Richterin Koh genehmigt Vergleich in Prozess um Abwerbeverbote

Adobe, Apple, Google und Intel zahlen insgesamt 415 Millionen Dollar. Die Anwälte der Kläger bekommen jedoch nur 40 statt der geforderten 81 Millionen Dollar. Damit endet nach vier Jahren ein Aufsehen erregender Prozess, der etwa direkte Korrespondenz zwischen Steve Jobs und Eric Schmidt publik machte.

Das US-Bundesbezirksgericht für Nordkalifornien hat eine Einigung im Fall eines gegenseitigen Abwerbeverbots unter Technikfirmen genehmigt, wie Reuters meldet. Adobe, Apple, Google und Intel werden den Klägern 415 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen.

Die zuständige Richterin Lucy Koh lehnte hingegen die Höhe der Forderung der Anwälte ab, die die Angestellten vertraten. Sie hatten 81 Millionen Dollar an Gebühren angesetzt. Koh bezeichnete dies als überzogen und entschied auf rund 40 Millionen Dollar für Anwaltsgebühren.

Die Kläger hatten insgesamt sieben Firmen aus dem Silicon Valley vorgeworfen, zwischen 2005 und 2009 durch ein gegenseitiges Abwerbeverbot Gehälter künstlich niedrig gehalten zu haben. Die Klage wurde 2011 eingereicht und 2013 als Sammelklage zugelassen. An ihr beteiligten sich 64.600 aktuelle und ehemalige Entwickler, Designer, Qualitätsanalysten, Künstler, Autoren und Systemadministratoren, die zwischen 2005 und 2010 bei den sieben Unternehmen beschäftigt waren.

Ein Diagramm soll zeigen, wann welches Unternehmen mit wem eine unerlaubte Vereinbarung getroffen hat (Bild: Lieff Cabraser Heimann and Bernstein).Dieses Diagramm soll zeigen, wann welches Unternehmen mit wem eine unerlaubte Vereinbarung getroffen hat (Bild: Lieff Cabraser Heimann and Bernstein).

Im Mai 2014 legten die Firmen ein erstes Angebot vor, das eine Schadensersatzzahlung von 324,5 Millionen Dollar vorsah. Diese Offerte lehnte Richterin Koh angesichts der „zwingenden Beweise“ gegen die Unternehmen als zu niedrig ab.

Außer Adobe, Apple, Google und Intel gehörten auch Intuit, Lucasfilm und Pixar zu den ursprünglich Beklagten. Sie hatten schon vergangenes Jahr einem außergerichtlichen Vergleich zugestimmt. Lucasfilm und Pixar erklärten sich bereit, 9 Millionen Dollar an betroffene Mitarbeiter auszuzahlen. Intuit verpflichtete sich zur Zahlung von 11 Millionen Dollar. Die Vereinbarungen galten für rund acht Prozent der Kläger.

Besonderes Interesse gewann die Klage durch das berücksichtigte Beweismaterial, das etwa direkte E-Mail-Korrespondenz der CEOs Steve Jobs (Apple) und Eric Schmidt (Google) umfasste. Jobs schrieb höflich an seinen Kollegen, Google möge doch bitte Bemühungen um Apple-Mitarbeiter einstellen: „Ich wäre froh, wenn Ihre Anwerber so etwas unterließen.“ Schmidt, der zu dieser Zeit auch noch im Aufsichtsrat von Apple saß, sorgte anschließend dafür, dass dieser Wunsch in Erfüllung ging. Der Headhunter, der das Angebot unterbreitet hatte, wurde gefeuert.

In Teilen geschwärzte Gerichtsdokumente zeigten auch, welchen Einfluss die Firmen auf den lokalen Arbeitsmarkt hatten. Google forderte etwa nach einem Abwerbeversuch seiner Ingenieure durch Facebook das Social Network auf, solche Aktionen einzustellen. Konkret scheint Arnnon Geshuri, Recruiting Director bei Google, Facebook-COO Sheryl Sandberg angerufen und ein gegenseitiges Abwerbeverbot vorgeschlagen zu haben.

Nachdem sich die Situation verschärfte, schrieb Bill Campbell, zu dem Zeitpunkt Mitglied in Googles Aufsichtsrat, Chairman von Intuit und Co-Direktor von Apples Aufsichtsrat, auf eine E-Mail zum Thema Abwerbungen durch Facebook: „Wer setzt sich mit Sheryl Sandberg oder Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in Verbindung, um eine Feuerpause zu erreichen? Wir brauchen einen Waffenstillstand.“

Facebook, das nicht zu den Beklagten zählt, warb jedoch weiterhin Mitarbeiter anderer Firmen ab. Dadurch wurde eine Kettenreaktion in Gang gesetzt. Unter anderem erhöhte Google seine Gehälter um zehn Prozent und zahlte eine Barprämie von 1000 Dollar. Anschließend brachte es Apple dazu, ebenfalls die Bezüge seiner Angestellten anzuheben.

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