Neue Entlassungswelle bei Microsoft [UPDATE]

Zusätzlich zu dem vor einem Jahr angekündigten Abbau von 18.000 Arbeitsplätzen müssen nun weitere 7800 Mitarbeiter gehen. Besonders betroffen ist die von Nokia übernommene Smartphone-Sparte. Auf die Akquisition schreibt Microsoft zudem 7,6 Milliarden Dollar ab.

Microsoft plant angeblich weitere Entlassungen, um Kosten zu sparen. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf „mit den Plänen vertrauten Quellen“. Die neuen Stellenstreichungen sollen frühestens im heutigen Tagesverlauf offiziell angekündigt und ergänzend zu dem vor einem Jahr bekannt gegebenen Abbau von 18.000 Arbeitsplätzen vorgenommen werden.

Microsoft-Schild vor Gebäude 99 des Redmond-Campus (Bild: Microsoft)Update von 16.20 Uhr: Inzwischen hat Microsoft den erneuten Jobabbau offiziell bestätigt. 7800 Mitarbeiter sollen „in den nächsten Monaten“ ihre Kündigung erhalten. Vor allem die im April 2014 von Nokia übernommene Smartphone-Sparte ist von den Einsparungen betroffen. Zum Ende des ersten Quartals beschäftigte Microsoft weltweit 118.000 Mitarbeiter.

Wie im Vorfeld erwartet, plant das Unternehmen aus Redmond auch eine Milliardenabschreibung auf das Smartphone-Geschäft. Nachdem es vergangenes Jahr 7,2 Milliarden Dollar für Nokias Mobilgerätesparte bezahlt hat, schreibt es nun 7,6 Milliarden Dollar auf die Übernahme ab. Für die anstehende „fundamentale Umstrukturierung“ der Sparte veranschlagt Microsoft zudem eine Summe zwischen 750 und 850 Millionen Dollar.

„Wir bewegen uns weg von der Strategie, ein eigenständiges Smartphone-Geschäft aufzubauen, und hin zu einer Strategie, ein lebendiges Windows-Ökosystem zu schaffen, das auch unsere wichtigste Gerätefamilie mit einschließt“, erklärt CEO Satya Nadella in einem öffentlichen Schreiben an die Mitarbeiter. „Kurzfristig bedeutet das, dass wir ein effizienteres und fokussierteres Phone-Portfolio haben werden und gleichzeitig an unseren Fähigkeiten festhalten, auch langfristig im Bereich Mobility zu innovieren.“

Dabei werde der frisch geformten Windows and Devices Group eine wichtige Rolle zukommen. Microsoft werde sich künftig auf drei Kundensegmente beschränken, in denen es sich über „die Kombination von Hardware und Software differenzieren“ kann. Längerfristig wolle man hingegen weiter Innovationen vorantreiben, neue Kategorien ins Leben rufen und für das Windows-Ökosystem im Allgemeinen neue Möglichkeiten schaffen. „Unsere Neuerfindung wird um Mobility herum zentriert sein und sämtliche Gerätefamilien umfassen – Phones eingeschlossen“, stellte Nadella klar.

Der Microsoft-CEO hatte schon Ende Juni in einer internen Mail „harte Entscheidungen“ in Geschäftsfeldern angekündigt, „in denen die Dinge nicht so laufen, wie sie sollen“. Zudem versprach er, einige bestehende Probleme anzugehen, und diese im Sinne der Verbraucher zu lösen.

Trotz hoher Investitionen hat Microsoft es bisher nicht geschafft, mit Windows Phone gegenüber iOS und Android nennenswerte Marktanteile zu gewinnen. Auch der Kauf der Mobilgerätesparte von Nokia hat daran wenig geändert. Möglicherweise wird Nadella diesen Bereich daher kürzen. Mit dem Ausscheiden des ehemaligen Nokia-CEOs und Microsoft-Devices-Chefs Stephen Elop, den viele als Microsofts Trojanisches Pferd bei Nokia betrachteten, wurde vielleicht schon der erste Schritt getan.

Ein kurzfristiger Ausstieg Microsofts aus dem Mobilbereich scheint jedoch äußerst unwahrscheinlich, da er zu wichtig ist. Der Hersteller plant mit Windows 10 eine geräteübergreifende Vereinheitlichung des Kernels. Damit kann Microsoft zum ersten Mal ein durchgängiges Gerätemanagement und so genannte Universal Apps anbieten. Auch mit dem neuen Surface-Tablet geht Microsoft auf die mobile Arbeitswelt zu.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

Themenseiten: IT-Jobs, Microsoft

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10 Kommentare zu Neue Entlassungswelle bei Microsoft [UPDATE]

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  • Am 8. Juli 2015 um 17:51 von Mac-Harry

    Apple entlässt noch immer keine Mitarbeiter und beschäftigt über die Produktionswerkbänke mittlerweile 1,2 Mio. Menschen.

    Ist schin erstaunlich, dass Microsoft jedes Jahr Milliardenabschreibungen stemmt, Massenentlassungen treibt und irgendwie keinen Fuss in die Tür beim Zukunftsbusiness #1 (Mobile) bekommt.

    Naja, durch Entlassungen wird ein Unternehmen nicht besser, aber es zeigt Fehlentscheidungen in der Vergangenheit auf.

    • Am 9. Juli 2015 um 9:58 von Ach?

      …“Apple entlässt noch immer keine Mitarbeiter und beschäftigt über die Produktionswerkbänke mittlerweile 1,2 Mio. Menschen.“
      Ach ja? … Und wenn bei Foxconn von Ausbeutung, schlechten Arbeitsbedingungen, Umweltverschmutzung usw. die Rede ist, dann sind es plötzlich Foxconn’s Angelegenheiten die ja auch für alle Anderen Produzieren?
      Scheinheiliges Gesülze lieber Harry.

      • Am 9. Juli 2015 um 12:32 von PeerH

        Nein: die produzieren auch für Microsoft. ;-)

        Schon komisch, wie schnell die Entlassung von 8.000 Mitarbeitern von Nerds als ‚unvermeidbar‘ schöngeredet wird. Was bei Microsoft passiert ist NUR Angelegenheit von Microsoft. Und darum geht es gerade.

        • Am 9. Juli 2015 um 15:49 von nope

          Nein tut es nicht. Harry prahlt mit Apple und 1,2 Millionen Beschäftigten… Enteweder man bekennt sich zu den 1,2 Millionen und sorgt auch für die nach US-Maßstäben oder eben nicht. Aber halt mal so und dann so… wie es gerade besser passt. :-/

          Und wer zum Henker redet da irgendwas schön? Hast Du irgendwelche Fantasien, Halluzinationen? Wo wird mit auch nur einer Silbe etwas schöngeredet?

          Und unten schreibst Du “ diverse Fehlentscheidungen (z.B.kein Update von Win Phone 7 auf 8) haben Win Phone bisher wenig erfolgreich gemacht “
          Sorry, wenn man keine Ahnung hat….einfach….halten.
          Mit Windows Phone 8 wurde ein anderer Kernel eingeführt. Welchen Sinn sollte es machen das Update von WP7 (welches ja kam! und 7.8 hieß) WP8 zu nennen? Wäre nur ne Mogelpackung gewesen, alà iOS 7 auf einem 4S….

  • Am 8. Juli 2015 um 19:56 von Oha

    Der finnische Minister war ja auf Apple sauer, weil die das iPhone gebaut haben. Da wird er ja nun Microsoft so richtig in sein Herz schließen? ;)

    Konsequent wäre ein Umstieg aller Behörden auf Linux.

  • Am 8. Juli 2015 um 21:32 von PeerH

    Nur 7,6 Milliarden Dollar? Na, ist doch nicht schlimm? Warum? Bezahlt wurde der Deal mit niedrigversteuertem Geld im Ausland. Und nun wird die Abschreibung möglichst hoch angesetzt, um dann zulasten der Steuerzahler mit einem blauen Auge davonzukommen. Ja, so funktionieren gute Geschäfte.

    Und ansonsten? Ansonsten hätte das auch eine Heuschrecke nicht anders gemacht: Unternehmen kaufen, Mitarbeiter entlassen, Patente und Produkte verwerten und verkaufen – nur machen die dabei Gewinn. ;-)

    Bei all der Häme tun mir die vielen Mitarbeiter sehr leid. Sie hätten mit Nokia eine Chance gehabt, unter Microsoft war klar, dass sie keine mehr haben werden.

    • Am 9. Juli 2015 um 7:28 von Sabine

      Und wieder beweist uns PeerH wie kurz er sich was merken kann. Nokia war 1 mm vor dem Konkurs bevor es den Deal mit MS gemacht hat und auf WinPhone umgestiegen ist. Ms hat Nokia den Arsch gerettet, ganau wie damals als Apple 1 mm vor dem Konkurs stand und Bill Gates Apple mit viel Geld gerettet hat.

      • Am 9. Juli 2015 um 9:09 von Mac-Harry

        Neun Wochen waren das damals. Nicht 1 mm. Apple hat jedoch in seiner Genialität von Steve Jobs etwas aus dem Geld gemacht, das den Wert von Microsoft heute um das Doppelte übersteigt. Mangels kluger Köpfe sieht diese Zukunft wohl keiner bei Microsoft im Mobil Geschäft auf dem Markt.

      • Am 9. Juli 2015 um 12:41 von PeerH

        Microsoft hat Nokia nicht gerettet – sie haben versucht in den Markt für Mobilgeräte einzusteigen, um Windows Phone zu pushen und weil Mobil der Markt der Zukunft ist, und haben deswegen die Lumia Sparte von Nokia gekauft. Und damit sind sie nun sehr wahrscheinlich gescheitert. Zum Schaden der Nokia Mitarbeiter. Die werden nun gefeuert – Kollateralschaden von Ballmers/Elops verkorkster Strategie. Und von Ballmers Fehlentscheidung

        Hätte Nokia nicht auf Windows Phone, sondern parallel auf Android gesetzt, wäre es möglicherweise (ist jetzt müßig) nicht so schlimm gekommen. Durch Elops 100% Win Phone Festlegung und verkorkste Strategie Entscheidungen wurde Nokia vollends zum Sorgenkind.

        Das Problem hat einen Namen: Windows Phone – und so praktisch es mittlerweile ist, es kam zu spät, und diverse Fehlentscheidungen (z.B.kein Update von Win Phone 7 auf 8) haben Win Phone bisher wenig erfolgreich gemacht – aber die Entwicklung sehr kostspielig.

        Wie immer dürfen die Mitarbeiter das ausbaden, was oben verbockt wird.

  • Am 10. Juli 2015 um 4:31 von Judas Ischias

    Vielleicht wird es ja besser wenn nicht mehr gar so viele Modelle auf den Markt kommen, die sich teilweise fast nicht mehr unterschieden haben.
    Im oberen Bereich ist es ja übersichtlich.
    Vor allem wenn man sich an die Ankündigungen hält, die vorher gemacht wurden und plötzlich ohne Begründung eingestellt wurden.
    Siehe die lächerliche Geschichte mit den Lumias 640 dual sim lte, welche für Deutschland angekündigt wurden, aber plötzlich überhaupt nicht zu bekommen waren.
    Der Grund ist bis heute unerklärlich.
    In Frankreich oder Italien waren die Geräte bei Amazon zu haben und wenn man versucht hat diese zu kaufen, waren entweder die gewünschten Farben nicht vorhanden, und/oder die gewünschte Größe nicht lieferbar, bzw. nicht mit LTE zu bekommen.
    Dann solche Dinge wo die Frontkamera bei den Geräten fehlt, wo doch Skype von MS ist.
    Keine Ahnung was da im Management abläuft und abgelaufen ist?
    Und ich finde den Zeitpunkt auch nicht gerade günstig, wo Windows 10 kurz vor der Veröffentlichung steht.

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