkopierten Spielen. So entdeckte RiskIQ eine Version von Fallout 4, die auf dem Zielrechner eventuell vorhandene Bitcoins zu stehlen versuchte – und in einem beobachteten Fall auch tatsächlich einen Gegenwert von rund 2000 Dollar entwendete. Die Sicherheitsforscher fanden vor allem Exploits, Remote-Access-Trojaner (RATs), Adware, Ransomware und Botnetz-Clients in Torrent-Angeboten.

Auftraggeber der Studie war die Digital Citizens Alliance. Ihr Executive Director Tom Galvin kommentiert, im Fall eines Drive-by Download infiziere sich der User auch dann auf einer Torrent-Site, wenn er sich letztlich „dagegen entscheidet, einen Film anzusehen.“ In dieser Formulierung scheint deutlich das Motiv durch, Furcht, Unsicherheit und Zweifel (FUD) zu verbreiten. Die gemeinnützige Digital Citizens Alliance wurde in der Vergangenheit schon der Lobbyarbeit für Microsoft und die Filmindustrie bezichtigt.

Tatsächlich sind Torrents ein wichtiges legales Mittel für den Dateiaustausch. Malware dürfte in legalen Torrents so gut wie nicht auftauchen, wozu die Studie keinerlei Angaben macht. Auch die Verbreitung von Malvertising wird nicht mit der Gefährdung von Usern über reguläre Werbenetzwerke abgeglichen.

Die DCA präsentiert die Befunde von RiskIQ unter dem Motto #FollowTheProfit. Sie schätzt die Jahreseinnahmen der Torrent-Branche auf insgesamt 70 Millionen Dollar. Dabei nimmt sie in Kauf, durch die Art ihrer Präsentation auch legalen und nützlichen Torrent-Angeboten zu schaden – im Interesse einer zentralen Verteilung, die eine Kontrolle von Rechteansprüchen erleichtert, aber auch Nutzerrechte einzuschränken droht.

[mit Material von Charlie Osborne, ZDNet.com]

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Themenseiten: Bittorrent, Digital Citizens Alliance, Torrent, Urheberrecht

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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