Konkurrenz für Raspberry: Start-up startet Kickstarter-Kampagne für 9-Dollar-Computer

Die Kampagne übertrifft in wenigen Tagen ihr Finanzierungsziel um ein Vielfaches. Der Einplatinenrechner basiert auf einem ARM-Prozessor mit einer Taktrate von 1 GHz. Der Anbieter will Schaltpläne und Platinenlayout für freie Nutzung und Modifizierung bereitstellen.

Next Thing Co. (NTC) hat auf der Schwarmfinanzierungsplattform Kickstarter die Kampagne für einen Einplatinenrechner zum Preis von 9 Dollar gestartet. Ähnlich wie Raspberry Pi soll sich der schlicht als „Chip“ bezeichnete Computer für verschiedenste Projekte eignen und ist vielseitig erweiterbar.

Die Hardware des Einplatinenrechners soll ebenso offen wie die Software sein (Bild: NTC).Die Hardware des Einplatinenrechners soll ebenso offen wie die Software sein (Bild: NTC).

Den niedrigen Preis erklärt das Start-up durch die enge Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller Allwinner, dessen ARM-Prozessoren bereits in einer Flut billiger Tablets zum Einsatz kommen. Der auf dem 9-Dollar-Computer verbaute System-on-Chip basiert auf Allwinners verbreitetem A13-Prozessor, der jedoch in einer überarbeiteten Version und in einem kleineren Formfaktor zum Einsatz kommen soll. Dieser neue Prozessor R8 läuft mit einer Taktrate von 1 GHz. Ihm stehen 512 MByte RAM und 4 GByte Flash-Speicher zur Seite.

WLAN 802.11n für die Internetverbindung und Bluetooth 4.0 für den Anschluss von Tastatur und Maus sind bereits integriert. Ebenfalls an Bord sind ein USB-Anschluss in voller Größe und ein Composite-Video-Ausgang. Später verfügbare Erweiterungen für 10 beziehungsweise 15 Dollar sollen auch den Anschluss von VGA- und HDMI-Monitoren erlauben.

Für mobile Projekte ist außerdem ein als „Pocket Chip“ bezeichnetes Gehäuse mit resistivem Touchscreen, Tastatur und 3000-mAh-Batterie zum Preis von 49 Dollar inklusive Computerplatine vorgesehen. Die Versandkosten nach Deutschland sind mit 20 Dollar für den Platinenrechner angegeben – der Anbieter sucht aber noch nach einem günstigeren Weg für nachverfolgbaren internationalen Versand.

HIGHLIGHT

Die Geschichte des Raspberry Pi

Der vielseitige und günstige Einplatinen-Computer sollte britische Schüler zum Programmieren anregen. Zur großen Überraschung des Erfinders Eben Upton verkauften sich eine Million Raspberry Pi - und sie finden zunehmend auch kommerzielle Verwendung. Der 34-jährige Chipdesigner sprach mit ZDNet über die Entstehungsgeschichte und Zukunftspläne.

Als Betriebssystem kommt eine angepasste Version von Debian Linux zum Einsatz. Dutzende Anwendungen und Tools sind ebenfalls vorinstalliert, weitere können nachgeladen werden. Neben der Software erklärt das Start-up auch die Hardware von Chip und Pocket Chip als völlig offen. Schaltpläne und Platinenlayout sollen zum Download für freie Nutzung und Modifizierung bereitgestellt werden.

Die Kampagne hat schon in wenigen Tagen ihr Finanzierungsziel von 50.000 Dollar nicht nur erreicht, sondern um ein Vielfaches übertroffen. Sie steht schon bei über 670.000 Dollar und läuft noch 26 Tage. Die Auslieferung des 9-Dollar-Computers ist ab Dezember 2015 vorgesehen. Mit der hackbaren Kamera „Otto“, die auf dem Platinenrechner Raspberry Pi basiert, ist bereits ein früheres Kickstarter-Projekt von NTC in der Auslieferung.

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