Lizenzansprüche von HEVC Advance könnten 4K-Video teurer machen

Unter diesem Namen hat sich ein zweiter Lizenzpool rund um das Kompressionsverfahren formiert. Er enthält angeblich 500 für HEVC essenzielle Patente. Details sollen erst im dritten Quartal 2015 folgen, was die Einführung von 4K verzögern dürfte.

Eine Gruppe namens HEVC Advance hat Pläne vorgelegt, Patente ihrer Mitglieder zur Lizenzierung anzubieten. Sie beschäftigen sich mit Videokompression. Bisher waren viele Marktteilnehmer und Beobachter davon ausgegangen, dass der einzige für mit HEVC komprimierte 4K-Videos in Lizenz zu nehmende Patentpool der der Gruppe MPEG LA ist.

Logo HEVC Advance (Bild: HEVC Advance)

High Efficiency Video Coding oder HEVC ist ein alternativer Name für den Videocodec H.265, den hochauflösenden Nachfolger von H.264 (MPEG-4 AVC). Die etablierte MPEG LA hatte 2014 einen Patentpool für diese Technik angekündigt, um die Einführung zu vereinfachen, ohne die Ansprüche ihrer Mitglieder aufzugeben. Firmen, die Video-Software, Blu-ray-Player oder auch Smartphones anbieten, werden diese Patente in Lizenz nehmen müssen.

Die zusätzlichen Ansprüche machen die Sache komplizierter – und wohl auch teurer. Beispielsweise hat die MPEG LA einen Verzicht auf Patentgebühren fürs Streaming von HEVC erkärt. Ob HEVC Advance das auch so handhabt, weiß heute noch niemand.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das nicht auf den Preis auswirkt“, sagt Berater Jan Ozer, der sich beim Streaming Learning Center mit Videotechnik beschäftigt und darüber schreibt. Auch habe die Gruppe noch keine Lizenbedingungen vorgelegt. Das werde die Einführungspläne für die Technik einige Monate zurückwerfen.

„Es schafft Verwirrung im Markt“, ergänzt Dan Rayburn von Frost & Sullivan, zumal MPEG LA schon Patente von 27 Patentinhabern vereine. „Sie versenden eine Pressemeldung, die eine Menge Inhalteanbieter erschreckt, und sie nennen keine Details … Viele Anbieter von Inhalten sagen mir, das sei schlecht für ihr Geschäft.“

HEVC Advance selbst behauptet, es gehe ihm um Beschleunigung und Vereinfachung. Schließlich seien einige wichtige Patentinhaber nicht im Pool der MPEG LA vertreten. „Es ist klar, dass der Markt eine zusätzliche Lizenzierungsoption für Inhaber von für HEVC essenziellen Patenten verlangt, und HEVC entspricht diesem Bedarf.“ Wie es zur Unzufriedenheit mancher Patentinhaber mit der MPEG LA kam, erklärt es nicht. Es vertrete rund 500 für HEVC standardessenzielle Patente. Seine Lizenz werde es im dritten Quartal 2015 vorlegen. Voraussichtlich werden Patente von Dolby, General Electric, Mitsubishi Electric, Philips und Technicolor enthalten sein.

Die Ankündigung des zweiten HEVC-Patentpools erfolgte kurz vor dem Start der jährlichen Konferenz der National Association of Broadcasters in Las Vegas, also der US-TV-Branche. HEVC gilt als kommendes Standard-Kompressionsverfahren für 4K-Videos, also solche mit mindestens vierfacher HD-Auflösung.

Von dem Streit könnten letztlich Google und die Endanwender profitieren: Googles mit HEVC konkurrierender Kompressionsstandard VP9 ist bereits lizenzfrei verfügbar und kommt etwa auf Youtube zum Einsatz, wenn der verwendete Browser es unterstützt. Wie bei anderen VPx-Techniken handelt es sich um einen Versuch, Patenterwägungen rund um Online-Video für alle Beteiligten überflüssig zu machen. Zweifel bestehen allerdings noch, ob VP9 qualitativ gleichwertig mit HEVC ist – und ob tatsächlich keine Patentansprüche dagegen erhoben werden können.

[mit Material von Stephen Shankland, News.com]

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Themenseiten: Google, HEVC Advance, MPEG LA, Patente, Streaming, Video

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2 Kommentare zu Lizenzansprüche von HEVC Advance könnten 4K-Video teurer machen

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  • Am 27. März 2015 um 18:46 von Atalanttore

    Hoffentlich komprimiert der Videocodec Daala eines Tages besser als die Inkarnationen der MPEG LA.

  • Am 29. März 2015 um 9:40 von Roger

    Ist ja auch spassig, dass man einfach eine „Patent-Verwaltungsfirma“ gründen kann und dann sollen alle nocheinmal zahlen??

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