Nach Milliardeninvestitionen: HP verlässt Public-Cloud-Markt

Cloudserver und Hybrid-Angebote werden weiter im Programm sein. Erst im August 2014 hatte es sich entschieden, ausschließlich auf OpenStack zu setzen. Zur Verstärkung kaufte es Eucalyptus und integrierte dessen Infrastruktur-Lösung.

Hewlett-Packard (HP) hat angekündigt, sein Public-Cloud-Angebot aufzugeben. Nach knapp fünf Jahren beendet es den Versuch, in diesem Bereich mit Amazon Web Services, Google Cloud Platform, IBM SmartCloud oder auch Microsoft Azure zu rivalisieren, wie die New York Times berichtet.

Logo HP Helion (Bild: HP)

HP hatte seine Cloud-Pläne mehrfach korrigiert. Zuletzt bot es die Helion Enterprise Cloud an: eine Kombination aus eigener Server-Hardware, der quelloffenen Cloud-Software OpenStack und dem kürzlich übernommenen Eucalyptus.

Die ausschließliche Entscheidung für OpenStack fiel erst im September 2014. Zuvor hatte HP auch mit CloudStack, Microsoft und VMware kooperiert. Damals sagte der für die Cloud zuständige Senior Vice President Bill Hilf zu ZDNet.com, man wolle nicht nur als Mitläufer gesehen werden. Deshalb beschleunige man die Cloud-Strategie deutlich. Jetzt zitiert die New York Times Hilf mit der Aussage: „Wir dachten, die Leute würden Computing von uns mieten oder kaufen. Es hat sich herausgestellt, dass es für uns keinen Sinn hat, im direkten Wettkampf mitzumachen.“

HP gibt aber nicht alle Cloud-Angebote auf. Im Angebot sind weiter etwa Helion-Racks für integrierte Private Clouds, die Hyperscale-Server der Reihen Cloudline und Moonshot sowie diverse Private- und Hybrid-Cloud-Lösungen.

Erstaunlich ist die Entscheidung im Zusammenhang mit der vor etwa einem halben Jahr angekündigten Aufspaltung von HP in zwei Firmen. Als einer der Gründe für diese Strategie war genannt worden, HP Enterprise könne so zu einer Macht im Public-Cloud-Markt werden. Mit der radikalen Entscheidung demonstriert HP allerdings, dass es tatsächlich zu einem schnell reagierenden Unternehmen geworden ist, das Märkte aufzugeben bereit ist, die sich nicht wunschgemäß entwickeln.

Logo von Hewlett-Packard (Bild: HP)

Am Ende der Aufspaltung wird es ein Unternehmen für Geschäftskunden (Hewlett-Packard Enterprise) und eins für Drucker und PCs geben (HP Inc). Beide werden jeweils etwa die Hälfte des Umsatzes ausmachen und nach wie vor an der Börse gelistet sein. Von dieser Restrukturierung erhofft sich das HP-Management, schnelleres Wachstum in den einzelnen Bereichen zu erzielen. Ende Januar stellte es bereits die künftigen Führungsteams der zwei eigenständigen Unternehmen vor.

Die Kosten dafür sind allerdings höher als ursprünglich geplant, nämlich etwa 2,7 Milliarden Dollar. Diese Summe nannte HP in seinem letzten Quartalsbericht im Februar. Im ersten Fiskalquartal (bis 31. Januar) gingen die Einnahmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf 26,8 Milliarden Dollar zurück.

Dass OpenStack noch nicht unmittelbar vor dem Durchbruch steht, hatte diesen Monat schon Pionier Nebula eingesehen, der den Betrieb mit folgender Begründung einstellte: „Wir sind schwer enttäuscht, dass der Markt wohl noch etliche weitere Jahre brauchen wird, um heranzureifen. Als mit Risikokapital ausgestattetes Start-up haben wir nicht die Ressourcen, das abzuwarten.“

Auch CEO Adrian Ionel von OpenStack-Anbieter Mirantis hat kürzlich erklärt, der Erfolg der OpenStack-Plattform hänge davon ab, ob größere Firmen Clouds mit diesem Kontrollsystem einrichten werden. „OpenStack steht gerade am Scheideweg. Es ist ein kritischer Moment und kann so oder so ausgehen. OpenStack ist in einer guten Position, jetzt geht es nur darum, von ersten Tests auf weitläufige Nutzung umzustellen.“

[mit Material von Steven J. Vaughan-Nichols, ZDNet.com]

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Themenseiten: Cloud-Computing, Hewlett-Packard, Strategien

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