Sonys Vertrag mit Spotify von 2011 veröffentlicht

The Verge hat Details eines Vertrags zwischen Sony Music Entertainment und Spotify aus dem Jahr 2011 ausgewertet und dadurch bisher unbekannte Hintergründe zum digitalen Musikgeschäft aufgedeckt. Unter anderem verpflichtete sich der schwedische Streaming-Anbieter Spotify darin auf zwei Jahre zu Vorschusszahlungen und sagte Abonnentenquoten zu. Außerdem offenbart das 42-seitige Dokument, wie sich Streaming-Preise berechnen.

Spotify (Bild: Spotify)Vor allem aber sieht The Verge den Vertrag als Erklärung, warum Streamingdienste von hohen Zahlungen sprechen, aber gleichzeitig Musiker wie Taylor Swift über geringe Einnahmen aus Streaming klagen: Offenbar bleiben beträchtliche Summen beim Label hängen. Zur Verteilung an die Musiker enthält der Vertrag jedenfalls keine Regelung.

Die vereinbarte Vorauszahlung von Spotify an Sony betrug 25 Millionen Dollar: 9 Millionen im ersten und 16 Millionen im zweiten Jahr. Für ein optionales drittes Jahr sah man 17,5 Millionen Dollar voraus. Solche Vorschüsse, die nicht als Tantiemen für direkte Nutzung gelten, behalten Labels laut einer Insiderquelle von The Verge routinemäßig für sich, statt sie an die Künstler auszuschütten.

Zusätzlich sieht der Vertrag eine jährliche Prüfung durch einen unabhängigen Auditor vor. Sollte er feststellen, dass andere Plattenlabels von Spotify günstigere Bedingungen as die genannten erhalten, steht Sony eine Nachbesserung zu. Solche Klauseln sind dem Bericht nach in Europa verboten, in den USA aber legal.

Weiter musste Spotify Sony Anzeigenraum im Gesamtwert von 9 Millionen Dollar über drei Jahre hinweg einräumen, den Sony für seine Werbung verwenden oder weiterverkaufen konnte. Auch eventuelle Einnahmen aus Weiterverkäufen dürften nicht an die Musiker gegangen sein.

(Logo: Sony)Eine einfache Gebührenhöhe pro Stream, also für jedes Mal, da ein Song abgespielt wird, lässt sich aus dem Dokument nicht errechnen. Im Fall von Premium-Konten erhält Sony einen relativen Anteil an einem Kuchenstück von mindestens 60 Prozent des Umsatzes, das insgesamt an Plattenfirmen geht – je nachdem, wie oft Musik seiner Künstler von dieser Kundengruppe angehört wurde. Dieser Betrag kann sich aber durch Klauseln für Mindestwerte noch erhöhen. Im Fall von werbefinanzierten Spotify-Hörern fällt ein rabattierter Preis von 0,00225 pro Stream an, der sich aber wiederum erhöhen kann, wenn Spotify seine Wachstumsziele verfehlt.

Allerdings weist das Dokument auch einen Absatz auf, der Spotify direkt und ohne Abzug 15 Prozent aller Werbeeinnahmen zubilligt, die Dritte in seinem Auftrag und mit seinem Dienst erlösen. Dieser Anteil taucht nicht in den Transparenzberichten und Offenlegungen auf, die Spotify aufgrund anhaltender Kritik – und als PR-Maßnahme – publiziert hat.

The Verge schließt aus den Unterlagen, dass Streamingdiensten nicht mehr allein die Schuld gegeben werden kann, wenn Künstler sich über geringe Erlöse aus Streaming beklagen. Offen muss bleiben, wie die Verträge zwischen Plattenfirmen und Spotify nach mindestens zwei weiteren Verhandlungsrunden heute aussehen. Außerdem lässt sich nicht pauschal ablesen, was Musiker durch Streaming eigentlich erhalten. Dies ist vom Vertrag mit dem Label abhängig; laut dem Bericht billigen manche Verträge „aus dem CD-Zeitalter“ dem Musiker nicht mehr als 15 bis 20 Prozent dessen zu, was Spotify an Tantiemen überweist.

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