Bericht: Uber beutet in China Praktikanten aus

Durchschnittlich müssen sie Berichten aus China zufolge zehn Stunden arbeiten - in der Spitze sogar bis zu 15 Stunden. Manchen wurden schon Praktikumsbescheinigungen verweigert, andere erhielten Entlohnungen in Form von Fahrgutscheinen.

Uber wird vorgeworfen, in China systematisch Praktikanten auszubeuten. Wie Sina berichtet, müssen diese bis zu 15 Stunden täglich arbeiten. Auf Proteste Betroffener gegen ungerechtfertigte Entlassungen soll Uber China zudem mit Klagen gedroht haben. Beides würde gegen chinesische Arbeiterschutzgesetze verstoßen.

Uber-Logo (Bild: Uber)In Guangzhou beschäftigt Uber stets mindestens 50 Praktikanten, mit denen es keinen Arbeitsvertrag und nicht einmal eine Praktikumsvereinbarung abschließt. Dies berichtet Li Yifan, der als Betriebsassistent zeitweise für Gruppen von über 20 solcher Praktikanten verantwortlich war.

Durchschnittlich beträgt die Arbeitszeit eines Praktikanten dem Bericht zufolge 10 Stunden. 15 Stunden werden als Höchstwert für einige genannt.

Die tägliche Arbeitsdauer sorge dafür, dass am Ende des Tages „die Hände zittern“, sagt Li. Eine permanente Beschäftigung bei Uber erhielten weniger als 8 Prozent nach Praktikumsende. 13 Personen seien zudem nach Abschluss ihres Studiums weiter als Praktikanten mit unklarem Status im Unternehmen verblieben – ohne festen Vertrag oder eine Absicherung. Manche bezahle Uber zudem nur in Form von Fahrgutscheinen.

Der Bericht wird durch Ma Yingkai von der Universität Nankai bestätigt, der an einem anderen Standort für Uber tätig war, nämlich in Tianjin – bis zu seiner Entlassung. Die für den Hochschulabschluss nötige Praktikumsbescheinigung stellt Uber ihm zufolge nicht immer wie vorab zugesagt aus. Zudem sei sein komplettes Praktikantenteam ohne konkreten Anlass entlassen worden, was die Karrierehoffnungen der Studenten von vornherein zunichte machte.

Auf Weibo führt Ma aus, es habe sich um ein Team für die Zulassung von Uber-Fahrern gehandelt. Eine Managerin habe eines Tages im vergangenen Juni unvermittelt jeden eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen lassen. Am nächsten Tag seien sie alle entlassen worden. Offiziell hieß es, sie hätten gegen Regeln verstoßen und gesperrte Fahrer gegen eine Bestechungssumme wieder zugelassen, was Ma zufolge nicht zutrifft.

Ma unterschrieb die Erklärung nicht. Versuche einer Kontaktaufnahme mit dem Uber-Management seien unbeantwortet geblieben, schreibt er. Alle Teammitglieder seien beim beliebten Chatdienst WeChat auf eine schwarze Liste gesetzt worden, und Uber drohte dem Ex-Praktikanten zufolge mit einer Klage.

Ubers Wachstum in China hat längst die USA überflügelt. Kürzlich machte es Pläne publik, eine zusätzliche Regionalzentrale für Südchina in Guangzhou einzurichten, wo es besonders stark wächst.

Im August hatte Uber einem Bericht zufolge über einen Börsengang seiner Tochter Uber China nachgedacht. Zu diesem Zeitpunkt war es in 17 chinesischen Städten vertreten. Seine US-Zentrale hingegen gibt sich auf Unabhängigkeit bedacht und will einen Börsengang so lange wie möglich hinauszögern.

Sein CEO Trevor Kalanick sagte im Juni aber auch über den chinesischen Markt, Probleme gebe es genügend. So hätten sich die beiden größten Konkurrenten in diesem Jahr zusammengeschlossen und „die Angebotspalette unseres Kernprodukts geklont“, erklärte Kalanick, ohne Didi Kuaidi namentlich zu nennen. Auch seien Konten von UberChina bei Tencents Social Network WeChat gesperrt und Taxifahrer bestochen worden, um gegen Uber zu protestieren. „Bisher hat keines dieser Manöver unser Wachstum aufhalten können.“

Ubers jüngster Finanzierungsrunde liegt ein Unternehmenswert von 62,5 Milliarden Dollar zugrunde – mehr als das Bruttosozialprodukt von 60 Prozent aller Nationen auf der Erde. In der Statistik der World Bank würde Uber somit an 74. Stelle auftauchen, wenn es ein Nationalstaat wäre, einen Rang vor Kenia mit 45 Millionen Einwohnern. Es läge beispielsweise auch vor Bulgarien, Kroatien, Luxemburg oder Slowenien.

[mit Material von Liu Jiayi, ZDNet.com]

Themenseiten: Auto & IT, China, Uber

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Florian Kalenda
Autor: Florian Kalenda
Leitender Redakteur ZDNet.de
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Neueste Kommentare 

1 Kommentar zu Bericht: Uber beutet in China Praktikanten aus

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  • Am 11. Dezember 2015 um 1:08 von Judas Ischias

    Was eine sympathische Firma.
    Hoffentlich bekommen die hier in Europa kein Bein an die Erde.

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