Deutschland hinkt bei E-Government-Nutzung international hinterher

Im EU-Vergleich rangiert es weiterhin nur im Mittelfeld. Mit einer Quote von 53 Prozent belegt es gemeinsam mit Slowenien Platz elf. Führend sind bei Online-Interaktionen mit Behörden die skandinavischen Länder Dänemark, Schweden und Finnland mit Anteilen von jeweils über 80 Prozent.

Die Nutzung von E-Government schreitet in Deutschland nur langsam voran. Das zeigen Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Demnach hat im Jahr 2014 nur gut die Hälfte der Bundesbürger (53 Prozent) das Internet zur Interaktion mit Behörden genutzt, etwa um Auskünfte einzuholen oder Formulare herunterzuladen. Das entspricht lediglich einem Anstieg um 4 Prozent im Vergleich zu 2013.

Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor nur im Mittelfeld: Zusammen mit Slowenien teilt es sich den elften Rang unter allen 28 EU-Mitgliedsländern. Spitzenreiter ist Dänemark, wo 84 Prozent der Bürger E-Government-Angebote nutzen, gefolgt von Schweden (81 Prozent), Finnland (80 Prozent) und den Niederlanden (75 Prozent).

Deutschland liegt bei der E-Government-Nutzung im EU-Vergleich weiterhin nur im Mittelfeld (Grafik: Bitkom).

„Mithilfe des Internets können Behördengänge in vielen Fällen deutlich unkomplizierter und schneller erledigt werden als mit einem persönlichen Erscheinen auf dem Amt“, kommentiert Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom. „Hier verschenken sowohl Bürger als auch Verwaltungen wertvolle Möglichkeiten.“

Laut Bitkom ist die vergleichsweise geringe Nutzung von E-Government-Angeboten in Deutschland unter anderem auf ein Informationsdefizit zurückzuführen. „Viele Bürger wissen schlichtweg nicht, dass sie zum Beispiel bei vielen Ämtern Termine online vereinbaren oder Formulare per E-Mail zusenden können“, so Rohleder. „Hier muss noch stärker als bislang aufgeklärt werden.“

Außerdem werden nach Einschätzung des Bitkom die Möglichkeiten des E-Government noch nicht konsequent genug realisiert. „Auch bei Anträgen, für die der Gesetzgeber keine Unterschrift fordert, sehen die Formulare immer noch ein Unterschriftenfeld vor und erschweren so die komplett elektronische Antragstellung und -bearbeitung. Das passt nicht mehr in unsere Welt und ist Bürgern, die online Bücher kaufen, Urlaube buchen oder ihre Wohnung tauschen, nicht mehr zu erklären“, sagt Rohleder.

Im April 2013 hatte der Deutsche Bundestag das sogenannte E-Government-Gesetz verabschiedet, das die elektronische Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltung eigentlich erleichtern sollte. Doch noch heute seien selbst dort, wo es Online-Angebote gebe, diese oftmals nicht nutzerfreundlich – ein Problem, das nach Ansicht des Bitkom hausgemacht ist. Rohleder: „Viele Behörden versuchen, eigene Systeme aufzubauen anstatt bewährte Standards einzusetzen. Dabei werden sie nicht selten von der aktuellen IT abgekoppelt.“

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Björn Greif
Autor: Björn Greif
Redakteur ZDNet.de
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