Facebooks Internet.org laufen indische Partner davon

Sie sehen in nicht auf Volumenkontingente angerechneten, von Facebook ausgewählten Diensten eine Bedrohung für die Netzneutralität. Das trifft auch Airtel Zero - ein vergleichbares Angebot des größten indischen Mobilfunknetzbetreibers.

In Indien distanzieren sich immer mehr frühere Partner von Facebooks Initiative Internet.org, da sie von Facebook ausgewählte, kostenlos abrufbare Dienste als Gefahr für die Netzneutralität sehen. So sind der Reisebuchungsdienst Cleartrip, die journalistischen Angebote NDTV und Newshunt sowie bestimmte Titel der Times Group neuerdings nicht mehr Teil des indischen Angebots.

Android-App für Internet.org (Bild: Facebook)Android-App für Internet.org (Bild: Facebook)

Zuletzt hatte die Times of India berichtet, die Angebote TimesJobs und Maharashtra Times der Times Group zögen sich aus Internet.org zurück. Die Times of India selbst soll nur ausgenommen werden, falls ihre Konkurrenten sich ebenfalls zu dieser Maßnahme entschließen. „Wir unterstützen die Netzneutralität, weil sie ein gerechtes, für alle Firmen gleiches Feld bereitet, für kleine wie große, um den besten Dienst zu schaffen und ihn Verbrauchern anzubieten.“

Facebook hatte die Internet.org-App erst vor gut zwei Monaten in Indien verfügbar gemacht. Als Netzbetreiber-Partner fungiert Reliance Communications: Es rechnet Zugriffe auf die in der App zunächst enthaltenen 38 Websites nicht auf das Datenvolumen seiner Nutzer an.

Den ersten Dienst dieser Art hatte das Facebook-Projekt im Sommer 2014 in Sambia gestartet. Später folgten Ghana, Kenia, Kolumbien und Tansania.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat erst diese Woche zur Frage Stellung genommen, ob Internet.org die Netzneutralität bedroht. „Ich glaube, Netzneutralität ist wichtig, um sicherzustellen, dass Netzbetreiber nicht zwischen Inhalten unterscheiden und Zugriffe auf Dienste beschränken, die die Menschen gern nutzen möchten, besonders in Ländern, wo die meisten Menschen online sind“, sagte er. „Für Leute ohne Internet ist ein bisschen Anbindung und ein wenig Sharing schon besser als gar nichts. Darum sind Programme wie Internet.org wichtig und können mit Netzneutralitätsregeln koexistieren.“

Im Rahmen der gleichen Frage- und Antwortstunde machte Zuckerberg auch öffentlich, dass er sich ein Internet.org-Angebot in Europa vorstellen kann. In den USA dürfte eine solche Offerte seit Februar 2015 rechtswidrig sein.

In Indien ist das Problem noch etwas komplexer, als Zuckerberg vermutlich wahrhaben möchte. Der größte Mobilfunk-Netzbetreiber Bharti Airtel hat dort nämlich ein vergleichbares Angebot gestartet, Airtel Zero – und dafür wählt er die Website-Partner aus, nicht etwa Facebook. Die Netzneutralitätsdebatte kam dann dadurch ins Rollen, dass sich die große E-Commerce-Plattform Flipkart vergangene Woche aus Airtel Zero zurückzog.

[mit Material von Leon Spencer, ZDNet.com]

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Themenseiten: Facebook, Netzwerk, Soziale Netze, Telekommunikation

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