Lenovo vereinbart strategische Partnerschaft mit Nutanix

Damit steigt Lenovo in den rasch wachsenden Markt für "Hyperconverged Infrastructure" ein. Das erste gemeinsame Produkt von Lenovo und Nutanix soll im Dezember vorgestellt werden. Es wird auf System-X-Servern basieren und voraussichtlich im ersten Quartal 2016 auf den Markt kommen.

Lenovo ist eine umfassende Partnerschaft mit Nutanix eingegangen. Deren Ziel ist es für Lenovo, schnell im attraktiven Markt für „Hyperconverged Infrastructure“ Fuß zu fassen. Dazu soll die Software von Nutanix, die normalerweise nur zusammen mit geeigneter Hardware als Appliance angeboten wird, auf Lenovo-Servern der Reihe System X vorinstalliert werden. Das erste entsprechende Produkt soll bereits im Dezember vorgestellt und im Laufe des ersten Quartals 2016 an Kunden ausgeliefert werden.

Lenovo geht OEM-Partnerschaft mit Nutanix ein (Grafik: Lenovo)

Die beiden Firmen betonen ausdrücklich, dass es sich um mehr als ein reines Vertriebsabkommen handelt. Auch soll es über andere Technologiepartnerschaften hinausgehen, die Nutanix etwa mit Firmen wie Avaya, Brocade, Juniper, Mellanox und Veeam unterhält, weil nicht nur Produkte aufeinander abgestimmt werden, sondern ein neues Produkt gemeinsam entwickelt wird. Allerdings ist es keine ganz exklusive Partnerschaft, da Nutanix seit über einem Jahr mit Dell zusammen eine Appliance anbietet, die als Dell XC Serie vermarktet wird. Sie sei jedoch in der Hinsicht einzigartig, erklärt Lenovo-Manager Scott Hawkins gegenüber ZDNet, dass tatsächlich eine gemeinsame Entwicklung stattfinde.

Lenovo passt für Nutanix als Partner auch deshalb gut, weil die Chinesen von IBM zwar dessen Server-Sparte übernommen haben, aber im Gegensatz zu anderen Server-Anbietern wie Dell oder HP nicht über ein nennenswertes Geschäft im traditionellen Storage-Bereich verfügen. Denn genau diese Infrastrukturen versprechen Nutanix und seine Mitstreiter, zu denen zum Beispiel auch das schnell wachsende VCE gehört, durch ihren Ansatz günstiger, einfacher, skalierbarer und effizienter ablösen zu können: Statt getrennten Servern, Speicherinfrastrukturen und komplexen Netzwerken kommt alles in einer Appliance, von der sich bei Bedarf eine theoretisch beliebig große Anzahl nebeneinander aufstellen lässt, um so selbst enorme Anforderungen bewältigen zu können.

Ein "klassisches" Produkt von Nutanix aus der Serie NX-3000 (Bild: Nutanix) Ein „klassisches“ Produkt von Nutanix aus der Serie NX-3000 (Bild: Nutanix)

Hewlett Packard Enterprise bietet hierfür in der neuen Konstellation das Helion Cloud System an, bei IBM werden ähnliche Produkte als PureFlex System vermarktet. Beiden sprechen Lenovo und Nutanix die Ernsthaftigkeit ab. Zwar erwähnen die jeweiligen Manager die Mitbewerber nicht ausdrücklich, geben aber zu bedenken, dass traditionelle Hersteller umfangreiche Storage-Installationen bei Kunden haben und traditionelle Storage-Angebot einen wichtigen Teil ihres Geschäfts ausmachen.

„Wir bieten heute zwar auch Storage an, aber wir können einen anderen, einzigartigen Standpunkt einbringen“, wirbt Lenovo-Manager Hawkins. „Denn wir versuchen nicht, ein bestimmtes Geschäft künstlich am Leben zu erhalten.“ Oder anders gesagt: Lenovo hat im Gegensatz zu Dell/EMC, HP, IBM oder NetApp nichts zu verlieren, sondern kann aus seiner Sicht nur gewinnen.

Hinzu kommt, dass man seit der Übernahme der IBM-Server-Sparte als Neueinsteiger in dem Bereich durchaus kritisch beäugt wird. Kunden gestehen Lenovo zwar zu, dass es das PC- und Notebook-Geschäft von IBM vernünftig fortgeführt und die Erwartungen von Business-Kunden in der Regel nicht enttäuscht hat, sind aber bei ihren Kronjuwelen im Rechenzentrum doch etwas skeptischer: Zwar wurde noch niemand dafür entlassen, dass er bei IBM gekauft hat – ob dasselbe aber auch gilt, wenn man bei Lenovo kauft, ist noch nicht sicher.

Da passt es gut, das Lenovo dann ab Anfang 2016 mit der gemeinsam mit Nutanix entwickelten Appliance nicht nur ein modernes Produkt im Programm hat, sondern aller Voraussicht nach auch mit sehr konkurrenzfähigen Preisen am Markt auftreten wird. Neben den Kunden, die man von IBM „geerbt“ hat, hofft man so auch neue für sich gewinnen zu können.

Für den Vertrieb des neuen Angebots, die im Erfolgsfall notwendige Installation und den nachgelagerten Service will Lenovo die bereits vorhandenen Kapazitäten aufstocken. Außerdem sollen „erhebliche“ Investitionen getätigt werden, um die gemeinsame Weiterentwicklung der Plattform sicherzustellen. Wie die im ersten Schritt genau aussehen wird und wie sie sich im Detail gegenüber den Konkurrenzangeboten schlägt, wird man aber erst Mitte Dezember nach der Produktvorstellung sagen können.

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