Internet der Dinge: HPE drückt aufs Gas

Das Internet der Dinge steht derzeit ganz oben auf der Agenda von Hewlett Packard Enterprise (HPE). Der IT-Konzern bietet ein breites Spektrum an Technologien, um die anfallenden Daten schnell zu sammeln und zu verarbeiten.

6,4 Milliarden Dinge sollen 2016 miteinander vernetzt sein, so eine Schätzung der Marktforscher von Gartner. Bis 2020 könnten es sogar 30 Milliarden, 50 Milliarden oder mehr als 200 Milliarden sein – abhängig davon, welche Expertenprognosen man zu Rate zieht.

In den Daten, die aus den vernetzten Objekten gesammelt werden können, liegt viel nützliches Wissen. Doch an dieses zu kommen, ist nicht einfach. „Das ist der schwierige Teil – die Daten in Informationen zu verwandeln“, sagte Hans-Jürgen Fuks vom europäischen Pre-Sales-Team bei Hewlett Packard Enterprise (HPE) während einer Session auf der Anwenderkonferenz Discover.

Internet der Dinge (Bild: Shutterstock)Doch um den Wissensschatz im Internet der Dinge (IoT) zu heben, gibt es technische Lösungen. Wie die funktionieren – und mit welcher Geschwindigkeit sie arbeiten – zeigen Beispiele aus dem Rennsport. Das DS Virgin Racing Team geht in der Formel E an den Start – einer Rennserie für Wagen mit Elektromotor. Wie in der Formel 1 sind auch die Elektroautos mit vielen Sensoren ausgestattet. Die Zahl bewegt sich im dreistelligen Bereich.

Die Daten aus den Sensoren werden analysiert, um den Rennwagen optimal auf die jeweiligen Bedingungen einzustellen – und das in möglichst kurzer Zeit. Denn im Gegensatz zur Formel 1 finden das freie Training, das Qualifiying und das Rennen an einem einzigen Tag statt. „Häufig bleiben uns zwischen den einzelnen Sessions gerade mal 30 Minuten, um die Daten auszuwerten und das Fahrzeug entsprechend zu konfigurieren“, erklärt Teamchef Alex Tai. Jedes Rennwochenende fallen so rund zwei Gigabyte an Daten in verschiedenen Formaten an, zu denen auch Audio- und Video-Dateien gehören.

Um diese auszuwerten, arbeitet das DS Virgin Racing Team mit den Analyse-Technologien Vertica und Autonomy von HPE. Laut Tai hat sein Team erst vor kurzem mit dem Einsatz der HPE-Lösung begonnen und befindet sich noch in der Lernphase. Über den konkreten Nutzen zu sprechen, ist daher noch zu früh. Doch über die Geschwindigkeit, mit der die Daten analysiert werden, zeigt er sich schon jetzt beeindruckt.

DS Virgin Racing (Bild: DS Virging Racing)
Über ein Autorennen anderer Art geht es beim Shell Eco-marathon. Schüler und Studenten legen dabei mit selbst konstruierten Fahrzeugen eine bestimmte Strecke zurück. Ziel ist es, so wenig Treibstoff wie möglich zu verbrauchen. Auch in diesem Wettbewerb kommt HPE-Technologie zum Einsatz. Auf Basis der Haven-Plattform werden Telemetrie-Daten der Autos ausgewertet und verschiedene Fahrszenarien miteinander verglichen. So lässt sich unter anderem der Treibstoffverbrauch analysieren und sogar prognostizieren.

Die Big-Data-Plattform Haven vereint Technologien wie Vertica, Autonomy, Arcsight und Operations Management. Grundlage ist das quelloffene Framework Hadoop. „Hadoop fungiert in dieser Architektur wie ein großer Pool, mit dem die Daten erfasst, gespeichert und gemanagt werden“, erklärt Fuks. Für die Analyse sind dann Vertica (strukturierte Inhalte) sowie Autonomy (unstrukturierte Inhalte) zuständig. Über eine Nutzerschnittstelle werden die Ergebnisse dem Fachanwender präsentiert.

Um Daten zu analysieren und Entwicklungen zu prognostizieren, steht auf dem Markt aber nicht nur HPE-Technik bereit, sondern unter anderem auch SAP Hana. HPE unterstützt diese Analytics-Technik ebenfalls. So nutzt zum Beispiel Kompressoren-Hersteller Kaeser HP Appsystems für SAP Hana, die auf der Converged Infrastructure von HPE aufbauen. Das Unternehmen will damit schneller auf seine Geschäftsdaten zugreifen und firmenweite Prozesse orchestrieren. Kaeser erhalte dadurch tiefere Einblicke in die Daten, meint CIO Falko Lameter. „Das verschafft uns mehr Kontrolle über unsere weltweite Lieferkette“, so Lameter, „Dadurch können wir Verfügbarkeit und Effizienz unserer Druckluftsysteme ständig verbessern.“
Kaeser ist auch ein Beispiel dafür, welchen Geschäftsnutzen das Internet der Dinge bieten kann. Das Unternehmen sammelt die Daten seiner Druckluft-Geräte, die bei den Kunden im Einsatz sind. Das sind rund eine Million Messungen pro Tag. Diese Informationen werden ständig analysiert. Dadurch kann Kaeser frühzeitig auf mögliche Störungen reagieren beziehungsweise diese schon erkennen, bevor sie entstehen. Im besten Fall kann so der Ausfall eines Geräts verhindert werden.
Damit kann Kaeser seinen Kunden nicht nur einen besseren Service anbieten, sondern sich möglicherweise auch neue Geschäftsmodelle erschließen. Die Verantwortlichen im Unternehmen denken darüber nach, Druckluft künftig auch als Service anzubieten.

Die – im besten Fall vorausschauende – Fernwartung von Maschinen und Geräten ist eines der Einsatzfelder, die am häufigsten genannt werden, wenn es um konkrete Anwendungen des Internets der Dinge in der Industrie geht. Die bieten sich auch beim Management von Windkrafträdern, für das HPE ebenfalls eine Lösung im Portfolio hat. Gerade in diesem Bereich ist der Wartungsaufwand besonders groß. Wenn sich dieser reduzieren lässt, wirkt sich das auch positiv auf die Kosten für den Betrieb der Windparks aus.

Das Internet der Dinge bieten Unternehmen weitere potenzielle Vorteile. Durch die Analyse von Qualitätsdaten könnten Produktionsfehler früher erkannt werden. Prozesse könnte grundsätzlich flexibler ablaufen.
Die Fertigungsindustrie hat daher besonders großes Interesse an der Vernetzung von Maschinen und Objekten. Laut IDC zählt diese Branche zu den Sektoren, in denen derzeit die Hälfte aller IoT-Projekte stattfindet. Die weiteren Bereiche sind das Transportwesen, Smart Cities und Anwendungen für Endkunden.

HPE: IoT (Bild: HPE)

Doch die Verarbeitung der großen Datenmengen im Internet der Dinge fordert die IT in den Rechenzentren und das Netzwerk. HPE hat daher IoT-Systeme entwickelt, die Rechenleistung und Datenmanagement an den Rand des Netzwerks verlagern. Die neue Gateway-Produktlinie heißt folgerichtig Edgeline. Mit den Gateways können Anwender die entstehenden Daten in Echtzeit auswerten und die Endgeräte managen, konfigurieren sowie steuern. Zu den neuen Produkten zählen das Einsteiger-Modell EL10 sowie das Gateway EL20, das für Anwendungen mit höherem Datenaufkommen ausgelegt ist. Beide nutzen HPEs Moonshot-Server-Technologie, die laut Anbieter besonders energieeffizient und platzsparend sein soll.

Die Gateways unterstützen laut Antonio Neri alle Arten von Sensoren. Neri ist Executive Vice President und General Manager der Enterprise Group bei HPE. Seiner Meinung nach bringen die neuen Systeme die Intelligenz an die Außengrenzen des Netzwerks, wo sie dringend gebraucht wird. „Das beschleunigt den Zugriff auf relevante Daten“, so Neri. Außerdem werde weniger Bandbreite benötigt, weil nicht mehr so viele nutzlose Daten transportiert werden müssten.

Neben dem schnellen Zugriff auf die Daten und ihrer Verarbeitung ist aber ein weiterer Faktor entscheidend für den Erfolg des Internets der Dinge: die Sicherheit. So hat HPE etwa in einer Studie zehn der beliebtesten IoT-Geräte untersucht. Dabei handelte es sich um Fernseher, Webcams, Thermostate, fernsteuerbare Steckdosen, Türschlösser, Löschanlagen, Waagen und Garagenöffner. Die Experten entdeckten insgesamt 250 Schwachstellen. Dazu zählte unter anderem, dass Daten unverschlüsselt übertragen, schwache Passwörter akzeptiert oder Anwenderdaten gespeichert wurden.

Werden vernetzte Geräte auch in Büros und Fabrikhallen eingesetzt, öffnen sich somit auch Schlupflöcher für Cyberkriminelle in die Unternehmen. HPE hat daher auch Sicherheitstechnologie in seinem IoT-Angebot. Dazu zählen etwa unter dem Namen Fortify Sicherheitstests für Geräte, Netzwerke, Mobilfunk und Cloud. Mit SecureData stellt der IT-Anbieter daneben einen datenzentrierten Schutz beim Übertragen und Speichern von IoT-Daten bereit. Zusätzlich gibt es Technologie, um Daten zu verschlüsseln oder den Netzwerkzugang zu kontrollieren.

In Zukunft könnte das Thema Internet der Dinge bei HPE noch weiter an Fahrt gewinnen. Unter dem Schlagwort „The Machine“ arbeitet HPE an einer völlig neuen Computerarchitektur, die mit Memristoren – also passiven Bauelementen – statt Transistoren arbeitet. Sie soll schnelle Rechenoperationen ermöglichen und nur einen Bruchteil der elektrischen Leistung herkömmlicher Systeme benötigen.

HPE hat dabei zwar noch einen langen Weg vor sich. Doch ein Anwendungsgebiet haben die HPE-Forscher schon im Visier: das Internet der Dinge. Und dabei geht es wieder um Autos. The-Machine-Technik soll in Zukunft die Kommunikation von Autos untereinander beschleunigen und somit Anwendungen für das Vernetzte Fahrzeug voranbringen.