Windows Server 2016 – Die Neuerungen im Überblick

von Thomas Joos am , 06:04 Uhr

Mit Windows Server 2016 hat Microsoft zahlreiche neue Features integriert, welche sich Administratoren in der Praxis ansehen sollten. Die Server-Version von Windows 10 bietet bessere Virtualisierung, eine sichere Nano-Installation und neue Serverrollen, die bei der Verwaltung von Netzwerken helfen.

Mit Windows Server 2016 [1] hat Microsoft [2] zahlreiche neue Features [3] in den Windows-Server  integriert, welche sich Administratoren in der Praxis ansehen sollten. Von den Neuerungen profitieren kleine Unternehmen genauso, wie größere Unternehmen. Die Server-Version von Windows 10 [4] bietet bessere Virtualisierung, eine sichere Nano-Installation und neue Serverrollen, die bei der Verwaltung von Netzwerken helfen.

Nano-Server – Der neue Mini-Core-Server

Die Nano-Installation [5] von Windows Server 2016 [6] ist im Grunde genommen eine weitere Minimierung der Core-Installation. Im Gegensatz zur Core-Installation werden Nano-Server aber nicht einfach installiert, sondern über ein Image bereitgestellt.  Erstellen Administratoren einen Nano-Server, verfügt dieser über weit weniger Dienste, bis 90% weniger Ressourcenverbrauch und keinerlei Verwaltungswerkzeuge. Nano-Server lassen sich nur über das Netzwerk oder vom Hyper-V-Host aus verwalten, es gibt weder die Möglichkeit sich lokal, noch über einen Remotedesktop anzumelden.

Administratoren verbinden sich über das Netzwerk per WMI oder der PowerShell mit dem Server. Gedacht ist der Server für Cloudanwendungen oder virtualisierte Container wie Docker und Co. Der neue Server soll es Entwicklern ermöglichen spezielle Mini-Service-Anwendungen (DevOps) zu entwickeln, die für Nano optimiert sind. Für Nano entwickelte Anwendungen sind allerdings nicht kompatibel mit herkömmlichen Installationen von Windows Server 2016, auch nicht mit Core-Installationen.

Container mit Windows Server 2016

Mit Windows Server 2016 hält auch die Container-Technologie [7] Einzug in Windows-Server. Diese bieten weitreichende Abschottung von Serverdiensten. Docker [8]arbeitet jetzt auch problemlos mit Windows Server 2016 zusammen. Der Betrieb von Containern erfolgt über einen Container-Host [9], die Verwaltung über die PowerShell [10].

Bessere Virtualisierung mit Hyper-V 2016

Wie in jeder neuer Serverversion, so hat Microsoft auch in Windows Server 2016 einige Neuerungen bezüglich der Virtualisierung integriert. Auch die Hochverfügbarkeit hat Microsoft erhöht, die Downtime reduziert und die Patch-Installation für Hyper-V-Server und Scale-Out-File-Server verbessert. Neben dem neuen Format zum Speichern der Konfigurationsdateien und den neuen Production-Snapshots, die den Volumenschatten-Dienst der VM zum Erstellen nutzen, lassen sich weitere neue Funktionen nutzen.

Mit den neuen Rolling Upgrades sollen sich Cluster wesentlich schneller  auf Windows Server 2016 aktualisieren lassen.  Hyper-V-Hosts und VMs können mit der neuen Technologie ohne Ausfallzeiten zu Windows Server 2016 aktualisiert werden. Dazu lassen sich Knoten in einem Cluster nacheinander zu Windows Server 2016 migrieren. Das heißt, die Installation eines zweiten Clusters ist nicht notwendig, was Installationszeit und Investitionskosten einspart.

Administratoren können Netzwerkkarten und Speicher von VMs im laufenden Betrieb ändern. Für den Arbeitsspeicher geht das bereits jetzt in Windows Server 2012 R2, aber nur dann, wenn Dynamic Memory aktiviert ist. In Windows Server 2016 ist die Anpassung des Speichers auch bei fester Arbeitsspeicherzuweisung möglich. Für diese Vorgänge müssen VMs weder neu gestartet, oder heruntergefahren werden.

Die Virtualisierungstechnologie Hyper-V wird in Windows Server 2016 weiter verbessert (Screenshot: Thomas Joos). [11]Die Virtualisierungstechnologie Hyper-V wird in Windows Server 2016 weiter verbessert (Screenshot: Thomas Joos).

Storage ist hochverfügbarer und besser vor Ausfall geschützt

Werden die virtuellen Festplatten einer VP im Netzwerk gespeichert, erkennt Windows Server 2016 Ausfälle des Speichers und kann VMs pausieren oder herunterfahren. Dadurch werden Abstürze und Datenverluste verhindert.  Storage Spaces [12] lassen sich in Windows Server 2016 über mehrere Server hinweg zusammenfassen. Das spart weiterhin Speicherkosten ein und erhöht Skalierbarkeit und Flexibilität, vor allem in Software Defined Storage-Lösungen auf Basis von Windows Server 2016.

Damit solche Lösungen auch effizienter funktionieren, hat Microsoft noch Storage Quality of Service eingeführt. Damit lassen sich Bandbreiten und Verfügbarkeit von Speichern auf Basis von Windows Server 2016 verbessern. Einfach ausgedrückt, soll das Feature verhindern, dass einzelne VMs in einem Hyper-V-Cluster den kompletten Speicher oder Datenverkehr zwischen Host und Datenspeicher verbrauchen. Administratoren können mit dieser Funktion sicherstellen, dass VMs eine bestimmte Geschwindigkeit garantiert bekommen, aber auch nur eine gewisse Menge maximal verbrauchen. Neben der Konfiguration einzelner VMs, können Administratoren auch Richtlinien erstellen und mehreren Servern zuweisen. Die Einstellungen lassen sich im Hyper-V-Manager vornehmen, in der PowerShell, aber auch über System Center Virtual Machine Manager 2016.

Storage Quality of Service soll die Verfügbarkeit des Speichers für virtuelle Umgebung verbessern (Screenshot: Thomas Joos). [13]Storage Quality of Service soll die Verfügbarkeit des Speichers für virtuelle Umgebung verbessern (Screenshot: Thomas Joos).

In diesem Zusammenhang ist auch Storage Replica interessant. Hier haben Administratoren die Möglichkeit den Speicher synchron zu replizieren. Das ist ideal für Desaster Recovery-Szenarien in Rechenzentren. Die Replikation der Datenträger erfolgt blockbasiert. Interessant ist die Technologie vor allem daher, weil sie auch zusammen mit der Daten-Deduplizierung arbeitet und auch parallel zur Hyper-V-Replikation genutzt werden kann. Praktisches Einsatzgebiet dafür ist auch die Replikation von Datenträgern zwischen Geo-Clustern, die in verschiedenen Regionen positioniert sind.

Mehr in  Sicherheit in Windows Server 2016

Windows Server 2016 verfügt über einen neuen Dienst mit der Bezeichnung „Host Guardian Service“. Der Dienst kann VMs, Clouddienste und Netzwerke überwachen und voneinander isolieren. PowerShell Desired State Configuration DSC), die Möglichkeit Sicherheitsvorlagen für Windows-Rechner über die PowerShell und Richtlinien im Netzwerk zu verteilen, wird mit Windows Server 2016 weiter ausgebaut. In der neuen Version sollen sich die Richtlinien und Einstellungen schneller bereitstellen und aktualisieren lassen. Dazu wird die neue PowerShell 5.0 in Windows Server 2016 verwendet.

Ebenfalls verbessert wurden IIS, ADFS, Remotedesktopdienste und Active Directory. Hier hat Microsoft auch vor allem im Bereich der Cloudanbindung nachgelegt. ADFS kann jetzt zum Beispiel überprüfen, ob das Gerät mit dem Anwender oder Anwendungen zugreifen, über entsprechende Sicherheitseinstellungen verfügt. Nur kompatible Geräte werden von ADFS authentifiziert und mit den angebundenen Ressourcen verbunden. In diesem Bereich hat Microsoft auch die Authentifizierung von Anwendungen verbessert. Windows Server 2016 versteht OpenID Connect und OAuth. Webanwendungen profitieren von HTTP/2 in IIS, inklusive der Header-Komprimierung.

Die eigene Cloud mit dem Azure Pack für Windows Server 2016

Mit Windows Server 2016 und dem Azure Pack, werden Unternehmen ihre eigene private Cloud auf Basis von Windows Server 2016 aufbauen können. Die Funktionen des Azure Packs entsprechen den Public Cloud-Funktionen von Microsoft Azure, werden aber im eigenen Rechenzentrum betrieben. So ist es zukünftig Unternehmen möglich, auf Basis von Windows Server 2016 und dem Azure Pack, Infrastructure as a Service (IaaS) und Plattform as a Service (PaaS) im eigenen Rechenzentrum zu erstellen. Unternehmen können mit der neuen Technologie die Vorteile der Cloud nutzen, ohne auf Public-Cloud-Anbieter setzen zu müssen. Microsoft will damit erreichen, dass im Netzwerk homogene Cloud-Strukturen herrschen. In vielen Unternehmen werden verschiedene Cloudlösungen eingesetzt, teilweise ohne Wissen der IT. Da mit dem Azure Pack das Unternehmen seine eigene Cloud betreibt, sollen alle Abteilungen in der Lage sein eigene Cloud-Dienste auf Basis von Azure im lokalen Netzwerk bereitzustellen.

Mit dem Azure Pack können Unternehmen mit Windows Server 2016 eine Privat Cloud-Umgebung aufbauen, die den Funktionen von Microsoft Azure entspricht (Screenshot: Thomas Joos). [14]Mit dem Azure Pack können Unternehmen mit Windows Server 2016 eine Privat Cloud-Umgebung aufbauen, die den Funktionen von Microsoft Azure entspricht (Screenshot: Thomas Joos).

Das Azure Pack ist aber nicht nur ein erweitertes Hyper-V zum Virtualisieren von Servern, sondern ein komplettes Software Defined Datacenter. Netzwerk, Speicher und andere Dienste werden auf Basis von Azure Pack erstellt, gehostet und verwaltet. Virtuelle Netzwerkkarten mit virtuellen VLANs lassen sich in virtuellen Netzwerken betreiben. Dazu setzt Azure Pack auf Geschwindigkeiten bis zu 40GbE. Der Speicher im Azure Pack wird durch Software Defined Storage angeboten.

In einem Azure-Pack-Rechenzentrum soll natürlich nicht nur Windows Server 2016 unterstützt werden. Auch ältere Windows-Versionen, und auch viele Linux-Distributionen unterstützen das Azure Pack. Die Entwickler einiger Distributionen haben dazu eng mit Microsoft zusammen gearbeitet, damit Linux problemlos im Azure Pack funktioniert. Dazu gehören CentOS, Red Hat Enterprise Linux (RHEL), Suse Linux Enterprise Server (SLES) und Ubuntu.

Im Azure Pack-Rechenzentrum sollen die Daten aber auch vor Administratoren geschützt sein. Administratoren sollen weder die Integrität, noch die Daten von virtuellen Servern oder Clouddiensten beeinträchtigen können. Leider verfügt die aktuelle TP2 von Windows Server 2016 noch nicht über das Azure Pack. Es ist aber zu erwarten, dass Microsoft in den nächsten Monaten Azure Stack als Vorschau bereitstellt, und das Produkt dann mit Windows Server 2016 eingesetzt werden kann.

Wechsel zwischen GUI-Variante, Core-Server und Minimal Server Interface

Um zwischen der Core-Variante und grafischen Oberfläche zu wechseln, müssen Administratoren im Server-Manager die entsprechenden Features auf der Seite „Select Features“ im Bereich „User Interfaces and Infrastructure“ die beiden Features „Desktop Experience“ und „Server Graphical Shell“ installieren. Standardmäßig ist in Windows Server 2016 bereits die Minimal Interface Shell installiert. Dabei handelt es sich um Das Feature „Graphical Management Tool“. Bei diesem Interface ist der Server-Manager installiert, es fehlen aber Tools wie Windows-Explorer und der Desktop. Administratoren können daher in Windows Server 2016 zwischen drei Oberflächen wechseln, genauso wie in Windows Server 2012 R2:

  1. Minimal Server Interface – Das Feature „Graphical Management Tool“ ist installiert. In der PowerShell trägt dieses Feature die Bezeichnung „Server-Gui-Mgmt-Infra“
  2. Core-Server – Weder „Desktop Experience“, noch „Server Graphical Shell“ und „Graphical Management Tool“ sind installiert. Es stehen nur Befehlszeile, PowerShell und einige wenige Tools für die grafische Oberfläche zur Verfügung. Verwaltet wird der Server mit dem textbasierten Tool „sconfig“, welches in der Befehlszeile gestartet wird.
  3. Grafische Oberfläche – Hier sind „Desktop Experience“, „Server Graphical Shell“ und „Graphical Management Tool“ installiert. Es steht die gleiche grafische Oberfläche zur Verfügung, wie in Windows 10.

Um die grafische Verwaltungsoberfläche zu deinstallieren, muss unbedingt zuerst das Feature „Server Graphical Shell“ deinstalliert werden und erst danach  „Desktop Experience“ und „Graphical Management Tools“. Die Installation können Administratoren in der grafischen Oberfläche durchführen oder in einer PowerShell-Sitzung. Diese lässt sich in der Befehlszeile der Core-Installation sehr einfach über die Eingabe von „powershell“ in der Befehlszeile öffnen. Es stehen folgende Optionen zur Verfügung:

Weitere Artikel zum Thema Windows Server 2016:

 

Tipp: Wie gut kennen Sie Windows? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de [18].

Artikel von ZDNet.de: http://www.zdnet.de

URL zum Artikel: http://www.zdnet.de/88234479/windows-server-2016-technical-preview-2-die-neuerungen-im-ueberblick/

URLs in this post:

[1] Windows Server 2016: https://www.microsoft.com/de-de/evalcenter/evaluate-windows-server-technical-preview

[2] Microsoft: http://www.zdnet.de/unternehmen/microsoft/

[3] neue Features: http://www.zdnet.de/88268095/windows-server-2016-und-system-center-2016-tp5/

[4] Windows 10: http://www.zdnet.de/themen/windows-10/

[5] Nano-Installation: http://www.zdnet.de/88245613/nano-server-mit-windows-server-2016-tp3-grundlagen-installation-einrichtung/

[6] Windows Server 2016: http://www.zdnet.de/themen/windows-server-2016/

[7] Container-Technologie: http://www.zdnet.de/88246593/windows-server-2016-docker-mit-windows/

[8] Docker : http://www.zdnet.de/88246989/docker-und-windows-server-2016-das-muessen-profis-wissen/

[9] Container-Host: http://www.zdnet.de/88247755/windows-server-container-host-installieren-und-einrichten/

[10] PowerShell: http://www.zdnet.de/88248317/windows-server-container-verwaltung-mit-powershell-und-skripten/

[11] Image: http://www.zdnet.de/wp-content/uploads/2015/05/w2k16-05.jpg

[12] Storage Spaces: http://www.zdnet.de/88246243/software-defined-storage-storage-spaces-direct-in-windows-server-2016/

[13] Image: http://www.zdnet.de/wp-content/uploads/2015/05/w2k16-06.jpg

[14] Image: http://www.zdnet.de/wp-content/uploads/2015/05/w2k16-03.jpg

[15] Windows Server Container in Microsoft Azure in betreiben: http://www.zdnet.de/88249362/windows-server-container-in-microsoft-azure-in-betreiben/

[16] Windows Server 2016 – Die Neuerungen in der Praxis: http://www.zdnet.de/88244849/windows-server-2016-tp3-die-neuerungen-in-der-praxis/

[17] Windows Server 2016 – Die Neuerungen im Überblick: http://www.zdnet.de/88234479/windows-server-2016-technical-preview-2-die-neuerungen-im-ueberblick/

[18] Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de: http://www.silicon.de/quiz/wie-gut-kennen-sie-windows-8-1