Microsoft verliert 12 Cent an jedem verkauften Lumia-Smartphone

Microsoft hat zwar den Umsatz seiner von Nokia übernommenen Handysparte im dritten Fiskalquartal auf 1,4 Milliarden Dollar gesteigert, aber trotzdem in dem Bereich einen operativen Fehlbetrag von 4 Millionen Dollar erwirtschaftet. Wie Computerworld berichtet, betrug der Verlust pro verkauften Lumia-Smartphone 12 Cent, und zwar vor Abzug der Marketing- sowie Forschungs- und Entwicklungskosten und anderer Ausgaben.

Das Lumia 640 Dual SIM (Bild: Microsoft).Darüber hinaus hat Microsoft in einer Börsenpflichtmeldung Investoren vor einer möglichen Abschreibung in Folge der Nokia-Übernahme gewarnt. Aufgrund der jüngsten Zahlen sei das Risiko einer Wertberichtigung sehr hoch. Laut Computerworld geht Microsoft davon aus, dass der Buchwert der Smartphonesparte den eigentlichen Marktwert deutlich übertrifft.

Konkret könnten ein Rückgang der Verkaufszahlen oder des Cash Flow eine Wertberichtigung erforderlich machen, die zu einer „möglicherweise erheblichen Gewinnbelastung führt“, so Microsoft weiter. Der unabhängige Analyst Ben Thompson folgert laut daraus, dass schon sehr bald mit einer „sehr, sehr großen Abschreibung und einem Quartalsverlust“ zu rechnen ist.

Den Wert der Handysparte gebe Microsoft in seiner Bilanz derzeit mit 5,46 Milliarden Dollar an, heißt es weiter in dem Bericht. Hinzu kämen immaterielle Vermögenswerte in Höhe von 4,51 Milliarden Dollar. Die Bewertung der Handysparte wiederum habe Microsoft bisher mit der der Erwartung „größerer Synergien, die sich aus der Integration von Nokias Handygeschäft ergeben“, begründet.

Diese Erwartungen haben sich nach Einschätzung von Microsoft aber nicht erfüllt. „In diesem konkurrenzbetonten und unbeständigen Markt ist es möglich, dass wir unsere Vorhersage nicht erreichen“, schreibt Microsoft in seiner Börsenpflichtmeldung.

Bei der Präsentation der Bilanz für das dritte Geschäftsquartal hatte Microsoft die Abschreibung noch nicht erwähnt. Chief Financial Officer Amy Hood kündigte lediglich eine weitere Kostensenkung an. Zudem erklärte sie, man werde das Ziel, im kommenden Geschäftsjahr 2016 (ab 1. Juli 2015) mit der Handysparte keine Verluste mehr einzufahren, möglicherweise nicht erreichen.

Schon 2012 hatte Microsoft einen Milliardenbetrag auf den Wert einer Akquisition abgeschrieben. Die Korrektur belastete das vierte Fiskalquartal 2012 (bis 30. Juni) mit insgesamt 6,2 Milliarden Dollar. Der größte Teil der Abschreibung entfiel auf die Übernahme der Online-Firma Aquantive im Jahr 2007.

Die Wertberichtigung habe Microsoft vorher ebenfalls in einer Börsenpflichtmeldung angekündigt, jedoch weniger deutlich als jetzt, ergänzte Computerworld. Vor drei Jahren habe es beispielsweise nicht von einem „erhöhten Risiko einer Abschreibung“ gesprochen.

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3 Kommentare zu Microsoft verliert 12 Cent an jedem verkauften Lumia-Smartphone

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  • Am 28. April 2015 um 9:39 von PeerH

    Wie zu erwarten war: Microsoft steht im Mobilgeschäft mit dem Rücken zur Wand, und versucht mittels Lumias nahe Selbstkostenpreis Marktanteile zu erobern.

    Bisher eher mit geringem Erfolg – was ich persönlich schade finde, da mir MS lieber ist als Google, aber Microsoft hat es eben marketingtechnisch versäumt aus Androids Schwächen bisher Kapital zu schlagen.

    Das Win 8 Debakel hat tiefe Wunden hinterlassen, obwohl die Kacheln auf den Smartphones absolut sinnvoll sind.

    Die Botschaft sollte lauten: mindestens drei Jahre garantierte Updates und eine fünfjährige Updategarantie für sicherheitsrelevante Bugs – und etliche genervte Android-Nutzer würden sich für Windows.

    Das Android WebView Debakel hätte Microsoft enorm ausschlachten können, aber sie haben das einfach verschlafen. Sie haben sich stattdessen durch Google wegen fehlender Windows Bugfixes vorführen lassen.

    Im Moment scheint Microsoft noch mit sich selber beschäftigt zu sein. Das ist möglicherweise das größte Problem.

  • Am 28. April 2015 um 12:52 von Aerni68

    Dass Microsoft mit den Lumia Handys wenig Gewinn erzielt, ist nicht verwunderlich. Seit zu langer Zeit wirft man Geräte im Low-Budget Segment und in der Mittelklasse in den Markt. Diese haben möglicherweise sogar die Verbreitung der Windows Phone – Plattform voran gebracht. In Sachen „Marge“ dürfte da aber nicht viel übrig geblieben sein aus den Handy-Verkäufen. Was Microsoft jetzt braucht ist die Hebung der Synergien aus Windows 10 und neuen Smartphones im Highend-Bereich. In den Segmenten darunter gibt es bereits zu viele updatefähigen Geräte, als dass neue Modelle viel bringen würden. Im Highend-Bereich herrscht aber absolut gähnende Leere, die dringend mit bestmöglicher Substanz ohne jede Kompromisse zu füllen wäre. Dabei sollte Microsoft beweisen, wie durchgängig die Windows 10 – Plattform wirklich ist. Ich hoffe da sehnlichst auf Spannendes in diesem Herbst 2015.

    • Am 29. April 2015 um 13:57 von Judas Ischias

      Dann sollte man aber bei Microsoft nicht so merkwürdige Entscheidungen treffen, wie z.B. die Sache mit den Lumia 640 Dual Sim.
      Zum Beispiel gibt es diese Geräte in Frankreich mit LTE, in Deutschland dagegen nicht.
      Wie kommt man denn zu solch merkwürdigen Erkenntnissen, dass in Deutschland diese Variante nicht gefragt ist?
      Oder keine Frontkamera bei einigen Geräten, wie soll der Kunde denn da skypen?
      So lange auch eine solch merkwürdige Planung weiterhin bei Microsoft stattfindet, wird es nix mit mehr Marktanteilen.
      Dass die Geräte von Microsoft in den Elektronikgeschäften sehr stiefmütterlich behandelt werden, spielt auch eine große Rolle.
      Teilweise wird den Kunden der Kauf sogar ausgeredet, weil es nicht genug Apps gibt und diese teilweise auch eine sehr schlechte Qualität haben.
      Und muss es denn unbedingt ein Gerät von Microsoft sein?
      Andere Hersteller bieten doch… bla bla bla…
      Vielleicht sollte Microsoft den Verkäufern mal höhere Prämien bezahlen, dann wird es in Zukunft auch etwas mit besseren Verkäufen. ;)

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