Amazon beschwert sich über zu strenge Regeln für Drohnentests

Der Onlinehändler stellt die flexiblere Regulierung europäischer Länder als vorbildhaft dar. Die US-Flugaufsicht FAA benötige mehr "Schwung", sonst fielen die Vereinigten Staaten weiter zurück. Die FAA ist zur Genehmigung autonomer Drohnenflüge bereit, drängt aber auf standardisierte und erwiesenermaßen sichere Technologien.

Amazon hat sich bei einer parlamentarischen Anhörung vehement über das aus seiner Sicht zu langsame und strikte Genehmigungsverfahren für seine Drohnentests beschwert. Es stellte die flexiblere Regulierung europäischer Länder als vorbildhaft dar und legte den Politikern nahe, Druck auf die Flugaufsicht zu machen.

Lieferdrohne von Amazon (Bild: Amazon)Das Lamentieren kommt weniger als eine Woche, nachdem die zuständige Federal Aviation Administration (FAA) Amazon eine vorläufige Genehmigung für Drohnentests erteilte. Amazon Logistics wurde damit eine „experimentelle Lufttüchtigkeit“ bescheinigt, und es darf seither unbemannte Flugobjekte für Forschungs- und Entwicklungszwecke betreiben. Allerdings darf es die Drohnen nur bis zu einer Höhe von rund 120 Meter fliegen lassen, zudem nur tagsüber bei guten Sichtbedingungen und immer in Sichtweite des Piloten.

Laut Amazon ist der Prototyp, für den die Genehmigung erst nach über sechs Monaten erteilt wurde, aber längst veraltet. „Wir testen ihn nicht mehr“, sagte Paul Misener, bei Amazon.com als Vizepräsident für Global Public Policy verantwortlich. „Wir sind zu fortgeschritteneren Konstruktionen übergegangen, die wir bereits im Ausland testen. Nirgendwo außerhalb der Vereinigten Staaten waren wir gezwungen, mehr als ein oder zwei Monate zu warten, um mit dem Testen zu beginnen.“

Misener erklärte vor dem für Luftfahrtfragen zuständigen Unterausschuss des US-Senats, Amazon habe am Freitag beantragt, ein fortgeschritteneres Drohnensystem zu testen, und hoffe jetzt auf eine schnellere Genehmigung. Die FAA verfüge über angemessene gesetzliche Befugnisse. Sie benötige aber „Schwung“, sonst fielen die Vereinigten Staaten weiter zurück.

Der Amazon-Manager lobte die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA, European Aviation Safety Agency) dafür, dass sie Drohnen als neue Kategorie von Fluggeräten und nicht ähnlich wie bemannte Flugzeuge behandle. Er monierte insbesondere, dass die FAA nicht bereit ist, einen automatischen Flugbetrieb jenseits der Sichtgrenze zuzulassen. Misener führte erneut Amazons Pläne für einen drohnenbasierten Lieferdienst aus, den es erstmals Ende 2013 vorgestellt hatte. Der Prime Air genannte Dienst soll in wenigen Jahren einsatzbereit sein und Pakete über eine Entfernung von 16 Kilometer und mehr zustellen.

Die Air Line Pilots Association, die 50.000 amerikanische Flugzeugpiloten vertritt, drängte im Ausschuss darauf, dass Drohnen in der Lage sein müssen, andere Fluggeräte zu identifizieren und ihnen auszuweichen. Sie warnte vor kommerziellem Druck, eine Technologie verfrüht und ohne eine vollständige Sicherheitsanalyse einzuführen.

Peggy Gilligan, Associate Administrator für Flugsicherheit bei der FAA, erklärte die Bereitschaft zur Genehmigung autonomer Drohnenflüge. Die Flugaufsicht müsse jedoch sicherstellen, dass bestimmte Technologien wie Software und Sensoren, mittels denen Drohnen Hindernisse vermeiden können, standardisiert und erwiesenermaßen sicher sind. Die erforderlichen Verfahren dafür könnten Jahre in Anspruch nehmen. „Hier geht es um einen weitaus komplexeren Bereich, und wir haben noch keine etablierten technischen Standards“, sagte sie.

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1 Kommentar zu Amazon beschwert sich über zu strenge Regeln für Drohnentests

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  • Am 26. März 2015 um 21:55 von AmbaMerlinson

    Ist denen der nasse Hut über die Ohren gerutscht?
    Wo bitte in Europa dürfen Drohnen frei fliegen?
    Wir haben in Deutschland noch nicht einmal die Möglichkeit einer ungenehmigten „Außenlandung“ für Hubschrauber.
    Bei uns gelten Modellflugzeuge über 6kg Fluggewicht als Drohne und brauchen eine Fluggenehmigung.

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