HPE-Chefin Whitman sieht Dells EMC-Akquisition kritisch

In einer E-Mail an ihre Mitarbeiter wirft sie Dell vor, HPEs Strategie zu kopieren. Die Integration von Dell mit EMC sieht Whitman unter anderem als "Ablenkung für Angestellte und Management " sowie allgemein als "disruptiv für das Geschäft". Die Übernahme bedeute auch "Unsicherheit für den Kunden".

Logos von Dell und EMC (Grafik: Dell und EMC)

HPE-Chefin Meg Whitman hat sich im Rahmen der Akquisition von EMC durch Dell in einer E-Mail an ihre Mitarbeiter gewandt. Die Nachricht liegt bereits einigen US-Medien vor. Daraus geht hervor, dass Whitman nur wenig von diesem Schritt zu halten scheint.

Aktuell vollzieht Dell die bisher größte Übernahme in der Geschichte der IT. Das 67 Milliarden Dollar-Investment sei für Hewlett Packard Enterprise „eine gute Sache“, denn dadurch böten sich für HPE neue Möglichkeiten. Whitman sieht ihr Unternehmen gegenüber Dell zwei Jahre im Vorsprung, welches ihr zufolge lediglich HPEs Strategie kopiert.

„Für die 50 Milliarden Dollar Schulden, die auf der Bilanz des neuen, kombinierten Unternehmen lasten, muss Dell jährlich 2,5 Milliarden alleine an Zinsen bezahlen. Das bedeutet 2,5 Milliarden Dollar, die nicht für Forschung und Entwicklung und andere kritische Geschäftsvorgänge zur Verfügung stehen und die Dell daran hindern werden, die Kunden besser zu bedienen.“

Tatsächlich werden Dell und seine Teilhaber einen gewissen Schuldenberg abzutragen haben. Allerdings scheinen die Banken, die offenbar einen großen Teil der für die Übernahme nötigen Summe beigetragen haben, diese Mittel bereitwillig zur Verfügung gestellt zu haben – und das obwohl Michael Dell noch immer die Schulden abbezahlt, die er für den Rückkauf seines Unternehmens von der Börse aufnehmen musste. Zudem kann Dell auf den Finanzmarkt hoffen. Daher darf durchaus angezweifelt werden, ob Dell wirklich an neuralgischen Punkten zum Sparen verdammt ist.

HP-CEO Meg Whitman (Bild: CNET)Durch die Übernahme von EMC durch Dell sieht HPE-CEO Meg Whitman auch viele Vorteile für ihr eigenes Unternehmen. (Bild: CNET).

„EMC und Dell zu integrieren, die gemeinsam mehr als 75 Milliarden Dollar Umsatz und knapp 200.000 Mitarbeiter haben, ist keine kleine Aufgabe. Das wird ein massives Projekt und eine enorme Ablenkung für Angestellte und Management, weil hier zwei sehr unterschiedliche Kulturen zusammen kommen, die Führungsteams sich verändern und eine völlig neue Strategie entwickelt werden muss“, führt Whitman weiter aus.

HIGHLIGHT

Dell kauft EMC: Sterbebegleitung oder Wiederauferstehung?

Trotz einiger Gerüchte im Vorfeld kam die Ankündigung von Dell, EMC zu übernehmen, doch überraschend. Schließlich hatte Michael Dell die Firma seit dem Abschied von der Börse neu aufgestellt und schien andere Ziele zu verfolgen. Selten sind Firmenzusammenschlüsse dieser Größenordnung erfolgreich. Dieses Mal könnte es aber passen.

Womit die HPE-Chefin vermutlich recht hat, ist die Tatsache, dass die Zusammenführung der beiden Produkt-Portfolios ein hohes Maß an Rationalisierung erfordern wird. Auch die Tatsache, dass das „disruptiv für das Geschäft sein wird, und für den Kunden Unsicherheit bedeutet“ ist durchaus im Bereich des Realistischen. „Anwender wissen nicht, ob die Produkte, die sie heute kaufen, in 18 Monaten noch unterstützt werden“, so Whitman weiter. Tatsächlich bergen solche Übernahmen für den Anwender Risiken. Doch hier wird Dell in den nächsten Tagen und Wochen voraussichtlich mit entsprechenden Roadmaps an die Verbraucher herantreten.

Dass diese Zusammenführung im Vertrieb und Channel jedoch angeblich für Chaos sorgen wird, könnte etwas übertrieben sein, da Dell schon heute mit Storage-Produkten im Einsteiger- und Mittelstandssegment angesiedelt ist. EMC richtet sich hingegen an die Großen.

HPE selbst steht kurz davor – die Abspaltung des Bereichs für Drucker und PCs ist für den 1. November terminiert – sich vollständig auf den Unternehmensbereich zu konzentrieren. Whitman fordert ihr Vertriebsteam daher nun auf, diese neue Fokussierung auch den Kunden begreiflich zu machen. Welches der beiden Unternehmen nun die strategisch bessere Entscheidung getroffen hat, wird sich wohl erst mittelfristig abzeichnen.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

ANZEIGE

MobileIron: Sichere Verwaltung von Android-Geräten

In vielen Unternehmen nutzen Mitarbeiter ihre privaten mobilen Geräte. Unternehmen, die dieser Szenario erlauben, sollten sich Gedanken über eine leistungsfähige Enterprise Mobility Management Suite machen. Nur damit lassen sich Unternehmensdaten gegen nicht autorisierten Zugriff absichern.