Kampf gegen Trolle: Twitter verschärft Richtlinien

Jetzt ist jede "Förderung von Gewalt gegen andere" untersagt. Die bisherige Formulierung sei "über Gebühr eng" gewesen, heißt es. Twitter behält sich außerdem zeitweise Sperren vor und kann User zum Löschen beleidigender Tweets zwingen.

Twitter hat seine Richtlinien aktualisiert, um rigoroser gegen Trolle vorgehen zu können. Neben tatsächlichen Gewaltandrohungen ist jetzt jede „Förderung von Gewalt gegen andere“ untersagt. Die bisherige Formulierung sei „über Gebühr eng“ gewesen, informiert das Social Network, was seinen Handlungsspielraum eingeschränkt habe.

Twitter kann nun User zur Löschung von Tweets zwingen (Screenshots: Twitter)Twitter kann nun User zur Löschung von Tweets zwingen (Screenshots: Twitter)Zudem behält sich Twitter nun vor, im Fall von ihm identifizierter Beleidigungen zeitweise Sperrungen von Konten vorzunehmen. Auch kann es jetzt Anwender zwingen, beleidigende Tweets zu löschen, bevor sie neue posten können.

Twitter-CEO Dick Costolo hatte im Februar in einer internen Mail zu Kritik an Twitter Stellung genommen, es finde keinen Weg, Belästigungen und Beleidigungen seiner Mitglieder zu verhindern. Er übernahm dafür persönlich die Verantwortung: „Wir versagen dabei, mit Missbrauch und Trollen auf der Plattform umzugehen, und das schon seit Jahren. Es ist kein Geheimnis. Der Rest der Welt redet jeden Tag darüber. Wir verlieren immer wieder wichtige Nutzer, indem wir Trolle nicht loswerden, mit denen sie sich jeden Tag herumschlagen“, schrieb er an die Mitarbeiter. „Es ist absurd. Es gibt keine Entschuldigung. Ich übernehme die volle Verantwortung, nicht aggressiver vorgegangen zu sein. Niemand außer mit hat Schuld, und es ist beschämend.“

Sein Schluss aus der Misere war es, ab sofort aktiver einzuschreiten: „Wir beginnen jetzt damit, diese Leute links und rechts herunterzuwerfen und dabei sicherzustellen, dass ihre lächerlichen Angriffe von niemandem gehört werden.“ Bald darauf begann das Social Network, vorübergehend gesperrte Nutzer zu einer Verifizierung mit E-Mail-Adresse oder Telefonnummer zu zwingen, um wieder Zugriff zu bekommen.

Im vergangenen Jahr gab es via Twitter Todes- und Vergewaltigungsdrohungen gegen eine Feministin, die sich für britische Geldscheine mit dem Porträt der Schriftstellerin Jane Austen einsetzte. Nach dem Tod des Schauspielers Robin Williams erhielt dessen Tochter so bösartige Nachrichten, dass sie sich entschied, Twitter zu verlassen. Im gleichen Monat gingen bei der Videobloggerin und Medienkritikerin Anita Sarkeesian dermaßen beängstigende Tweets ein, dass sie vorübergehend den Wohnort wechselte. Sie hatte es gewagt, sich mit der Rolle von Frauen in Computerspielen zu beschäftigen.

Twitter prüft Richtlinienverstöße von Hand. Das zuständige Team wurde zwar im Februar verdreifacht, bei 288 Millionen Nutzern und 500 Millionen Tweets täglich bleibt dies aber eine Herausforderung. Erleichterung könnte ein „Qualitätsfilter“ bringen, der bisher schon testweise im Einsatz ist.

[mit Material von Don Reisinger, News.com]

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